Donnerstag, 19.02.2015

Déjà-vu: Québec, Saint-Jean-Port-Joli, Montréal :-)

Na nu? Wer meldet sich denn da?!

Ja, ihr seht richtig: Ich bin es... Mal wieder. Ich bin zwar schon (lange) wieder im Schwabenländle, aber ihr wisst schon... Es steht noch ein versprochener Blog-Eintrag aus! Ja, ich habe das nicht vergessen; und ich halte meine Versprechen selbstverständlich. Auch, wenn ich wieder einmal (super) spät dran bin. Aber besser so als gar nicht. Es gab seit ich wieder hier bin eben erst einmal einiges zu organisieren. Nun, da dieses "so einiges" unter Dach und Fach ist, erlaube ich es mir, mich einmal wieder hin zu sitzen und ein bisschen in meinen Erinnerungen zu kramen. Es gibt da so einiges, das ihr nämlich noch nicht wisst ;-)

Vorher aber noch kurz vorweg: Je mehr Zeit vergeht, um so eher lerne ich es NOCH MEHR schätzen, was ich erleben durfte, was ich lernen durfte und was ich alles so erfahren habe. Kanada hat mich unbeschreiblich viel weiter gebracht und ja... ich muss zugeben, es gab sogar schon den ein oder anderen Moment, an dem ich "Heimweh" nach Kanada hatte ;-) Dieses Gefühl überkommt mich besonders dann, wenn ich amerikanische Filme anschaue oder ich mich wieder einmal über Engländer und ihren Dialekt aufrege :-D Manches Mal, wenn ich in einem Laden stehe und verzweifelt etwas suchen muss. (In kanadischen Supermärkten ist mehr Personal eingestellt als in Deutschen und die Beratung hier zu Lande lässt in meinen Augen auch zu wünschen übrig - es ist eben nicht ganz so einfach, wenn man es einmal ANDERS erlebt hat ;-) ) Es vergeht kein Tag, an dem ich NICHT an Kanada denke oder irgendetwas, was auch nur im entferntesten damit zu tun hat. Kurzum: Kanada hat mein Leben verändert. In vielerlei Hinsicht. Kanada hat mich geformt. Es erfreut mich, dass ich mich gerade heute, wo mich eigentlich kaum einer mehr nach meiner Erfahrung fragt, hier hinsetzen und noch ein paar Erinnerung erzählen darf - für all die jenigen, die interessiert, wie ich meine letzten Tage in Kanada so verlebt habe ;-)

Nun komme ich einmal zur Sache.

Am Mittwoch Morgen war es dann endlich so weit: Mein Ziel lautete Quebec City! Ich konnte es kaum erwarten! Ich hatte schon sooo unbeschreiblich viel über Quebec City gehört und nun wollte ich es endlich mit eigenen Augen sehen! Die 3-teilige Bus- und Bahnfahrt brachte mich am Morgen zum Flughafen Pearson YYZ in Toronto. Es dauerte ca. 1,5 Std. um dort hinzugelangen. Allein daran sieht man schon, wie groß Toronto wirklich ist.

Ich organisierte meinen Boarding-Pass an einem der Geräte. Mittlerweile hatte ich schon eine solch ausgeprägte Übung darin, dass es überhaupt kein Problem mehr darstellte, sondern schon beginnende Routine. Schließlich gab ich mein Gepäck ab und dann war es auch schon an der Zeit die legendäre Subway-Pizza zu vertilgen. Ja – ihr habt richtig gelesen. In Kanada gibt es tatsächlich Pizza beim Subway! Und auch sonst ist das Angebot viel ausgeprägter. Aber keine Angst: Die servieren schon auch noch normale Sandwiches.

Schließlich begab ich mich durch die Kontrollen und bemerkte verärgert, dass die Cola-Dose in meinem Rucksack auf seltsame Art und Weise irgendwie ausgelaufen sein musste in geschlossenem Zustand. Aus diesem Grund war es mir auch möglich gewesen, durch die Kontrollen zu kommen, ohne Probleme zu bekommen. Als ich schließlich versuchte, den „Schaden“ so gut es geht zu beheben, bemerkte mich natürlich eine der Kontroliererinnen und fragte mich, wie ich denn durch die Kontrollen gekommen sei. Schließlich nahm sie mir die Cola-Dose weg, was mich nicht weiter störte, da sie ohnehin bereits leer war. Schließlich lief ich zum entsprechenden Gate und stellte fest: Ich hatte noch mehr als genügend Zeit. Die ganze Hektik am Morgen war für die Katz gewesen. Aber ich wusste, dass es mich sehr viel Zeit kosten würde, vom Hostel zum Flughafen zu gelangen. Da ahnte ich ja noch nicht, wie viel Zeit ich durch 2 hilfsbereite Gentlemen sparen würde, die mir meinen Koffer die Treppen hinunter trugen. Im Grunde hätte ich das auch selber können, da ich ihn schon getragen hatte, als er um einiges mehr gewogen hatte. Aber davon hielt ich einfach mal schön die Klappe. Mit Sicherheit kostete es die Gentlemen weniger Kraft als mich. Schließlich erfuhr ich, dass mein Flug Verspätung haben würde, allerdings war unklar wie viel. Da ich im Grunde nicht wirklich in Eile war oder einen festen Termin hatte, kümmerte mich das nicht weiter. Mir wurde bewusst, dass es eines der ersten Male war, in denen ich wirklich nicht darauf angewiesen war, wirklich pünktlich irgendwo zu sein, aufgrund eines Termins etc. Ich war eben zwar gespannt wie ein Flitzebogen auf die Stadt, aber das war ich ja eine Stunde später immer noch.

Ich setzte mich also auf die Heizungs-Bänke, die am Fenster entlang standen. Das tat meinem nassen Rucksack auch ganz gut, dachte ich mir. Dort saß schon bevor ich ankam ein jüngerer Herr. Schätzungsweise um die 30 oder minimal jünger. Nachdem ich schon ein kleines Weilchen dort saß, fragte ich ihn schließlich, ob er auch auf den Flug vom Gate 07 wartete, was er bejahte. Schließlich kamen wir ins Gespräch und ich erfuhr, dass es sich um einen Stuart handelte. Seine Muttersprache ist Französisch, da er in einer Stadt zwischen Quebec und Montreal lebt und aufgewachsen ist. Wir unterhielten uns allerdings die meiste Zeit über in Englisch. Schließlich fragte er mich, wie ich denn vom Flughafen in Quebec zur Unterkunft kommen würde. Da ich mir darüber, ehrlich gesagt, noch wenig Gedanken darüber gemacht hatte (da ich davon ausging, es würde eine Art Bahn oder Bus schon geben), fragte ich ihn nach einem „Subway“ in die Innenstadt. Er grübelte für einen kurzen Moment, bis er meinte, er sei sich ziemlich sicher, dass von dort aus kein Bus in die Innenstadt fahren würde. Man müsse einen Taxi nehmen. Er bot mir zugleich an, mit ihm und „seiner Gruppe“ mitzu-fahren. Es würde ohnehin ein Mini-Bus auf sie warten. Zunächst war ich wirklich noch etwas zögerlich eingestellt und dachte mir, dass es mit Sicherheit eine kostengünstigere Variante geben musste. Er meinte schließlich, er würde nach dem Flug einfach auf mich zukommen und ich könnte dann mitfahren. Das sei überhaupt kein Problem. Schließlich unterhielten wir uns noch über die verschiedenen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten, die man in und um Quebec unbedingt unternehmen musste (er kennt sich dort ja aus), bevor er schließlich zum boarding ging. Er durfte früher ins Flugzeug als gewöhnliche Passagiere. Allerdings hatte er mich wissen lassen, dass dies auch für ihn ein „gewöhnlicher Flug“ war, sprich er musste nicht arbeiten.

Es war wirklich ein sehr, sehr kleines, schnuckeliges Flugzeug. Kaum war ich in dem Teil des Flughafens angelangt, in dem Inlandsflüge in den französisch sprachigen Bereich gingen, fiel mir die Bilingualität dieses Landes noch viel mehr auf. Plötzlich kamen die Durchsagen zuerst in französisch und überall um mich herum vernahm ich die französische Sprache. Schätzungsweise flogen viele nach Hause. Es war für mich auch einfach ungewohnt, wenn ich jemanden etwas fragen wollte, zuerst zu fragen, ob diese Person denn englisch spreche. NOCH erlaube ich mir das. Ich habe so lange im englisch-sprechenden Teil gelebt, dass ich mich langsam und Stück für Stück umgewöhnen möchte. Ich kann den Schalter nicht von „jetzt auf geschwind“ umlegen. Das kann ich schließlich auch nicht mit dem Deutschen. Wieso sollte ich es dann mit dem Französischen probieren? :-D Als ich zurück kam nach Deutschland für den einen Monat im Oktober, dachte ich schließlich trotzdem noch Englisch.

Der Flug war ganz angenehm, wenn man einmal von der Landung absieht. Mir fiel auch auf, dass wir um einiges tiefer flogen, die ganze Zeit über, sodass man viele Landstriche und Städte erkannte. Es war ein wenig schade gewesen, dass es am heutigen Tag so neblig und wolkig gewesen war, sonst hätte man eventuell die Chance gehabt, mehr zu sehen, aber es war auch so ganz schön gewesen. Mir fiel allerdings auch auf, wie viel Schnee doch schon liegt. Sowohl in Toronto, als auch hier in Quebec. Allerdings erschien mir die Menge hier um einiges mehr.

Tatsächlich traf ich den Stuart wieder, nachdem ich mein Gepäck abgeholt hatte und gerade auf dem Weg zum Ausgang war. Er winkte mir schon zu. Er schien sein Angebot wirklich ernst zu meinen. Da war ich ja einmal gespannt!

Im Grunde hatte ich mir wärend des Fluges überlegt, ob es so sicher war, mit diesem Stuart mitzufahren. Ich war bei solchen Dingen bisher immer sehr vorsichtig gewesen. Ich war schließlich doch zu dem Entschluss gekommen, das einfach auf mich zukommen zu lassen, und spontan zu entscheiden, je nach dem, wie sich die Situation entwickelte. Die Entwicklung geschah dann wiefolgt: Es ging alles blitzschnell vonstatten. Der Stuart buxierte mich Richtung Van und fragte einen älteren Herren mit grau-mellierten Haaren und rundlicher Statur auf Französisch ob es in Ordnung sei, wenn ich mitfahren würde, bzw. den einen Platz belegen würde, der noch frei bleiben würde in dem Van. Dieser winkte mit großzügiger, einladender Geste und war in der nächsten Sekunde schon dabei, meinen Koffer schwungvoll in den hinteren Abteil des Vans zu befördern. Kaum dass ich mich versah, saß ich auch schon in einem 5-Sitzer-Van auf der Rücksitzbank neben dem Stuart, den ich schon kannte. In dem Bus befanden sich außerdem ein weiterer Stuart, der ungefähr im gleichen Alter war sowie eine ältere Frau, die vorne auf dem Beifahrersitz mitfuhr. Es kristalisierte sich heraus, dass es sich bei allen um Angestellte der Fluglinie "Air Canada" handelte. 3 Stuards und der Fahrer des Wagens war ein Pilot. Sie alle erwartete ein geschäftlicher Weiterflug von Quebec City am darauffolgenden Tag. Die Unterhaltung ging teilweise in Englisch und teilweise in Französisch von Statten. Für mich war das teilweise immer noch ungewohnt, aber dennoch auf einem Niveau dass ich folgen konnte. Ich zog es dennoch vor, die meiste Zeit englisch zu sprechen - zumindest zu diesem Zeitpunkt noch. Ein wenig lustig fand ich es durchaus, dass ich in einem Van mit lauter Flugpersonal saß. Es handelte sich dabei sicher um etwas, das nicht JEDER erlebte :-D Der Stuard, der zu meiner Linken saß hatte mir wärend des Fluges verschiedene Details aufgeschrieben zu Sehenswürdigkeiten, die ich mir in Quebec und Montreal unbedingt ansehen musste. Wir alle unterhielten uns über Europa, was man gesehen haben muss und was nicht und landeten schließlich bei dem Thema Essen. Ich war unbeschreiblich neugierig, alles über die kanadische Spezialität "Poutine" zu erfahren. Das wollte ich unbedingt einmal probieren. Und zwar handelt es sich dabei um Pommes, die doppelt in der Friteuse landen, bevor sie mit "cheese curds" (spezielle quebequer Käsewürfel) und "gravy" (dunkle Bratensoße) übergossen werden. So lautet das Grundrezept; allerdings gibt es unbeschreiblich viele Abwandlungen davon und Erweiterungen. So kann man zum Beispiel sein "Poutine" mit Bacon bekommen, mit Hühnchen, mit Rindfleisch, mit anderen Käsesorten oder beispielsweise mit Oliven und Feta-cheese oder die italienische Art mit Tomaten-Hackfleisch-Soße. Der Kreativität der Köche sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Für mich stand erst einmal das Original auf dem Speiseplan. Wir unterhielten uns jedenfalls prächtig über alle möglichen verschiedenen Varianten. Dabei blieben Restaurant-Empfehlungen von allen Seiten natürlich nicht aus. Alle waren super nett und hilfsbereit. Ich selbst konnte es sowieso kaum glauben, was ich da gerade erlebte :-D Dabei versuchte ich gekonnt zu ignorieren, dass sich der junge Pilot zu meiner Linken unübersehbar Hoffnungen machte. Er hatte seine Telefonnummer und E-Mail-Adresse auf das Blatt Papier gekritzelt, das all die Informationen über Montreal und Quebec enthielt.

Wir fuhren über den Highway und standen schließlich, als wir in die Stadt hineinfuhren im Stau.Das gab mir wenigstens die Gelegenheit, erste Blicke auf die Stadt zu erhuschen. Was ich bisher sah, beeindruckte mich nicht schlecht. Es war ein ganz anderer Baustil, als ich ihn bisher von Kanada kannte. Viel mehr mit Backstein, sowie anderen Gesteinsarten... Es hatte ein wenig englischen, als auch französischen Flair, so wie man Frankreich aus dem Elsas kennt. Schließlich fuhren wir vor ein großes Hotel. Das Hilton Hotel. Dort wurde für die Fluglinienangestellten Zimmer gebucht. Der Pilot lud deren Koffer aus und sie stiegen aus. Anschließend fuhr der Pilot mich zu dem Hostel, das ich gebucht hatte. Ich konnte ihm wirklich anmerken, was für eine große Freude es ihm bereitete, mich zu dem Hostel zu bringen. Er fuhr extra noch einen Umweg, da er mir die Stadt zeigen wollte und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Er liebte diese Stadt. Sie war sein zu Hause. Er ließ mich wissen, dass er selbst früher Stadtführungen gegeben hatte.  Kein Wunder er wusste so detailiert über einzelne Gebäude bescheid. Nach der kleinen Stadtführung kamen wir schließlich zum Hostel wo er sogar noch so freundlich war, all mein Gepäck auszuladen und die Stufen hinauf zu tragen. Mich erwartete ein sehr altes Hostel, das einem genauso alten Herren gehörte, der es vorzog, außschließlich auf französisch mit mir zu kommunizieren. Willkommen in Quebec, Carina! Ich klärte alle Formalitäten und durfte schließlich erst einmal alte, hölzerne Treppen steigen, samt Koffer. Zum Glück nur den den ersten Stock, bzw. kanadisch gerechnet: in den 2. ;-) (Eingangsebene: Stockwerk 1 - macht auch Sinn :-P) Die Reise hatte mich unbeschreiblich müde und erschöpft gemacht. Nach ein wenig hin und her geräume meiner Habseligkeiten erlaubte ich es mir schließlich, einfach schlafen zu gehen. Mir entging dabei weder, dass selbst ich bei diesen Stockbetten Höhenangst bekam (das "Geländer" hielt lediglich die Matraze auf dem Bett), noch dass die Matrazen unbeschreiblich unbequem und plastikmäßig waren. Bevor ich mich schlafen gelegt hatte, hatte ich mich bereits über einige Plakate dieses Hostels lustig gemacht. Dass das jedoch nicht ganz soooo lusitig gemeint war, erfuhr ich schließlich am nächsten Tag. Eines davon war nämlich, dass man nach 22 Uhr nicht mehr duschen solle, da man in diesem Falle wahrscheinlich die Nachbarn wecken würde. Als ich am besagten nächsten Tag schließlich duschen wollte, erfuhr ich auch wieso. Natürlich duschte ich NICHT um 22 Uhr. Aber, um duschen zu können, musste man einen Knopf drücken, sodass dann für 10 Sekunden (jaaa - SEKUNDEN- keine Minuten!) ein kleiner Strahl Wasser aus der an der Decke befestigten Brause kam. Um den Knopf zu drücken, musste man richtig Kraft aufwenden, sodass bei jedem Mal, wenn der Knopf gedrückt wurde, es sich so anhörte, als schlage jemand gegen die Wand vor Wut. Diese ganze Prozedur musste so laut sein, dass man sogar Nachbarn damit wecken konnte. Ausprobiert hatte ich das nicht. Ein anderes Schild besagte, dass man keine 2 Haartrockner auf einmal verwenden solle, da es sonst zu einem Stromausfall käme. Das erinnerte mich an meinen Lieblingscampingplatz in Frankreich. Ach fühlte man sich da wieder heimisch!

An meinem ersten Tag wollte ich natürlich auch damit beginnen, die Stadt zu erkunden. Vorerst zog ich mich einmal so an, wie in Toronto. Eine Mitbewohnerin in meinem Zimmer machte mich mit einem Blick auf meine Begleidung darauf aufmerksam, dass es draußen schneite. Ich gab ein höfliches "Das ist mir durchaus bewusst" von mir und verließ das Hostel, um kurz darauf, absolut durchgefroren wieder zurück zu kommen. Von da an gehörte die 2. Hose sowie obenherum das 4-Schichten-Modell zu meiner Grundausstattung. Und dann meine dickste Winterjacke. Jaaa, es war schon besser, aber... Perfekt war es trotzdem nicht. Es war einfach ZAPFIG KALT. -25° waren einfach heftig. Es war schon noch einmal eine krasse Umstellung. Ach, war Toronto warm gewesen. Sehr schnell begriff ich, dass ich zwischen zwei Varianten wählen konnte: Entweder ich kaufte mir ein Paar (zwar) sündhaft teure, aber dafür qualitativ hochwertige Handschuhe, die meine Hände gut warm hielten, oder ich schaue mir die Stadt nicht weiter an. Es ging einfach nicht. Ich entschied mich für Variante 1, da alles andere lächerlich gewesen wäre und ergatterte sogar ein richtiges "Schnäppchen" für Quebec City. Ich fand die Stadt überteuert. Aber ich denke, dass die Ladenbesitzer dort die Situation auch etwas ausnutzen, da es sich um eine kleinere Stadt, ungefähr in der Größe von Schwäbisch Hall, handelt und außerdem eine Touristenhochburg schlechthin war. Ein Souvenirladen reihte sich an den anderen. Für mich stand auf jeden Fall die französische Bäckerei, die mir der Stuard heiß empfohlen hatte, auf dem Plan. Und jaaa... Ich war begeistert! Die Bäckerei wurde im Laufe der Zeit, die ich in Quebec verbrachte zu meinem Lieblingsaufenthaltsort. Es hatte ganz, ganz lange Holztische dort, an die man sich setzen konnte und die Qualität der Backwaren war einfach himmlisch! Dort gab es wunderbares Baguette, leckere Croissants... Es war wirklich wie in Frankreich! Ich probierte eine Art Baguette-Schiffchen, gefüllt mit Oliven und Feta. Köstlich! Aber auch für die ein oder andere Tasse Kaffee und Tee zum Aufwärmen zog es mich in das Cafe.

Mein erstes "Poutine" ließ auch nicht lange auf sich warten. Ich entschied mich für ein irisches Restaurant, das mit einer Tafel vor deren Eingang für deren Poutine warb, zu dem man noch eine Suppe als Vorspeise bekam. Da sich Suppe für mich super anhörte, um mich von innen aufzuwärmen, fiel meine Wahl auf dieses Restaurant. Der Preis war auch in Ordnung. Resumierend kann ich sagen, dass Poutine wirklich eine Spezialität ist, die es wert ist, eine zu sein. Es war lecker!

Die Stadt selbst fand ich sehr schön und wirklich beeindruckend! Es erinnerte mich an Schwäbisch Hall, da auch Schwäbisch Hall einen besonderen Ruf genießt und schön zum Anschauen ist. Es traf mich ein bisschen, dass es eine Stadt ist, die sehr romantisch angehaucht ist, besonders in den Abendstunden, wenn die kleinen Lädchen in den Gassen ihre Lichter nach außen strahlen, die Lichterkettchen angehen... Es ist eine sehr verwinkelte Stadt, die sich auf 2 Ebenen aufteilt. "The upper city" und "The lower city". Unten am Hafen war ich des öfteren joggen gewesen und einmal hatte ich auch neugierig die Waren in einem Markthaus bestaunt. Dort hatte es einen Stand gegeben mit unbeschreiblich vielen verschiedenen "Pies". Also spezielle Kuchen mit Füllung, wie beispielsweise Blueberries, Cherries...

Schon bald hies es auch schon Abreise. Aber für mich war klar, dass ich noch einmal in die Stadt zurückkehren wollte, um sie mir NOCH detaillierter anzuschauen. Es gehörte für mich dazu, mir richtig viel Zeit lassen zu können, um Städte zu besichtigen. Dabei fühlte ich mich dann nicht mehr, wie ein Tourist, sondern wie jemand, der für eine gewisse Zeit in dieser Stadt oder Gegend wohnt.

Ich wurde in einem Cafe abgeholt von einem Mann, der ungefähr um die 40 war und ich merkte sofort, dass es sich dabei um einen etwas schrägen Vogel handelte. Ich hatte einen Job organisiert im Wwoofing-Bereich. Sprich "willing workers on organic farms", also auf einer Farm. Ich wollte arbeiten auf Kost und Logis Basis, wie einst bei dem Winzer auf Vancouver Island. Schließlich landete ich dieses Mal in einer 4-Köpfigen Familie. Ein etwas chaotisches Ehepaar, bei dem der Mann englischsprachig aufgewachsen war und die Frau französisch. Die Kinder wurden zweisprachig erzogen. Der Mann war Übersetzer für die Regierung und die Frau arbeitete für ein Theater und liebte die Arbeit auf ihrer Farm. Meine Rolle war, auf der Farm mitzuhelfen und mich ein wenig um die Kinder zu kümmern. Sie hatten ein Mädchen (Clementine), das gerade 5 war und einen Jungen (Sascha), 14, der snowboarden und skaten über alles liebte und seine erste Freundin hatte. Beide in einem Alter, in dem sie nicht unbedingt einfach waren. Eine meiner Hauptaufgaben bestand auch darin, für die Familie zu kochen. Zumindest unter der Woche, wenn David, der Hausvater in seiner 2.Wohnung in Quebec war. Am Wochenende kochte er. Und, das musste man ihm lassen: Er übertraf sich selbst. Das Problem das sich mir stellte war, dass nur er die Lebensmitteleinkäufe übernahm und er meistens Dinge kaufte, mit denen er die Versorgung am Wochenende abdeckte, an denen ja er kochte. An den restlichen Tagen, an denen ich kochen sollte, waren kaum Lebensmittel vorhanden. Eier kaufte die Familie beispielsweise nie, da sie ja selbst Hühner hatten, die Eier legen sollten. Ja, SOLLTEN. Dass diese in der Praxis allerdings wenn überhaupt einmal ein Ei pro Tag legten (alle zusammen) wurde dabei nicht bedacht. (Dieses bekam dann Sohnemann auf sein Vesperbrot für die Schule mit) Was ausnahmsweise in Hülle und Fülle vorhanden war, war beispielsweise Kürbis. Da sie diese selbst anbauten. Dies brachte mich dazu, die erste Kürbissuppe in meinem ganzen Leben zu kochen. Es war durchaus eine Herausforderung die ganze Kocherei - allerdings eine, die ich durchaus gerne annahm. Das Problem war auch, dass man nicht mal eben schnell Lebensmittel um die Ecke besorgen konnte, da die Familie mitten im Nirgendwo lebte. 4 Km entfernt war eine Kaffeekette (Tim Hortons) und ich glaube auch eine Tankstelle... Das wars. Das nächste Städtchen, mit dem malerischen Namen "Saint-Jean-Port-Joli" in dem Anne (die Gastmutter) arbeitete, war wiederum noch weiter entfernt. Die Arbeit im Stall war nicht einfach. Man musste schwer lupfen und sich gegen Ziegen, den Bock und einige Schweine durchsetzen. Die Schweine waren kurz vor der Schlachtung und richtige Prachtkerle. Ich hatte es miterlebt... Den Tag an dem sie zum Schlachter kamen. Einige Ziegen kamen auch weg. Die ganze Sache hatte mich etwas gelehrt, was für mich auch im Nachhinein noch wichtig ist. Mir wurde bewusst, wie schlimm es eigentlich ist, wenn Tiere, die von Menschen gemocht wurden, geschlachtet werden, schließlich im Supermarkt landen und dann das Fleisch vielleicht sogar schlecht, bzw. ungenießbar wird oder wenn das daraus entstandene Fleisch entsorgt wird, weil es sich über dem Mindesthaltbarkeitsdatum befindet. Das liebe Tier ist dann "umsonst" gestorben. Kanada hat keinen Vegetarier deshalb aus mir gemacht. Ganz im Gegenteil. Kanada hat mich erst so richtig zum Fleisch-Esser und -Genießer werden lassen! - Aber Kanada hat mich gelehrt, wie wichtig es ist, besser aufzupassen, dass man Lebensmittel nicht schlecht werden lässt. Natürlich habe ich das vorher schon alles gewusst und natürlich auch Rücksicht darauf genommen. Aber sagen wir: Kanada hat mich diesbezüglich noch weiter sensibilisiert. Es war eine seltsame Ruhe im Stall gewesen, als der Schlachter an diesem Tag den Stall mit den Schweinen und Ziegen verlassen hatte. Es war Platz gemacht worden für neue, junge Ziegen, die Anne bereits gekauft hatte bei einem anderen Farmer, ca. 200 Km entfernt. Das war ein freudiges Erlebnis gewesen. Ich hatte nämlich beim Kauf dabei sein dürfen. Es waren 2 kleine Babyziegen darunter, die unbeschreiblich süß waren. Ich verließ die Familie recht bald und auch früher, als ich geplant hatte, weil ich beschlossen hatte, mehr von Kanada sehen zu wollen. Für meinen Geschmack wohnte die Familie ein wenig zu sehr abseits vom Geschehen. Ich konnte es unterdessen kaum erwarten, endlich Montreal zu entdecken und vorher nochmals nach Quebec City zurück zu kehren. Schon nach kurzer Zeit hatte ich doch die meisten Landstriche um das Haus der Gastfamilie erkundigt, sei es joggend oder wandernd... Dabei konnte ich den ein oder anderen schönen Sonnenuntergang genießen. Diese Ruhe rief allerdings auch ein wenig Heimweh hervor, weshalb ich schließlich den Entschluss gefällt hatte, früher zu gehen. An dem letzten Abend in Saint-Jean-Port-Joli kam ein schweizer Pärchen an, das künftig meinen Wwoofing-Job übernehmen wollte. Wir unterhielten uns sehr, sehr lange und ich hatte das Gefühl, an diesem einen Abend mehr französisch zu reden, wie die ganze Zeit, die ich bei der Familie verbracht hatte. Sie brachten auch einiges an Geduld mit, was mir sehr gut tat und weiter half. Am nächsten Morgen fuhr ich sehr früh mit David zurück in die Stadt. Endlich wieder frei. Dort schleppte ich erst einmal durch die ganze Stadt meinen Koffer, der schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde bei diesem Unternehmen. Schließlich landete ich wieder im selben Hostel wie einst. Ich hatte beschlossen, wieder in dieses zu gehen, obwohl es durchaus andere Möglichkeiten gegeben hätte, doch dieses kannte ich schon, ich wusste, wo ich hinmusste und kannte die Umstände dort. Schließlich verbrachte ich noch eine Woche in Quebec, bevor ich weiterreiste nach Montreal. Auch dabei erwartete mich meine nächste Herausforderung; ich hatte nämlich (trotz meiner anfänglichen Bedenken) einen "ride"über eine Mitfahrzentrale gebucht. Sprich: Ich kannte den Fahrer des Autos nicht. Sein Ziel war aber das selbe wie meines: Montreal. Ich hatte mich für diese Möglichkeit entschieden, da es doch die günstigste war und ich sagte mir: Für das Geld gönne ich mir lieber ein leckeres Essen im Restaurant oder eine Attraktion etc. Schließlich verlief die Fahrt und all das ganz harmlos. Bei dem Fahrer handelte es sich um einen ganz netten und anständigen Kerl und alles verlief wie geplant.

Nach einer Fahrt, die größtenteils einfach nur aus Highways bestand (und es im Grunde nichts interessantes zu sehen gab) kam endlich das lang ersehnte Ziel: Montréal! Auf den ersten Blick erinnerte es mich an die Fahrt nach Seattle. Auch Montréal war wunderschön an einem Fluss gelegen und man musste erst einmal ein paar Brücken passieren. Der Typ lieferte mich schließlich, wie verabredet, in Berry-UQAM ab, von wo aus ich noch eine längere UBahn-Fahrt vor mir hatte. Da ich mich allerdings in Quebec City bereits bestens im Tourist office über alles informiert hatte, stellte dies alles absolut kein Problem dar. Lediglich das "umeinandergehieve" meines Koffers aufgrund fehlender Rolltreppen und Fahrstühle war nicht ganz so einfach. Zum Glück begegnete ich auch hier ein paar hilfsbereiten Muskelproze :-D Mein erster Eindruck jedoch war nicht allzu schön. Kaum stand ich auf dem Gehweg, um kurz einen Blick auf die Karte zu werfen, in welche Richtung ich laufen musste um zur UBahn-Station zu kommen, wurde ich auch schon mehrfach von der Seite angequatscht und nach "change" gefragt. Das war so eine Sache, die ich an größeren Städten nicht ausstehen konnte, dass eben das ständig vorkam. Aber immerhin blieben sie dabei immer friedlich. Das war schon mal was. Ich fasste im Laufe meiner ersten Tage in Montréal die Erkenntnis, dass immer, wenn ich wo neues anfangen wollte, oder etwas Neues begann, sich das erst einmal beweisen musste. Dass mein erster Eindruck grundsätzlich negativ ausfiel und im Laufe der Zeit, wenn sich die Stadt beweist und von seinen schönen Seiten zeigt, sich dieser Eindruck immer mehr verbessert. Ich kann schlecht sagen, WARUM das so war. Das erinnerte mich wieder einmal an den Czechen, den ich in Vancouver ganz zu Beginn kennen gelernt hatte. Er war in dieser Sache das komplette Gegenteil von mir. Zwar ging es da um Vertrauen, aber er sagte folgendes: "Ich vertraue Menschen zu Beginn zu 100%. Erst, wenn sie dann Dinge tun, die sich negativ auswirken, sinkt das Vertrauen. Auch das war bei mir anders herum. Ich vertraue zu Beginn sehr wenig und baue Vertrauen auf. Was jetzt besser ist, sei dahingestellt. Beides hat seine Richtigkeit. Jedenfalls war mein erster Eindruck, wie auch bei Vancouver und Toronto eher negativ, aber die Stadt entpuppte sich als absoluter Diamant! Ich habe mich wirklich im Laufe der Zeit in die Stadt verliebt. Zuerst war ich eben auch skeptisch gewesen bezüglich des Hostels und dachte, kaum dass ich dort gewesen war auch schon wieder ans Umziehen. Allerdings entpuppte sich das Hostel ebenfalls als absolut richtige Entscheidung. Vom Hostel aus war alles sehr gut zu Fuß zu erreichen, egal ob man nun in die Innenstadt wollte, in die Altstadt, beispielsweise zur berühmten "Notre Dame" Kirche, zum Hafen oder zum Mount Royale. Ich war sage und schreibe 3 Wochen in der Stadt und ich kann sagen: Es war 3 wundervolle Wochen lang meine Heimat! Ich habe es in vollen Zügen genossen, bin viel gelaufen und kannte die Stadt am Ende so gut wie meine eigene Westentasche. Ich habe alles so sorgfältig durchdacht, dass ich sogar jeden Tag neue Dinge gesehen habe. Unglaublich, oder? Aber ich war auch dort, wo Touris nicht hinkamen. Auch Wohnsiedlungen standen auf dem Programm und ich muss sagen: Es hat sich gelohnt! Ich habe sooo viel gesehen, was die anderen gekonnt ÜBERSEHEN! Ich habe viel Geld gespart nebenbei, da ich im Grunde fast keine Bahn benutzte. Es kam mir dabei nicht unbedingt auf die Ersparnisse an, aber es war ein guter Nebeneffekt. Wärend andere, die eben nur 4-5 Tage in der Stadt waren, die Stadt abrannten und hauptsächlich mit der UBahn unterwegs waren, um so viele wie mögliche Sehenswürdigkeiten in einen Tag zu quetschen, ging ich eben alles gemütlich an. Ich GING im wahrsten Sinne des Wortes. Aber da konnte auch meine Freundin Ana, die mit mir zu Beginn in Toronto war, ein Lied davon singen. Ihr ging ich nämlich ein bisschen zu viel. Ich weiß noch, als ich in Toronto vom Hostel aus (das Downtown liegt) zum Highpark gelaufen war. Das waren ungefähr 10 UBahn-Haltestellen :-D In Montréal hatte ich schließlich 3 Mal versucht auf die berühmte Rennstrecke "Circuit Gilles-Villeneuve" zu laufen, bis ich leider (wie es ganz selten der Fall ist) zugeben musste, dass dies wohl im Winter leider unmöglich war. Bei der einen Möglichkeit, die bestanden hätte, war eine riesige Baustelle, bei der anderen, wo man über eine Autobahn-Brücke hätte laufen müssen, Fußgänger verboten usw. Nun ja, ich wollte die Strecke allerdings trotzdem sehen und fuhr dann zumindest dieses eine Mal mit der UBahn. Das Biosphère, musée de l'environnement auf der ile Saint-Hélène hat mich unbeschreiblich beeindruckt. Das war echt schön. Später hatte ich es auch öfter vom Ufer bewundert, als ich durch "vieux Montréal" (die Altstadt) und den dazugehörigen Hafen lief. Bei dem Parc Olympique war ich natürlich auch. Allerdings war dies ein Tag gewesen, an dem man sage und schreibe die eigene Hand vor den Augen nicht erkannt hat. Es hatte so unbeschreiblich viel geschneit. Man hat nichts gesehen. Das war auch der Tag gewesen, an dem ich den besten Burger meines Lebens gegessen hatte. Er war unbeschreiblich riesig gewesen und genau nach meinem Geschmack. Er war mit Bacon, Cheese, bell peppers, onions... richtig gut :-) Wenn draußen die Welt im Schnee versinkt, konnte man einfach nicht anders, als sich einen Burger zu gönnen und das ganze mit Staunen zu bewundern. Sonst stand noch meine zweite Poutine auf dem Speiseplan. Dieses Mal wagte ich es, ein bisschen mehr zu experimentieren und bestellte eine Poutine mit Hühnchen. Yummi! :-) Wiederum an einem anderen Tag war ich wieder einmal Sushi essen. Ich dachte mir, dass ich in Deutschland wohl kaum so oft die Gelegenheit haben würde. Was sich mittlerweile natürlich auch bewahrheitet hat. Es war jedenfalls schön gewesen! Ich war in einem "all you can eat" Sushi Restaurant. Da ich vor der Tür warten musste, um einen Platz zu bekommen, lernte ich dort 4 Jugendliche kennen, die ich natürlich gefragt hatte, ob sie das Restaurant empfehlen konnten. Diese bestätigten mir, dass es das Beste sei, was dann auch die Wartezeit rechtfertigte. Nach längerem Unterhalten boten sie mir an, mich zu ihnen zu gesellen. Das war für mich eine super Gelegenheit, denn was Sushi anging war ich trotz mehrfachem probieren noch Neuling. Ich kannte mich kaum aus mit deren Fachbegriffe und wollte einfach auf Nummer Sicher gehen, nicht das falsche zu bestellen. Es war echt eine nette Runde und ich bin mir sicher: Ohne die nette Gruppe hätte ich es wohl nie gewagt "Sushi-Pizza" zu bestellen, was sich hinterher als eines meiner Lieblingssushi-Gerichte entpuppte. Einfach gut! Es hieß nur so, aber es hatte mit einer Pizza, wie wir sie vom Italienischen kennen, nicht viel gemeinsam.

Wenn man mich fragt, was mir an der Stadt am besten gefallen hat, so ist das wirkliuch schwer zu sagen. Sie hat mich im Gesamtpaket unbeschreiblich fasziniert und beeindruckt. Ich liebe den Mount-Royale mit seiner sagenhaften Aussicht, ich liebe die Altstadt und den Hafen, aber auch "little italy" fand ich wunderschön und sehr konträr zum Rest der Stadt. Auch das Künstler-Viertel ist wirklich sehenswert. Wenn man einkaufen möchte, bleiben einem auch keine Wünsche offen. Man findet alles. Ob nun im großen Einkaufszentrum Downtown, den vielen verschiedenen Lädchen oder in der unterirdischen Stadt. Montréal nimmt ungeahnte Dimensionen an. Mich fasziniert die Vielfalt der Stadt und ich muss schon sagen, dass sie einem das Herz höher schlagen lässt. Es ist beispielsweise auch eine viel, viel grünere Stadt als Toronto, was mir viel, viel besser gefällt. Wenn ich an den Mount-Royale denke, fällt mir auch der größte Friedhof ein, den ich je gesehen habe. Dort sollen anscheinend viele Berühmtheiten liegen. Nun, Berühmtheiten habe ich nicht bewusst wahrgenommen, aber die Größe ist schon sehr beeindruckend.

Viele Kanadier laufen immer und überall mit Gummistiefeln herum. Da gibt es auch wirklich viele Marken und wirklich lustige und coole Designs. In Montréal habe ich dann schließlich auch begriffen, WARUM sie das tun. Meine gefütterten Winterstiefel waren bereits nach spätestens einer Stunde durchgeweicht bis auf den Fuß, samt mehrerer Lagen dickster Socken... Nun ja, aber das ging nicht nur mir so. Alle, die in meinem Zimmer im Hostel waren, klagten über das selbe Problem. Wäre ich noch länger in der Stadt gewesen, hätte ich mir sicher auch welche zugelegt. Im Hostel habe ich unbeschreiblich viele Leute kennen gelernt und Dinge erlebt, die ich bestimmt nie vergessen werde. An meinem letzten Abend in Montréal und auch in Kanada fand ein Feuerwerk statt. Wenn das mal kein würdiger Abschied war! Da musste ich dann natürlich hin. Mein Heimflug war ganz in Ordnung. Ich landete in München zwischen und flog schließlich weiter nach Stuttgart. Für mich war es zunächst noch wirklich ungewohnt, deutsch zu reden. Meine Gedankengänge waren nachwievor in Englisch und Französisch, je nach Laune. Aber DEUTSCH?! Neee. So kam es dann auch zu einem wirklich lustigen Zwischenfall in München, als ich kurz auf dem WC war und auf einer Tür stand "außer Betrieb - out of order". Ein Mädchen hatte die Toilette angesteuert und ich sagte zu ihr. "It's out of order." Nun... So ist das eben wenn man so lange weg war.

Meine Muter und mein Freund Marcel holten mich am Flughafen in Stuttgart ab und ich konnte mein Glück nicht fassen! Es war so unbeschreiblich schön, die beiden im Arm zu halten und wieder bei ihnen zu sein! Es war ein unbeschreibliches Gefühl! Es gingen mir so viele Gedanken durch den Kopf, was ich ihnen alles sagen wollte, dass sich alles so überschwemmt anfühlte. Es war einfach wirklich schön, wieder zu Hause zu sein. Weihnachten stand vor der Tür und ich wusste, dass ich erst einmal schöne, ruhige Weihnachten haben würde, bevor es wieder los ging. Das war ein wirklich schöner Gedanke. Und ich kann im Nachhinein auch sagen: Es war das schönste Weihnachten, das ich je erlebt habe. Es war wirklich die richtige Entscheidung gewesen, es zu Hause zu verbringen, auch, wenn mein Visum theoretisch noch bis März gültig ist. Ich war und bin einfach froh, wieder zu Hause bei meinen Lieben zu sein und wieder in eine Art Alltag starten zu können. Es war eine wunderschöne, vielseitig bereichernde, lehrreiche und unbeschreibliche Zeit, mit vielen Fasetten, vielen wunderschönen Gegenden, vielen Sehenswürdigkeiten... Kurzum: Eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte! Eine Erfahrung, die mich unbeschreiblich geprägt und weiter gebracht hat. Kanada hat mir gezeigt, wo mein weiterer Lebensweg liegt, hat mich verändert, in eine Richtung, die ich vorher nie gedacht hätte. Kanada hat mich ein Stück weit mehr erwachsen gemacht. Es hat mir die Augen geöffnet und mir gezeigt, dass man offener auf Neues zugehen sollte. Ich hab wirklich unbeschreiblich viel gelernt und ich glaube, das ganze Ausmaß begreife ich erst nach und nach hinterer. Ich kann nur jedem, der die Möglichkeit dazu hat, raten es zu tun. Ich fühle mich wie ein anderer Mensch. Das klingt vielleicht übertrieben, ist es aber nicht. "I'd like to say: Canada was awesome!" :-) 

Dienstag, 18.11.2014

Toronto: Where the clocks tick differently

 Man läuft durch die Straßen und entdeckt wie gewohnt das Logo der in Kanada allseits bekannten Cafe-Kette Tim Hortons zu seiner Linken, die TD-Bank zur Rechten. An "Rexall" und "Shoppers Drug Mart" soll es auch nicht mangeln. Auf den ersten Blick scheint alles wie gewohnt - zumindest wie ich es mittlerweile von Kanada gewohnt bin. Daran, dass man als Blondine zwischen all den Asiaten auffällt hatte ich mich ja bereits ebenfalls gewöhnt. Aber - Moment mal... Es ist schon erstaunlich, wie vielen Asiaten man hier über den Weg läuft, zumal ich gehört hatte, es wäre "im Osten" nicht so. Auch hier ist der Nationen-Mischmasch unglaublich spührbar. Wie oft passiert es einem in Deutschland denn schon, dass einem ein Inder mit Turban begegnet?! Hier, wie auch im westlichen Teil Kanadas ist das Alltag. Irgendwie hatte ich Kanada mit seiner Menschenvielfalt schon ein wenig vermisst. Hier würde man kaum herausstechen, wenn man beispielsweise eine lila-farbene Hose zu einem Leoparden-Muster-Shirt, kombiniert mit quitschgelben Schuhen und Herzchen-Socken trägt. Ich habe das Gefühl, dass immer nur ich es bin, die genau diese Leute schmunzelnd mustert, weil ich genau weiß, wie ungewohnt dieser Look in Deutschland wäre. In Kanada ist es übrigens gerade furchtbar angesagt eine unnatürliche Haarfarbe zu tragen, wie beispielsweise ein spezielles grau/weiß-blau und grün. Diese Modeerscheinung hat auch einen speziellen Namen, der mir leider entfallen ist. Aber keine Angst: Ich komme nicht auf die Idee mir die Haare entsprechend zu färben :-D

 

Nichts. desto Trotz ist mir nicht entgangen, dass in Toronto ein ganz anderer Flair spührbar ist als in den kanadischen Städten, die ich bisher besucht hatte. Ich kann es gar nicht so richtig erklären, woran es liegt. Schön ist an Toronto beispielsweise der bunte Mix aus Altbau und moderner Bauweise. Die Architektur ist wirklich besonders beeindruckend. Gegenüber vom Hostel befindet sich eine alte Kirche mit einem klitzekleinen, anliegenden Park, indem man ganz viele für Kanada typisch schwarze Eichhörnchen findet. Die Kirche mag für den Deutschen, der derartige "Altbau-Architektur" gewohnt ist, nichts besonderes sein. Ich habe es allerdings wärend meiner Zeit in Kanada nochmals ganz anders schätzen gelernt, da alte, gut erhaltene Bauten für kanadische Kirchen wirklich selten und etwas besonderes sind. Bisher hatte ich nur in Victoria zuvor derartig schöne Kirchen gesehen. Sonst sind es meistens leider ziemlich heruntergekommene, graue "Kästen" ohne Flair, ohne Kultur. Jeden Morgen lasse ich mich nun von den Kirchenglocken wecken, wenn es nicht schon irgendeiner der Zimmermitbewohner getan hat.

Toronto ist eine ziemlich eng bebaute Stadt, in der wirklich jeder Freiraum ausgenutzt und verbaut wird. Ihr denkt, das ist doch in jeder Stadt der Fall? Nun ja, nicht ganz. Toronto hat leider wenig "Freiraum" für Parks gelassen. Für mich, als eine, die auf dem Land aufgewachsen ist, ist dieser Aspekt besonders schwierig. Würde mich jemand danach fragen, was mir an Toronto weniger gefällt, würde ich wohl diesen Punkt nennen. Anfangs fiel es meiner Freundin Ana, die mich über die ersten zwei Wochen hierher begleitet hat, auch besonders schwierig, uns so richtig zu orientieren. In jeder anderen Stadt, wie beispielsweise Vancouver, Victoria oder Seattle war es einfacher gewesen. Wir schoben es darauf, dass sich viele Neubauten eben ähnelten. Was uns beide besonders beeindruckte war auch der sogenannte "Path". Toronto hat eine "Welt unter den Straßen", was so viel heißt wie, dass ein sehr, sehr großer Teil der Stadt unterbaut ist. Während die Straßen oberhalb oft wie leergefegt sind, spielt sich dort unten das Leben ab. Das ermöglicht einem Kanadier selbst im Winter in kurzer Hose herum zu laufen, wenn er es denn möchte. Ana und ich waren fast tagtäglich darüber erstaunt, wie viel "unverfrorene" Kanadier es doch gibt. Das mit der kurzen Hose ist nicht gelogen. Auch die Feinstrumpfhose sieht man beinahe jeden Tag und damit meine ich nicht im Regal! Wenn es dann doch einmal "nach oben" geht, auf die richtigen Straßen Torontos, so müssten sich diese Leute doch "den Arsch abfrieren" auf gut deutsch. Unterhalb der Straßen muss man es sich ein bisschen vorstellen, wie in einem riesigen Kaufhaus mit kleinen Lädchen drin, mit richtigen "Bankenvierteln" und "Fressmeilen". Kennt man sich dort wirklich aus, kann man geschickt die Kälte umgehen. Diese war und ist übrigens nicht zu unterschätzen. Bereits in der Zeit, in der Ana mich begleitet hat, hat es schon des öfteren geschneit. Oft machte uns der frische Wind zu schaffen. Nichts desto Trotz zogen wir unser Besichtigungsprogramm durch. Wir besuchten "Chinatown", das Ana, die nie zuvor etwas derartiges gesehen hatte, natürlich sehr begeisterte. Für mich war es schon ein Stück Normalität für Kanada, da ich bereits 4 oder 5 Chinatowns zuvor gesehen hatte. Das Chinatown in Toronto macht auf mich allerdings einen besseren Eindruck als das in Vancouver, wo man sich wirklich unsicher fühlen muss. Wir besuchten dort mehrere "Touristen-Lädchen" und sogar ein richtiges, chinesisches Kaufhaus. Zu einem späteren Zeitpunkt besuchten wir auch einen chinesischen Lebensmittelladen, der sich allerdings in einem ganz anderen Teil Torontos befindet. Ana staunte nicht schlecht über deren Produktvielfalt. Ja, ich muss zugeben, es ist manchmal schon erstaunlich, was die Chinesen alles essen :-D

 

An einem Tag fuhren wir zu den Niagara-Fällen, die ein wenig außerhalb von Toronto liegen, aber natürlich ein Muss sind, wenn man schon mal in dieser Gegend ist. Ich muss sagen, dass es auch das schönste war, das ich als Erinnerungen an Toronto und die Zeit hier abspeichere. Bevor man zu den Wasserfällen kommt läuft man durch eine kleine "Vorstadt", die einen wirklich staunen lässt. Man fühlt sich dabei ein wenig wie in Las Vegas, wo alles blinkt, glitzert, funkelt. An einem Haus, das auf dem Kopf steht, laufen die Leute einfach vorbei, als sei es etwas ganz gewöhnliches. Ana verglich es mit Disney Land. Schließlich, nachdem man durch die Stadt geschlendert ist, kommt man zu den Wasserfällen. So ganz prompt sind sie auf einmal da. Wüsste man nicht, dass sie jetzt dann kommen müssten, würde man sie jedenfalls nicht erwarten. Natürlich sind sie unbeschreiblich beeindruckend! Besonders schön fand ich auch, als wir sie schließlich bei Nacht gesehen hatten, denn da werden sie in den unterschiedlichsten Farben angestrahlt, sodass es aussieht, als wäre das Wasser plötzlich verfärbt.

Dem Aquarium in Toronto haben wir auch einen Besuch abgestattet. Dabei konnten wir erfahren, wie es sich anfühlt, wenn ein Wal über einen hinwegschwimmt und viele andere Fischarten konnten wir bestaunen. Am meisten hat es mir gefallen, Photos von den Quallen zu machen.

Einmal waren Ana und ich auch einen richtigen, kanadischen Burger essen. Ana war es immer ein Rätsel gewesen, wie man einen solchen, riesigen Burger denn in den Mund bekommen sollte. Nun ja, nun weiß sie es, oder eben auch nicht... Denn sie hat ihn trotzdem mit Messer und Gabel gegessen. Die Pommes ("Fries") waren mit Essig beträufelt gewesen, was Ana so noch nicht kannte.

Ach ja... Ein bisschen "Grün" entdeckten wir dann doch noch. Wir unternahmen zweimal eine Fährfahrt zu Torontos Insel. Die Insel ist praktisch der "Park Torontos". Die grüne Lunge. Und ich muss zugeben, dass die Insel schon wunderschön ist. Allerdings wöllte ich nicht jedes Mal, wenn ich joggen will eine Fährfahrt auf mich nehmen und 7$ hinblättern :-D Von der Insel aus kann man wunderschöne Bilder von der Skyline Torontos machen. Auch bei Nacht zu empfehlen. Das ist der Vorteil am Winter :-D Irgendwas haben Ana und ich schon richtig gemacht! Im Winter wird es nämlich schon um 16 Uhr dunkel, da muss man nicht bis um 22 Uhr auf der Insel verharren (wie beispielsweise im Sommer) um ein Bild von der Skyline bei Nacht zu bekommen.

 

Auch das Shopping kam natürlich nicht zu kurz. Dabei bemerkten wir beide, wie sehr es hier schon weihnachtet. All die Schaufenster wurden schon weihnachtlich dekoriert, Weihnachtsbäume wurden aufgestellt und überall begegnen einem Santas. Ich persönlich finde die Schaufenster wunderschön. Alles sieht so aufwendig und bis ins kleinste Detail durchdacht aus. Alles ist auf einander abgestimmt. Hallo Perfektionismus.

Irgendwann hieß es dann auch leider wieder Abschied nehmen von Ana, die nach ihrem zweiwöchigen Kanada-Urlaub wieder nach Deutschland zurück wollte/musste. Die Arbeit und der Alltag ruft. Auch für mich heißt es bald wieder Abschied nehmen von Toronto. Bald sogar Abschied vom englisch-sprachigen Raum. Noch während Ana hier gewesen war, hatte ich mich bemüht, eine Arbeit im Rahmen von Wwoofing (willing workers on organic farms) zu finden. Schnell hatte ich einige Angebote. Viele schieden allerdings von meiner Seite aus. Eine Farm offerierte zwar, konnte aber beispielsweise nur ein unbeheiztes "Zelt-Zimmer" zur Verfügung stellen. Letztendlich habe ich mich dann für eine Farm entschieden, bei der mein Aufgabenbereich über kochen, Kinderbetreuung bis hin zum Stallausmisten bunt gemischt sein wird. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Allerdings bin ich auch erst einmal beinahe aus den Latschen gekippt, als ich recherchiert und herausgefunden hatte, dass mich eine Busfarht von 12,5 Stunden mit zweimaligem Umsteigen erwarten würde. Ich glaube, das würde mir sogar mit der vollen "Red Bull" Dröhnung schwerfallen. Zumal ich davon kein Fan bin und ich das meinem Körper nicht unbedingt antun muss, so lange wach zu blauben (zumal ich in der Nacht fahren müsste und zuvor um 11 Uhr morgens im Hostel auschecken) habe ich nun einen Flug gebucht. Mein Flieger wird mich ins 900 (?) Km entfernte Quebec bringen. Ich denke, dass mich dort wieder "eine ganz andere Welt" erwarten wird. Aus Angst "mein gewohntes Kanada" zu vermissen, war ich heute noch einmal Sushi essen. Ich denke nicht, dass das ein gewöhnliches Gericht für die Küche in Quebec sein wird - und wer weiß, wann ich das nächste Mal Gelegenheit haben werde, ein so gutes Sushi zu bekommen?! Ich bin jedenfalls gespannt, was mich dort erwarten wird und fühle mich ein bisschen wie vor einer Reise nach Frankreich. Ob sich das vom Eindruck her bewahrheiten wird?!

 

Das Hostel hier werde ich kaum vermissen. Dieses Mal, das muss ich zugeben, hatte ich wirklich ungewöhnliche Umstände in dem Hostel erlebt. Normalerweise hatte ich immer ganz gerne im Hostel übernachtet. Allerdings musste ich wirklich über meinen Schatten springen, als sich eine Obdachlose in das 6-Bett-Zimmer hier einquartiert hatte. Man wird immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Einmal hatte ich das Gefühl, die Nacht nicht heile zu überstehen, da eine nicht vollschlanke Person über mir im Stockbett schlief und sich dauerhaft drehte und wendete. Zum Glück hielten die Schrauben.

Kaum dass Ana weg war, war ich nicht mehr zu halten und probierte das Experiment "joggen in der Großstadt" aus. Des öfteren waren uns Jogger begegnet, allerdings kam ich nicht umhin, zu registrieren, dass diese natürlich immer ewig an den Ampeln warten mussten. Ich hatte mir eine andere Route zurecht gelegt, die hinaus aus der Stadt führte. Dort herrschte kein solcher Trubel und das war das humanste, was mir einfiel. Es fühlte sich so unbeschreiblich gut an, wieder zu laufen! Ich fühlte mich plötzlich, wie ein Vogel, der aus dem Käfig gelassen wurde. Allerdings war es schon ein klitzekleines bisschen verrückt gewesen, da es schneite, was runter konnte und es wehte ein heftiger, kalter Wind. Ich lief nach dem Motto "Let's greet the only other crazy jogger today" - Als ich nämlich einmal einem anderen Jogger begegnet war, winkten wir uns... Denn es lies sich kaum ein anderer so verrückter finden :-D Für mein erstes Joggen lief es auch ganz gut. Es gab nur einen Taxifahrer, der mich überfahren wollte.

Ich verabschiede mich dann mal wieder. Bis zum nächsten Mal. Hoffentlich überlebe ich "the Canadian French world". In diesem Sinne... ;-)

Freitag, 19.09.2014

"I'd like to buy a Brezel, please" *** My last few days @ Rocky Creek ***

Ich weiß schon, ich verwöhne euch irgendwie. Es kommen gerade immer 2 Blogeinträge auf einmal ;-) Aber gewöhnt euch bitte nicht zu sehr daran. Wer weiß, wie ich über die nächsten Tage zum Blog-Schreiben komme!

Gerade sitze ich wieder im Hostel in Victoria, neben der Rezeption, an einem Computer-Tisch. Heute morgen bin ich ziemlich früh (irgendetwas um 4 Uhr) aufgestanden, um anschließend mein Bett im "Trailer" abzuziehen und den Commuter-Bus nach Victoria zu erreichen. Der Commututer-Bus ist für die Arbeiter gedacht, die in Victoria arbeiten aber in Duncan wohnen. Diese Busse fahren nur relativ früh am Morgen. Heute Abend erwartet mich ein wundervoller Abend. Ich habe nämlich ein Ticket für das Gospel-Konzert hier in Victoria gebucht. Das war der Bewegungsgrund, wieder nach Victoria zurückzukehren, statt weiter nach Tofino zu reisen, wie es ursprünglich geplant war. Ich hatte jedoch von dem Gospel-Konzert erfahren, als ich einmal einen Ausflug nach Victoria unternommen hatte und dachte: DA MUSS ICH HIN!!! Und ganz ehrlich?! Es störte mich keineswegs, nocheinmal nach Victoria zurückzukehren! Es war auch einmal schön, in eine gewohnte Umgebung zurückzukehren, wo man ohne Karten-Lesen zurecht kommt und seine "Lieblingsplätze" hat... Nun ja, nun bin ich also wieder in "lovely, flowery Victoria". Welcome back!

Meine letzten paar Tage auf der Rocky Creek Winery waren "pretty exciting"! Den Tag nach meinen erfolgreichen "Streicharbeiten a la Picasso" hatte ich frei gehabt und schließlich dazu genutzt, den "Cobble Hill" zu Fuß zu erkunden, nachdem ich mit dem Fahrrad dort hingelangt war. Ich muss schon zugeben, dass es eine beeindruckende Aussicht bietet, allerdings ist der Nachteil, dass man sich unbeschreiblich verlaufen kann, aufgrund der unzählig vielen verschiedenen Trails. Was mir dann auch passiert ist. Aber von Linda, der Hostmutter wusste ich ja, dass ich nicht die erste war, der das passierte. Nachdem ich wieder zum Bike zurückgefunden hatte, beschloss ich mit dem Fahrrad weiter an den nächstgelegenen See zu fahren und dort meinen Nachmittag vollens zu verbringen. Mein Lunch hatte ich auf dem Berg eingenommen, bei herrlicher Aussicht, so wie ich es liebe :-)

Am Abend machte ich mir dann das beste Rührei, das ich je gegessen hatte. (O.o Selbstlob!) Die Familie war den kompletten Tag außer Haus gewesen, weshalb ich selbst für das Dinner verantwortlich war.

Am darauffolgenden Tag war es dann endlich soweit! Die "harvest" der Siegerrebe erwartete mich/uns! Zuallererst erklärte mir Marc den wesentlichen Arbeitsschritt. Er bestand darin, die Netze aufzuklipsen, die wir über die Weinreben gespannt hatten und anschließend die ganzen Stängel mit den Trauben abzuschneiden. Die Blätter konnten dabei auch entfernt werden, um eine bessere Sicht zu haben. Die einzige "challenge" dabei war, auch wirklich die richtigen Trauben zu erwischen. Dieser Teil der Vineyard war unbeschreiblich "mixed". Marc und Linda hatten diesen Teil dazugekauft, als er bereits bepflanzt gewesen war. Derjenige, der es angelegt hatte, hatte behauptet, von der "nursery" die Pflänzlinge durcheinander erhalten zu haben, weshalb der Weinberg etwas planlos angelegt worden war. Marc selbst hält das für einen schlechten Witz. Ich auch. Wir durften an diesem Tag eine der schönsten Trauben ernten. Sie hat eine rosa, lila Färbung. Nachdem man die Trauben mit den Stängeln entfernt hatte, wurden sie einfach in eine der unzähligen Kisten gelegt, die schließlich aufeinander gestapelt wurden und zum Haus transportiert wurden zur weiteren Verarbeitung. Die Ernte dieser Traubensorte dauerte 1, 5 Tage und schon nach dem ersten halben Tag (als wir zurück zum Haus fuhren um unser Lunch einzunehmen) berichtete mir Marc, bereits zu diesem Zeitpunkt mehr Trauben dieser Sorte zu haben, als letzes Jahr im Ganzen. Diese Tatsache beflügelte ihn verständlicherweise. Meine Arbeit wurde mit einem wundervollen, saftigen Steak belohnt und natürlich mit einem sehr guten Gläschen Wein. Ich genoss unser besonderes Dinner und die tolle Atmosphäre die herrschte. Alle waren unbeschreiblich gut gelaunt, da die "Harvest" so gut ausgefallen war. Wir stießen darauf an. Bei meiner Abreise hatten Marc und Linda mich wissen lassen, dass es vermutlich das Rekord-Jahr werden würde, was die "Ausbeute" der Ernte anbelangte und dass das auch unser Verdienst (der Verdienst der Wwoofer) sei, da die Netze so viel geholfen hätten. Sie seien gut zugeklipst und zugenäht gewesen. Das freute mich sehr!

Und schließlich kam endlich der Tag, an dem die Schweizer wieder von ihrem West-Coast-Trail zurüclkkamen. Ich hatte mich sehr auf ihre Rückkehr gefreut. Linda und Marc hatten sie nicht vor dem Wochenende erwartet (sprich, sie wären 4-5 weitere Tage unterwegs gewesen)... Aber Deborah und Raphael hatten tatsächlich ihr Ziel erreicht und es in der von ihnen eingeplanten Zeit geschafft. Sie hatten unbeschreiblich viel zu erzählen, als sie zurückkamen und ich genoss es, einfach nur zuzuhören. Wir aßen gemeinsam Quiche. Das hatte ich mir wünschen dürfen. Zuallererst wollte Marc eine Quiche kaufen. Ich hatte mir nicht viel davon versprochen... Und schließlich hatte er keine bekommen können und kurzerhand selbst Hand angelegt. Voller Stolz meinte Linda "Marc made a HOME-MADE quiche!!!" Nun ja, für mich war es eigentlich NORMAL "home-made" Quiche zu essen... Aber in Kanada kann man eben alles fertig kaufen, wenn man will... :-D

Gestern dann hatte ich nochmals einen freien Tag, den ich größtenteils zum Packen und Organisieren nutzte. Das besondere an dem Tag war allerdings, dass Raphael, der Schweizer Geburtstag hatte und wir schließlich ein WUNDERVOLLES Dinner gemeinsam hatten. Deborah hatte einen Kuchen gebacken, den es schließlich zum Nachtisch gegeben hatte. Marc hatte den Grill angeworfen und RIESIGE Steaks gebraten. Dazu gab es "Squash", was für mich typisch kanadisch ist, selbstgemachte Pommes, "Ceaser-Salad", Bruscetta. Da das Abendessen wirklich so reichlich war, war ich froh, vorher einen Ausflug an den "Cowichan-Bay" unternommen zu haben. Natürlich in Begleitung der beiden Schweizer. Es hatte unbeschreiblich gut getan, sich die Füße ein wenig zu vertreten! Und Cowichan-Bay ist wirklich schön und schnuckelig zum Ansehen! Ich hatte mir bei der örtlichen Bäckerei (bei der wir ja schon einmal gewesen waren - die Bäckerei mit dem deutschen Bäcker!) schließlich eine Brezel gekauft für die Reise, die mich am nächsten Morgen (also heute!) erwartete. Das musste ich mir einfach gegönnt haben! Eine Brezel, die auch wirklich wie eine aussah! Unglaublich aber wahr!

Bei unserem Weg durch den Park kamen wir in den Genuss Seelöwen zu beobachten und bei unserme Rückweg entdeckten wir schließlich ein Eichhörnchen auf der Stromleitung. Wir scherzten, dass das die Seilbahn für Eichhörnchen sei. Es war wirklich schön, die beiden kennen gelernt zu haben! Und wer weiß, vielleicht verschlägt es mich ja eines Tages einmal nach Bern oder Zürich und ich könnte sie wiedersehen!

Ich bedankte mich schließlich bei Linda und Marc für die tollen Erfahrungen, die ich bei der Winzerei sammeln durfte und war wirklich froh um die Erinnerungen, die ich an diese Zeit haben werde. Wen es interessiert, der kann gerne einmal auf der Internetseite der Winery surfen (www.rockycreekwinery.ca).

Nun sitze ich also in Victoria und bin schon voller Vorfreude auf das heutige Gospel-Konzert (zumal ich so etwas schon immer einmal sehen wollte!) und natürlich auf Seattle! :-) Auf und davon! 

Freitag, 19.09.2014

Doors painted - painter, too! Picasso on the vineyard

Der etwas andere Blog-Eintrag

Als mein Wecker mir schließlich ankündigte, dass es Zeit war, aus den Federn zu kriechen und sich startklar für den Tag zu machen, war ich schon ein paar Minuten wachgelegen. Ich konnte nicht sagen wie lange, aber die bibbernde Kälte hatte mich aus dem Schlaf gerissen. Ich konnte mich entsinnen, dass es gestern schon kälter als die vorigen Nächte gewesen war. Der Herbst scheint greifbar nahe zu sein. Nur mit Mühe konnte ich mich dazu bewegen, aufzustehen. Der Gedanke daran, früher mit der Arbeit fertig zu sein spornte mich letztendlich an. Die Tatsache, mir zeitmäßig meine Aufgaben selbst einzuteilen gefiel mir. Rasch schlüpfte ich in meine Arbeitsklamotten (eine ¾ Hose, ein altes, beflecktes T-Shirt, meine dicke Fleesejacke und Gummistiefel – also eine GANZ andere Arbeitsmontur als zu Hause! Aber es war auch einmal schön, sich über neue Flecken, die hinzukamen keine Sorgen machen zu müssen – Alles hat seine Vor- und Nachteile! Über einen Fleck auf einer weißen Bluse im Büro hätte ich mich schließlich aufgeregt) und machte mich mit meinem Kulturbeutel auf in Richtung Gästebad. Den Wwoofern ist es gestattet, das Gästebad mitzubenutzen, das im Grunde für die Besucher des Weingutes reserviert ist. Anschließend stieg ich die Stufen zur Veranda empor, von wo aus ich durch die Seitentür ins Haus gelangen konnte. Der Geruch von frischem Kaffee stieg mir in die Nase. Herrlich! Ich konnte es kaum erwarten, mir eine Tasse davon zu ergattern. Am liebsten mochte ich meinen Kaffee mit einem guten Schuss „flavoured Creamer“ (erhältlich in allen Möglichen Varianten, beispielsweiße „Vanilla“, „Hazelnut“, „Toffee“…) . Jedes Mal, wenn ich nun vor meiner allmorgendlichen Tasse Kaffee sitze, beginne ich inständig zu hoffen, dass ich etwas ähnliches, vergleichbares in Deutschland auch finden würde. Aber ich werde sehen… Während ich mein „Oatmiel“ (warme Haferflocken) mit Banane verspeiste, versuchte ich vergeblich mit Marc, dem Hostvater ins Gespräch zu kommen.

“Do you think we will harvest the grapes soon, Marc?“, fragte ich und schaute zu ihm hinüber. Er hatte wie gewöhnlich eine Tasse Kaffee vor dem Frühstück, während er dabei gemütlich in seinem Ohrensessel saß und nervös auf seinem Blackberry herumtippte.

„I don’t know,“ lautete seine kurze Antwort, die mir signalisieren sollte, dass das Gespräch hiermit beendet war.

Nachdem ich mein Frühstück beendet hatte, kam ich allerdings nicht umhin, ihn wieder anzusprechen. Schließlich musste ich ja wissen, was heute zu tun war.

”Did you think about the tasks for today yet?” Ich hielt kurz inne, um seine volle Aufmerksamkeit zu bekommen. “I know that Linda wants me to clean the guest bathroom and the tables outside. Then she mentioned that she wants me to run the dishwasher and water the plants. What else?”

“Yes, I thought about your tasks.” Er schmunzelte helmisch, als wisse er, er würde mir zugleich etwas mitteilen, das mir gar nicht gefallen würde. “I want you to paint something.“

 

Zuallererst war die Aufgabe an der Reihe, vor der ich schon seit ein paar Tagen Respekt hegte. Heimlich, still und leise, versteht sich… Bisher hatten Deborah und Raphael, die beiden Schweizer, diese Aufgabe immer übernommen, da wir die Aufgabenbereiche immer untereinander aufgeteilt hatten. Nun, da die zwei für ein paar Tage verschwunden sind, um sich den West Coast Trail „anzutun“, blieb mir nichts anderes übrig, als es mit dem Monstrum von Spülmaschine selbst aufzunehmen. Es handelt sich hierbei um eine industrielle Spülmaschine, die hauptsächlich in Restaurants verwendet wird. Als Marc uns einwies, behauptete er mit stolz geschwellter Brust, diese von einem Krankenhaus für einen Schnäppchenpreis ergattert zu haben. Allerdings gab es mehrere Dinge, die bei der Spülmaschine nicht mehr so funktionierten, wie einst, weshalb er selbst daran herumbasteln musste, um sie weiterhin funktionstüchtig zu halten. Stolz präsentierte er uns am Tag der Einweisung seine eigens dafür angefertigte Bedienungsanleitung. Seiner Meinung nach konnte man praktisch nichts falsch machen, solange man sich an diese Wunder-Anleitung hielt. Heute hatte ich also die Gelegenheit, zu prüfen, ob die Anleitung auch wirklich das hielt, was sie versprach. Aus dem „Tasting-room“ holte ich die Kiste mit den benutzten Weingläsern und schließlich konnte es losgehen. Mir kam Marcs Warnung wieder in den Sinn. Ich wusste, dass wenn ich auch nur einen Schritt der Anleitung falsch verstehen würde, es im schlimmsten Fall sein konnte, dass die ganze Winzerei in Flammen aufging. Zuallererst ging es darum, die Spülmaschine aufwärmen zu lassen. Man musste die Wasserzufuhr dabei im richtigen Moment auf- und schließlich wieder zudrehen. Nach mehreren Arbeitsschritten sollte man schließlich, anhand dem Ablesen des Temperaturmessers feststellen können, dass die Temperatur steigt. Dieser Vorgang würde, laut Beschreibung ca. 15-20 Minuten dauern. Währenddessen bliebe mir genug Zeit um andere Aufgaben zu erledigen, wie beispielsweise das Reinigen des Gäste-WCs, sowie das Säubern der Tische, an denen die Gäste gemütlich bei einem Gläschen Wein sitzen konnten. Als ich schließlich zurückkam in den Schuppen, in dem sich die Eichenfässer (“Oaks“) sowie die Spülmaschine befinden, musste ich entsetzt feststellen, dass die Temperatur der Maschine wieder gesunken war. Was nun?! Rasch überflog ich erneut die Arbeitsschritte der Anleitung. Mir fiel nichts auf, was ich falsch gemacht haben könnte. Schließlich entschloss ich mich dazu, Marc um Rat zu fragen. Zügig lief ich zum Haus empor mit der Anleitung in der Hand.

“Marc? May I ask you something?,” fragte ich schon, bevor ich meine Gummistiefel abgestreift hatte. “Sure.“

“While I cleaned the bathroom and the tables I wanted the dishwasher to heat up. That didn’t work. Can you tell me a reason why?”

Ich glaubte in diesem Moment, dass mir die Nervosität ins Gesicht geschrieben sein musste. Ihn schien es aufzuregen, dass ich mich mit der Spülmaschine so unsicher fühlte. Für ihn war es schließ-lich ein Ding der Selbstverständlichkeit. Man konnte ja nur die Winzerei damit in die Luft jagen. Halb so wild.

“Well, when I told you guys, I explained that you have to turn the valve to on to see that the temperature is actually higher than it shows.“ Aha, und das hätte ich jetzt wissen sollen?! Warum konnte der Temperaturmesser den in diesem Moment nicht die Wahrheit ausspucken? Nun ja, immerhin beruhigte mich die Tatsache, zumindest bis jetzt anscheinend nichts falsch gemacht zu haben. Es war aber auch mit keinem Wort in der Anleitung erwähnt, dass man die Wasserzufuhr wieder öffnen musste, um zu sehen, dass die Temperatur gestiegen war!

Schließlich lief ich wieder zurück zum Schuppen, in der Hoffnung, ihn nicht noch einmal um Rat fragen zu müssen. Anscheinend hasste er es, bei seiner morgendlichen Tasse Kaffee gestört zu werden. Die nächsten Schritte bestanden darin, die besagten Gläser in die Spülmaschine zu laden, die Wasserzuvor noch hundertmal zu regulieren, mehrere Waschgänge vorzunehmen (mit und ohne „Soap“) und schließlich, nachdem die Spülmaschine ihre Arbeit getan hatte, sich selbst reinigen zu lassen, bevor man sie endlich ausschalten konnte. Am Ende war ich wirklich erleichtert, dass es doch ganz gut geklappt hatte. Die ganze Nervosität war (Gott sei Dank) umsonst gewesen! Sicher hatte sie einzig und allein aus nur einem Grund bestanden: Da Marc meinte, man könne dabei so viel Unheil anrichten. Aber nun ja, das lehrte mich wieder um ein weiteres Mal, dass nichts so heiß gegessen wurde, wie gekocht.

Als nächstes war das Bewässern der Pflanzen rund ums Haus an der Reihe. Dabei durfte man die unzählig vielen „hanging baskets“ nicht übersehen. Nachdem ich gefühlte 50 Blumenkübel unterschiedlichster Art schließlich bewässert hatte, kam die Langschläferin Linda um die Ecke um mir stolz noch ein paar Neuanschaffungen zu ihrem Pflanzenparadies zu präsentieren, die ich schließlich auch noch reichlich mit Wasser beschenken sollte. „“Marc is waiting for you then to explain the painting, which needs to be done. He has to go to the other vineyard” Aha, er hatte es also geschafft, sich aus seinem Ohrensessel zu erheben und mit der Arbeit zu beginnen, dachte ich grinsend. Die kanadische Arbeitsweise war eine komplett andere als die Deutsche. Viele Kanadier hatten mich schon folgenden Satz hören lassen (der mich zugegebenermaßen auch ein KLEINES BISSCHEN stolz macht): “Well, I can totally see where you come from.“ Als ich schnell zum Wohnwagen huschte, um mein Fleesepulli in ein T-Shirt umzutauschen, da es doch recht warm geworden war, nach dem kühlen Morgen, stand er auch schon an dem besagten Tor, das er gestrichen haben wollte. Es war die Tür des „Equipment sheds“.

“How much painting experience do you have?,” fragte Marc und wollte dabei sicher ganz beiläufig klingen. “None,“ lautete meine ehrliche Antwort. (Schließlich war ich ja hier, um komplett NEUE Erfahrungen zu sammeln! Ich hatte also absolut kein schlechtes Gewissen!) Woraufhin von ihm ein langgezogenes “ohhhh“ kam. “Well, I helped to paint my room,“ versuchte ich die Situation in ein besseres Licht zu rücken. “Okay. Well, that’s not worse than painting a room.“ Was Marc allerdings nicht wusste, war die Tatsache, dass ich mich unbeschreiblich darüber freute, die Tür streichen zu dürfen. Zum einen, da ich dadurch etwas Neues lernen konnte und zum anderen, da es mal etwas anderes war und ein wenig Abwechslung im Arbeitsalltag, nachdem ich die letzten Tage nur damit beschäftigt gewesen war, CDs über den Weinreben aufzuhängen, um die Vögel zu verscheuchen. Die Schweizer und ich hatten immer Witze darüber gerissen und ironisch gesagt, dass wir CDs aufhängen würden, damit die Vögel Musik hören konnten. Aber auch sonst bestand die hauptsächliche Arbeit bisher darin, den „Kampf gegen das Federvieh“ aufzunehmen, die des Winzers größter Feind zu sein scheint. Die anderen beiden Wwoofer und ich hatten Netze zusammenklipsen und –nähen dürfen, sodass keine Löcher mehr zu finden waren, durch die die Vögel hindurchwitschen konnten, um sich ein paar von den köstlichen Trauben zu stibitzen. Marc hatte immer damit gedroht, mit seiner Pistole die Weinreben auf- und abzulaufen und das unerwünschte Federvieh zu erschießen, sobald sie es auch nur wagen würden, in die Nähe seiner Trauben zu kommen. Anfangs hatte ich darüber gelacht (auch, wenn ich es nicht sonderlich lustig fand, zugegebenermaßen), bis ich begriffen hatte, dass er es wirklich ernst zu meinen scheint. Er hatte erklärt, dass das in Kanada keineswegs verboten war.

Marc leerte die Farbe in einen Plastikbehälter, in die schließlich der Farb-Roller getunkt werden sollte.

“The corners you’ll have to do with the brush,“ meinte er und machte den Anfang mit dem Roller, bevor er ihn mir in die Hand drückte. “I want you to paint the outside twice and then we’ll see if it’s possible to make the inside twice as well. The most important thing is to do the outside twice to protect it against the weather.”

Und schon war er um die Ecke verschwunden und ich begann mit der Arbeit. Schnell merkte ich, dass ich mich nicht umsonst gefreut hatte. Es machte mir wirklich unglaublich viel Spaß! Dass mir mein Doktor davon abgeraten hatte, auf eine Leiter zu stehen, ließ ich dabei einmal außer Acht. Der war plötzlich ganz, ganz weit weg. Einmal kam der Nachbar vorbeigelaufen. “Good job!,“ kommentierte er meine Arbeit. Na also, es schien doch zu klappen! “Oh, it’s my first time painting actually,“ antwortete ich verlegen, woraufhin er meinte, an mir sei ein Picasso verloren gegangen. Ha, was für ein Spaßvogel!

Kurz nach 12 Uhr am Mittag und nachdem ich die beiden Türen von außen das erste Mal gestrichen hatte, hatte ich das Gefühl, dass es nun der richtige Zeitpunkt war, eine Mittagspause einzulegen. Mit einer reichlichen Menge an Tomatensuppe und Obst zum Nachtisch setzte ich mich auf die Veranda in die Sonne. Schließlich kamen Marc und seine Tochter mit dem Auto angefahren und stiegen anschließend die Stufen zur Veranda empor. Marc hielt einen weißen Karton in der Hand. Sicher hatten sie sich wieder „treats“ gegönnt. Hin und wieder kauften sie Kuchen bei verschiedenen Bäckereien aus der Gegend, die man in solchen weißen Kartons bekam. Ich grüßte sie fröhlich. Es kam keine Antwort zurück. Manche Kanadier hatten schon seltsame Eigenarten. Ich dachte mir nichts dabei. Es war nicht das erste Mal gewesen. Als ich gerade drauf und dran war, an meine Arbeit zurück zu kehren, kam Marc auf mich zu und fragte mich, ob ich ein „Treat“ haben wollte. Widerwillig antwortete ich “sure“. Ich empfand es nicht als den richtigen Moment, jetzt Kuchen zu essen. Aber was Marc mir geben wollte, war alles andere als ein Stück Kuchen. Er hatte eine Tüte mit Weintrauben in der Hand. Als ich sie genauer betrachtete, stellte ich allerdings fest, dass die Tüte im Grunde mehr Saft als ganze Trauben enthielt.

“That’s real grape juice,“ sagte er stolz. “But you have to watch the grains”

Er drückte mir ein Glas des frischgepressten Saftes in die Hand und wartete auf meinen Kommentar. Der Saft schmeckte wirklich sehr, sehr süß, aber auch zugegebenermaßen auch sehr gut. So eine Gelegenheit bekam man nicht oft. Der Saft war absolut nicht mit dem Saft zu vergleichen, den man im Supermarkt bekam!

“Did you watch the doors yet?,” fragte ich ihn vorsichtig. “Yeah,” war die kurze Antwort. Meine Frage hatte ihn offenbar dazu bewegt, mich zu dem Equipment shed zu begleiten, um die Türen mit mir gemeinsam anzusehen. Und schließlich kam etwas, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Das Zauberwort, das mir ein Lächeln auf die Lippen zauberte. “Beautiful.“ Es genügte nur dieses eine Wort. Er schien tatsächlich mit mir zufrieden zu sein. Anschließend äußerte er allerdings seine Bedenken, dass mir die Farbe nicht ausreichen würde, um die Außen- sowie die Innenseite damit zu streichen. Wir hatten schließlich vereinbart, dass es ihm am wichtigsten sei, dass ich die Außenseite zweimal streichen würde, womit ich auch gleich begann. Über meine Mittagspause war die Farbe trocken geworden, sodass ich den zweiten „Coat“ auftragen konnte. Als ich schließlich mit der ersten Tür fertig war, kam Marc erneut um die Ecke, um einen weiteren Farbeimer vorbei zu bringen. Es handelte sich dabei um eine komplett andere Farbe. Allerdings war Marc das egal. Er meinte, er wolle die Tür hauptsächlich wetterfest machen und lediglich die Außenseite sei ihm auch vom Aussehen wichtig gewesen. “I don’t want to shock the nabours,“ lautete sein Kommentar. Woraufhin ich lachend zugab, dass der Nachbar scheinbar mit dem Ergebnis zufrieden war, da er mich bereits Picasso genannt habe.

Schließlich, als ich mit der Arbeit an der Innenseite der Tür begann, musste ich feststellen, dass mir diese beige Farbe um einiges besser gefiel, als das grau, das Marc für die Außenseite gewählt hatte. Das Beige war ja lediglich eine Notlösung. Als ich meine Arbeit beendet hatte, präsentierte ich Marc das Ergebnis erneut und ich konnte ihn tatsächlich damit zum Strahlen bringen. Ich muss zugeben, dass mich das ein wenig stolz machte.

Nach Feierabend hatte ich geplant, noch schnell mit einem der Fahrräder, die sich im Equipment shed befinden zu dem 4 Km entfernten Supermarkt zu radeln, um ein paar Coladosen zu kaufen. Ich hatte mir in Kanada angewöhnt, hin und wieder nach getaner Arbeit ein bisschen Cola zu trinken als Belohnung. Für mich war es immer noch eine Besonderheit, einfach durch die Gänge des Supermarkts zu schlendern, und sich die ein oder anderen Produkte genauer anzusehen und sich einfach Zeit zu lassen. Während ich genau dies tat, wurde ich plötzlich von der Seite angesprochen. “What are you doing here?!“ Ich hob den Kopf und blickte in das durchaus erstaunte Gesicht von Marc. Auch er war auf einen kurzen Einkauf in den Supermarkt gekommen. Ich nutzte die Gelegenheit, um ihn zu fragen, was es am Abend zum Essen gab. “Rips,“ bekam ich als Antwort und irgendwie schien ihn das besonders zu freuen, denn er grinste über das ganze Gesicht. Der Gedanke an Fleisch erfreute auch mich. Ich musste ja zugeben, dass das Verzehren von Fleisch in Kanada ganz anders ablief, als ich es ursprünglich geplant hatte, als ich noch in Deutschland war. Geplant war es gewesen, fast ein komplettes Jahr auf Fleisch so gut wie zu verzichten. Es war allerdings aber ganz anders gekommen. Der Mensch hat doch so einen Drang, immer das zu wollen, was er nicht haben kann. Da die Gastfamilie, bei der ich in Kelowna über vier Monate gewesen war, so gut wie vermeiden wollte, dass ich Fleisch aß, wurde es für mich immer mehr zum Wunsch, regelmäßig Fleisch zu verzehren. Ich radelte schließlich mit dem Bike wieder zur Winzerei zurück und freute mich auf ein saftiges Stück Fleisch. Auch wenn ich an der Stelle zugeben muss, noch nie bewusst „Rips“ gegessen zu haben. Aber heute schien der Tag der neuen Dinge zu sein. Ich hatte zum ersten Mal wirklich gestrichen und ich aß zum ersten Mal Rips.

Als wir schließlich die Vorbereitungen für das Abendessen trafen, berichtete mir Linda, wie zufrieden auch sie mit meinen Streicharbeiten war. Vor dem Abendessen hatte ich sie noch beim Streichen erwischt, was mich sehr erstaunt hatte. Sie hatte zugegeben, besonders viel Spaß dabei zu haben und dass sie es immer gerne hatte, wenn sie schließlich mit der Arbeit fertig war und etwas völlig neues kreiert hatte.

Wir saßen gemeinsam am Tisch. Vor uns befanden sich ein Teller mit den Rips, ein Blech voll „Fries“, eine Schüssel Karottensalat und eine Flasche Rotwein. Es war ein schönes Dinner. Wir sprachen über meinen geplanten Ausflug nach Victoria und das Gospelkonzert, das ich besuchen wollte. Auch mein Trip nach Seattle, den ich erst gestern voller Vorfreude gebucht hatte, blieb nicht unerwähnt. Schließlich kamen wir noch auf das Oktoberfest zu sprechen und Linda wollte wissen, wie populär es in Deutschland war, Wein zu trinken. Von dem was sie wusste und kannte, war es viel beliebter, Bier zu konsumieren. (Da war er wieder… Dieser Vorurteil, dass alle sich die Deutschen als Lederhosen- und Dirndl-tragende Menschen mit Bierbäuchen und Vollbart vorstellten. Nun ja: Frauen natürlich ohne Vollbart.) Ich konnte sie ein wenig von diesem Gedanken abbringen und versicherte ihr, dass man auch in Deutschland sehr, sehr gute Weine finden konnte und dass zwar das berühmte Oktober-fest existierte, dass es aber auch Weinfeste gab. Ich muss zugeben, ein wenig in mich hineingelächelt zu haben bei dem Gedanken an die Qualität des Weines. Ich war einfach der Meinung, dass man in Deutschland sogar weitaus hochwertigeren Wein finden konnte, als in Kanada, da mir schon zu Ohren gekommen war, dass die Kanadier sich gerne die Techniken und das Wissen der Europäer aneigneten. Viele Winzer, die es in Kanada zum Erfolg gebracht hatten, waren entweder ursprünglich aus Europa (vermehrt Deutschland, Frankreich und Italien), oder waren einige Zeit dort gewesen, um sich Wein-Wissen anzueignen. Inwiefern das der Wahrheit entsprach, kann ich nicht beurteilen. Zum Ende unseres Gespräches verkündete Marc, dass es nächste Woche an der Zeit war, mit der „harvest“ (Ernte) zu beginnen. Er hatte von einem Wetterumschwung gehört und wollte die Ernte vorher beendet haben. Er wollte die „Siegerrebe“ (eine deutsche Traube!) ernten, da sie besonders dünne Haut hatte und es durch starken Regenfall sein konnte, dass sie aufplatzen würde. Mich freute es, das zu hören, denn ich konnte es kaum erwarten, neue Erfahrungen zu sammeln und neue Erlebnisse zu machen. Die Ernte der Trauben war sicher die spannendste Zeit auf einer Winery. Aber nicht alle freuten sich auf die „harvest“. Die Tochter, die zeitweise auch zum Helfen eingeplant war, verdrehte die Augen bei diesem Gedanken.

Schließlich räumten wir den Tisch ab, säuberten die Küche und das Geschirr und wünschten einander einen schönen Abend. Ich nutzte den Abend um einmal wieder mit meinem Freund Marcel zu skypen. Es war ein langer Tag gewesen auf der Rocky Creek Winery. Als ich mit meinem Kulturbeutel in Richtung Wohnwagen lief, konnte ich wieder einmal den Sternehimmel bestaunen. Es war einfach herrlich, wie klar es hier draußen war! Sicher würde es wieder eine kalte Nacht werden… Der Herbst war wirklich zum Greifen nahe. Mit einem Anflug von Überraschtheit stellte ich fest, dass ich mich auf den Herbst freute. Ich hatte einen langen und heißen Sommer gehabt. Nun freute ich mich, zu sehen, wie die Blätter auf den Bäumen so langsam ihre Farbe in ein leuchtendes orange und rot wechselten. Ich war bereit.

 

 

Mittwoch, 10.09.2014

As a worker on a vineyard you need many pockets

Ja, Ihr seht richtig: Es kommen gleich zwei Blogeinträge auf einmal! Ich war ganz schön fleißig, was?! :-D

Es regnete in Ströhmen und es wollte einfach kein Ende nehmen. Völlig durchnässt, trotz Regenjacke, kam ich schließlich mit meinem kompletten Sack und Pack an der Bushaltestelle an, von wo aus mich der „Commuter“-Bus nach Duncan bringen sollte. Das einzigste, was ich über Duncan, meinen „neuen Wohnort“ wusste, war, dass dieses Städtchen bekannt war, für die vielen Totempfähler, die sich dort befanden, und dass dort auch viele Ureinwohner Kanadas ihr zu Hause hatten. Letzteres bewies sich schon, als ich mich schließlich in dem besagten Bus befand. Mir gegenüber saß ein solcher kanadischer Ureinwohner. Ich muss zugeben, dass er sich etwas ungewöhnlich benahm. Immer wieder redete er vor sich hin. Alle Passagiere, die sich um ihn herum befanden, schauten ihn dann verwundert an, registrierten schließlich jedoch, dass er mit sich zu reden schien. Er redete für mich unverständliche Worte. Immer wieder musterte er mich von oben bis unten. Er war einfach anders, wie die Anderen. Meine Fahrt nach Duncan war sehr ereignisreich. Allein schon deshalb, weil ich den Busfahrer zur schieren Verzweiflung brachte, aufgrund meines riesigen Koffers, den ich im Schlepptau hatte. Ich fand jedoch, dass es für ihn keineswegs ein Grund sein musste, verärgert oder gar verzweifelt zu sein! Als ich eingestiegen war, hatte er mehrfach auf den Fahrradhalter gedeutet, der sich vorne am Bus befand, wo die Passagiere die Möglichkeit hatten, ihre Fahrräder festzuschnallen. (Eine tolle Sache, die es in Deutschland so nicht gibt! – Es soll Dinge geben, wo die Kanadiern selbst den Deutschen ein bisschen voraus sind!) Allerdings war das für mich in diesem Fall überhaupt keine „gute Sache“. Der Busfahrer konnte doch nicht ERNSTHAFT von mir verlangen wollen, dass ich meinen supertollen Koffer auf den Fahrradständer stellen sollte, wo er bei diesem Regen VÖLLIG durchweicht werden würde! Schließlich konnte er sich dazu bringen lassen, dass ich den Koffer von einem kräftigen Mann auf eine Ablage innerhalb des Busses hieven ließ. Am Ende der Busfahrt konnte der Busfahrer es jedoch nicht lassen, mir einen Zettel auszuhändigen, auf dem die Regeln der Busfahrt festgehalten waren. Nun ja… Die Busfahrt selbst war auch ein Abenteuer gewesen. Ich hatte den Mann der „Wwoofing-„Unterkunft gebeten, mich bei der Bushaltestelle abzu-holen. Wir hatten eine Zeit vereinbart, wann er dort sein würde, die auf einer Schätzung beruhte, wie lange der Bus ungefähr unterwegs sein würde. Es waren ca. 80 Km und wir hatten geschätzt, dass es ungefähr 2 Stunden in Anspruch nehmen würde. Nun ja… allerdings befand ich mich zur ausgemachten Zeit immer noch in Victoria (natürlich im Bus!) – Aber halt eben im Stau. Feierabendverkehr. Zudem befanden sich um Victoria herum mehrere Baustellen, die die Lage nicht unbedingt verbesserten. Anrufen konnte ich den Mann leider nicht, da ich schon seit mehreren Tagen keine richtige Verbindung zu meinem Betreiber mehr habe. Ich kann nur noch Notfallrufnummern wählen. Aus welchem Grund auch immer. Ich saß also in dem Bus und zwei Gedanken gingen mir durch den Kopf. Zum einen der, dass ich gleich einen unbeschreiblich schlechten Eindruck machen würde (und das ICH – die, die nie zu spät kommt und auf die IMMER hundert Prozent Verlass ist!) und zum Anderen, dass ich nicht wusste, was ich machen würde, wohin ich gehen würde, wenn er nicht mehr auf mich warten würde an der besagten Bushaltestelle. Anrufen konnte ich ihn ja nicht, aufgrund der fehlenden Verbindung. Ich kam schließlich mit einer Stunde Verspätung dort an. Ich hatte ein unbeschreibliches Glück, denn tatsächlich wartete jemand auf mich. Unzählig viele Entschuldigungen murmelnd ließ ich mich schließlich auf dem Beifahrersitz nieder. Er tat mir unbeschreiblich leid in dem Moment. Er hatte wirklich eine geschlagene Stunde auf mich gewartet. Wir kamen schließlich, nach einer sehr kurzen Autofahrt, bei dem Haus der Familie an. Zuallererst bekam ich eine kleine Führung, während dessen mir die wichtigsten Dinge erklärt wurden. Fortan sollte sich mein Kanada-Erlebnis durch ein wenig „Camping“ ergänzen. Ich wurde nämlich in einem Wohnwagen untergebracht. Auch das war eine äußerst gängige Möglichkeit beim „Wwoofing“! Dass ich in einem Wohnwagen unterkommen würde, war mir bekannt gewesen. Und ich hatte auch wirklich kein „Luxusexemplar“ erwartet. Allerdings war der Wohnwagen, den er mir zeigte mit ziemlicher Sicherheit bereits 25 Jahre alt oder mehr. Nun ja… Er hatte ein (bzw. sogar zwei!) Betten in meinem „Abteil“ und eine Heizung. Das allein machte mich schon unbeschreiblich glücklich. Erstaunlicherweise merkte ich nämlich, dass ich die Heizung nachts brauchen würde. Der nahende Herbst machte sich schon in der ersten Nacht, bzw. am ersten Abend hier bemerkbar. Der Wohnwagen selbst war in zwei Teile unterteilt. Ich befinde mich im hinteren Teil des Wohnwagens, dessen Türe sich nur mit unbeschreiblicher Kraftaufwendung schließen lässt. Auf diese Weise erhalte ich jeden Morgen schon eine Art Workout :-D Schließlich wurde ich noch durchs Haus geführt und mir wurden ein paar essenziell wichtige Dinge erklärt. Sicher interessiert euch nun, wo ich eigentlich wirklich gelandet bin und warum genau das mein Favourit gewesen war. Nun ja, es handelt sich bei diesem „Wwoofing-„Arbeitgeber um eine Winzerei, die sich „Rocky Creek“ nennt. Mich hatte es gereizt, zu einer Winzerei zu gehen und etwas in diese Richtung zu lernen. Zudem dachte ich mir, dass sie bald „Harvesting“ (Ernte) haben würden und dass es sicher interessant sein würde, dieser beizuwohnen und dort zu helfen.

Als ich die Frau des Winzers zum ersten Mal sah, war sie mir zugleich super sympatisch. Von da an wusste ich, dass ich mich richtig entschieden hatte! Das war ein schönes Gefühl. Endlich konnte ich anfangen, mich an einem Ort wieder richtig wohl zu fühlen und „anzukommen“. Alles andere hatte sich mehr wie eine „Zwischenstation“ angefühlt. Victoria zum Beispiel. Es war ein seltsames Gefühl gewesen, dort ohne meinen Marcel zu sein. Hier in Duncan jedoch, merke ich, dass ich es für längere Zeit aushalten kann, ohne, dass es sich wie eine „Zwischenstation“ anfühlt. Am ersten Abend gab es Spaghetti. Es war herrlich, nach so langer Zeit einmal wieder Spaghetti zu essen! Außerdem genoss ich die „Company“ (das Zusammensein) mit der Familie. Es war einfach schön, wieder an einem Familienleben teilzunehmen. Auch, wenn es nicht meine Familie war. Aber es war einfach grundsätzlich schön, mit einer Familie am Tisch zu sitzen bei einem gemütlichen Glas Wein und sich zu unterhalten.

Der Winzer hatte mir schon am ersten Abend mitgeteilt, dass sich für das Wochenende weitere Wwoofer angemeldet hatten. Diese kamen jedoch schließlich verfrüht schon am nächsten Tag. Es handelte sich dabei um ein Pärchen, das sich den vorderen Teil des Wohnwagens teilen sollte. Wie sich herausstellte, handelt es sich um Schweizer. Gott sei Dank können sie Hochdeutsch! :-D Im Grunde reden wir immer in einem „Mischmasch“ aus Deutsch und Englisch. Meistens jedoch Deutsch. Die Gasteltern müssen ja nicht alles verstehen. Wobei wir da wirklich trotzdem vorsichtig sein müssen, was wir sagen, da die Eltern von der Gastmutter Deutsche sind, die nach Kanada ausgewandert sind. Da dies jedoch anno dazumal war, kann die Gastmutter (Linda) kaum deutsch. Toll ist jedoch, wie gut ich mich mit allen verstehe. Die Schweizer sind wirklich lieb und auch mit der Gastmutter befinde ich mich auf einer Wellenlänge. Die Winzerstochter jedoch befindet sich in einem nicht so einfachen Alter mit ihren 16 Jahren :-D

Mein Arbeitsalltag ist unbeschreiblich spannend. Schon am ersten Tag musste ich feststellen, wie sehr ich die Arbeit an der frischen Luft genieße! Es ist wirklich etwas komplett anderes, als alles, was ich bisher gearbeitet habe! Und ich muss sagen: Ich bin froh, um diese Erfahrung! Es ist schön am Ende des Tages wirklich k.o. in die Kissen zu fallen und gut zu schlafen, weil der Körper den Schlaf braucht um neue Kräfte zu sammeln. Es ist etwas komplett anderes, körperlich zu arbeiten! Meine erste Aufgabe war es gewesen, die Netze, die über die Weinreben gespannt sind mit „Clips“ zusammenzuheften um die Trauben vor den Vögeln zu schützen. (Aufgrund der „Clips“ sollte man immer schauen, dass man eine Hose mit Hosentaschen anhat! :-D) Wichtig war es dabei, dass keine Löcher entstanden, durch die die Vögel sich Zugriff auf die Trauben verschaffen konnten. Mittlerweile sind wir soweit gekommen, dass wir die Netze zusammennähen (eine weit effektivere Methode als zu klipsen!) und schließlich muss man die Netze nur noch am unteren Ende mit einander durch Clips verbinden. Aufgrund des Zusammennähens erhofft sich der Winzer, dass er sich nächstes Jahr viel Arbeit sparen kann, indem er die Netze, die viel größer sein werden, aufgrund des Zusammennähens, einfach nur noch ÜBER die Weinreben zu werfen braucht und diese dann schon die richtige Größe haben. Unser Aufgabenbereich hat sich außerdem dadurch erweitert, dass wir morgens, bevor die ersten Gäste zur Weinprobe kommen, das Gästebad reinigen, die Terassentische säubern und mit einer höchst komplizierten Spühlmaschine, mit der man die ganze Winzerei in die Luft jagen kann, wenn man will, die Gläser zu spühlen. Unsere Arbeitszeit beträgt 6 Stunden am Tag/5 Tage die Woche. Unter dem Tag sind wir selbst dafür verantwortlich, unsere Mahlzeiten zuzubereiten, während es abends immer gemeinsame Dinner gibt. Und ich muss zugeben: Es sind zwei exzellente Köche, bei denen ich gelandet bin! Sie kochen einfach herrlich! Ihr wollt ein Beispiel?! Nun ja, gestern gab es zum Beispiel selbstgemachte (!) Pasta mit einer hellen Soße mit Shrimps und geräuchertem Lachs. Dazu einen Rosé und einen Blackberry-Wine. Der Black-Berry-Wine ist die Spezialität dieser Winzerei. „Blackberries“ sind Brombeeren. Ein weiterer „Task“ für mich und die Schweizer war es gewesen, die Brombeeren-Ernte vorzunehmen, welche den Fortbestand des geliebten Brombeerweins sichert. 22$ kostet die gute Flasche. Allerdings ist sie kleiner, als die, des gewöhnlichen Weines. Ich muss zugeben, dass es sich bei diesem Wein wirklich um eine Besonderheit handelt, die man wohl nicht überall findet.

In der Zeit in der ich bereits hier bin, habe ich bereits schon viel über Trauben und Wein lernen dürfen und ich finde diese Tatsache wirklich toll! Es hat schließlich nicht jeder die Gelegenheit, einmal wirklich sein Wissen auf diese Weise zu erweitern. Und die Winzerfamilie ist auch wirklich bereit, ihr Wissen weiterzugeben! Mittlerweile habe ich gelernt, dass unter den Winzern selbst nicht wirklich ein Konkurrenzkampf herrscht, wie vielleicht bei anderen Produkten. Sondern, dass die Winzer (zumindest zum größten Teil) versuchen, zusammen zu arbeiten, ihr Wissen zu teilen und gemeinsam die Touristen nach Vancouver Island zu locken, indem sie gemeinsam bekannt machen wollen, dass es hier guten Wein zum kaufen und probieren gibt. Das war völlig neu für mich. Der Winzer hat zum Beispiel erzählt, dass er von einer anderen Winzerei darauf angesprochen worden war, ob er dessen Arbeiter nicht zeigen könnte, wie er Brombeerwein mache. Mich hat es überrascht zu hören, dass er es ihm bereitwillig erklärt hatte! Mich würde wirklich interessieren, ob das in Deutschland auch so läuft…

Am Samstag Abend war ich mit den Schweizern in der Weinbar und Käserei unten am Strand gewesen. Es war Lifemusik an diesem Abend angekündigt gewesen. Wir hatten einen schönen Abend mit einem guten Wein und guten Gesprächen.

An meinem freien Tag war ich mit dem Fahrrad nach Duncan hineingefahren, das sich ungefähr 15 Km von hier befindet. Ich hatte mir die Totempfähler ansehen wollen, von denen alle Welt sprach. Und ich muss zugeben: Sie waren wirklich zahlreich und auf jeden Fall sehenswert!

 

Samstag, 30.08.2014

Just a few seconds... By the way: Who said that Canada has bears?!

Hallo liebe Leser und sehnsuechtig Wartende auf meinen Blogeintrag,

sicher fragt ihr euch, was sich bei meinen Reisen mit Marcel so ereignet hat, was genau ich in Kanada treibe und und und. Ich moechte euch das alles natuerlich nicht weiter vorenthalten!

An dem Tag nach meinem letzten Blogeintrag bin ich nach Vancouver gereist mit dem Greyhound-Bus um meinen Freund Marcel dort am Flughafen abzuholen... Mit dem Greyhound zu reisen ist wirklich unerwartet konfortabel gewesen. Man hat Internetverbindung, unbeschreiblich bequeme Sitze, viel Fussraum, viel Platz... Die meiste Zeit der Reise habe ich im Grunde damit verbracht aus dem Fenster zu schauen und die Landschaft zu geniessen (sorry, ich schreibe von einer kanadischen/amerikanischen Tastatur, die unsere geliebten Buchstaben nicht hat und auch sonst ein bisschen anders ist), obwohl ich ja nun schon mehrfach das Vergnuegen hatte, diese Gegend zu bewundern, denn als wir nach Chiliwack fuhren war es "pretty much the same". Aber diese weiten Landschaften, tausende von Baeumen, unzaehlige Berge,... all das fasziniert einfach immer wieder aufs Neue. Allerdings sass ich waehrend der Reise auch ein bisschen wie auf Kohlen und grinste wie das Honigkuchenpferd hoechst persoenlich, da ICH ES KAUM ERWARTEN KONNTE!!! Ich hatte meinen Freund ja schon seit 5 Monaten nicht mehr gesehen! Trotz dass die Zeit wie im Flug vergangen war letztenendes, merkte ich, dass es eben nicht unbedingt kurz war... Mit Sack und Pack reiste ich also zum Flughafen. Nachdem ich mich dann vergewissert hatte, dass ich in der richtigen Halle auf ihn warte, war es erst einmal eine Kunst fuer sich, sich gegenseitig zu finden. Nun ja, der Moment der ersten Begegnung war einfach unbeschreiblich. Es tat unbeschreiblich gut, sich nach so langer Zeit wieder zu sehen und in die Arme zu schliessen. Schliesslich nahmen wir gemeinsam den Skytrain um in die Innenstadt zu gelangen, wo wir unser Hostel fuer eine Nacht gebucht hatten. Uns erwartete ein Run mit unserem kompletten Gepaeck durch die ganze Stadt... Als wir schliesslich verschwitzt dort ankamen waren wir einfach nur froh. Wir hatten die erste Nacht unserer Reise in Vancouver Downtown gebucht um einfach die mehrstuendige Reise nach Victoria nicht mehr am selben Tag machen zu muessen (eine sehr, sehr weise Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausstellte, da man ungefaehr mit 6 Stunden Reisezeit rechnen muss, um auf die Insel nach Victoria zu gelangen). Wir brachen am naechsten Morgen nach einem leckeren, ausgiebigen Fruestueck auf. Zuerst muss man mit dem Skytrain an eine bestimmte Haltestelle fahren, von wo aus die Busse nach Tsawassen fahren, wo die Schiffe ablegen. Nach einer eineinhalbstuendigen Faehrfahrt muss man dann einen weiteren Bus nach Victoria nehmen. Trotz dass sich die Fahrt und alles sehr hinzieht ist es wunderschoen zu erleben, denn es gibt so unbeschreiblich viel zu sehen! Wenn man Glueck hat, kann man sogar Wale sehen, waehrend der Faehrfahrt und sich damit das Whalewatching sparen... Nun ja, wir hatten jedoch kein Glueck mit den Walen, was jedoch halb so wild war, da wir unsere Faehrfahrt auch so sehr genossen! Es war einfach herrlich, die vielen kleinen Inseln zu sehen, die Leuchttuerme... All das. Die nachfolgenden paar Tage verbrachten wir in dem wunderschoenen, beeindruckenden und blumenuebersaeten Victoria. Das alles hat mir sehr, sehr gut gefallen. Das Government house ist bei Nacht beleuchtet, was unbeschreiblich beeindruckend war. Wir haben mehrere Wanderungen am Meer unternommen, sind durch die suesse Innenstadt gebummelt... Wir haben uns Zeit gelassen alles in Victoria anzusehen. Wir hatten das Glueck an einer kostenlosen Fuehrung im Government house teilzunehmen, wo uns alles moegliche ueber die Regierung und dem Zusammenhang mit der Queen erklaert wurde. Ausserdem waren wir im Beacon Hill Park, wo man den groessten Totempfahl der Welt findet und ausserdem wundervolle verschiedene Gaerten und einen Streichelzoo fuer Kinder. Auch Pfaue findet man dort. Vom View Point aus genossen wir die Aussicht aufs Meer und ich nutzte die Gelegenheit um meine Steinsammlung zu erweitern :-D In der in Victoria gelegenen Chinatown befindet sich die schmalste Strasse Kanadas. Die Fantan Alley. Auch diese liessen wir uns nicht entgehen! Ich hab wundervolle Erinnerungen an die Zeit in Victoria, die ich mit Marcel verbringen durfte. Wir hatten zwar ein winziges, oder auch "kuschelig" genanntes Zimmer, in das groesstenteils hauptsaechlich das Bett passte, aber das sorgte bei uns eigentlich nur fuer Lacher und wir dachten nicht weiter darueber nach. In Victoria kochten wir jeden Tag fuer uns selbst und auch fuer das Fruehstueck sorgten wir selbst. So kam es, dass wir uns Eier in die Pfanne warfen und neidische Blicke ernteten. Erst recht dann, wenn wir uns Reispfanne mit Chicken selbst zubereiteten und ich kann nur sagen: Es war MINDESTENS so gut wie im Restaurant! Es machte mir einfach unbeschreiblich viel Freude an Marcels Seite in der Kueche zu stehen! Auch, wenn es einfach nur erschreckend war, mit wie wenig die Hostelkueche hier ausgestattet ist! Da bin ich von Vancouver im Samesun-Hostel einfach nur verwoehnt :-D Dort wird Salz, alle moeglichen anderen Gewuerze sowie Butter und ein Free-Food Kuehlschrank und -Regal zur Verfuegung gestellt. In Victoria musste man froh sein, wenn Salz vorhanden war! :-D Nun ja, jedes Hostel ist eben auch ein bisschen anders... Die Atmosphäre im Hostel selbst ist auch laaaaange nicht so gut, wie in dem in Vancouver. In Vancouver kommt man mit den Leuten beim Frühstücken und überall sonst ins Gespräch, schließt Freundschaften... In Victoria bilden sich kleine Grüppchen, die größtenteils unter sich bleiben... Uns störte das alles nicht - wir hatten/haben ja uns! Was das shoppen in Victoria angeht, so lässt es auch da keine Wünsche offen! So findet man in Viktoria zum Beispiel einen AllStar-Laden, der weltweit anscheinend die größte und verrückteste Auswahl hat. Echt der Wahhhhnsinn, was man da alles findet! Schuhe, die Stars gewittmet sind, mit Komikfiguren, aus allen möglichen Stoffarten und auch der Farbfächer wird gründlich durchgearbeitet ;-)

Nach unseren paar Tagen in Viktoria ging es dann wieder zurück nach Vancouver, wo wir unseren Mietwagen abholten, der uns fortan das Reisen ein bisschen erleichtern sollte. Von Vancouver aus fuhren wir direkt nach White Rock, ein Vorort von Vancouver, wo ich ja schon mehrfach war. Dort wollten wir bei meiner Bekannten übernachten. Das alles klappte auch super gut und alles wie geplant. Wir waren alle gemeinsam Pizza essen bei dem Pizza Restaurant in dem ich meine erste kanadische Pizza damals hatte und es war einfach HERRLICH, mal wieder italienisch zu essen! Wenn man in Kanada italienisch essen geht und auch WIRKLICH eine italienische Pizza auf den Teller gezaubert haben möchte, muss man darauf achten, dass man eine "thin crust pizza" bestellt, was so viel heißt wie, dass sie einen dünnen Boden hat. Es ist viel mehr verbreitet, die typische, amerikanische Pizza zu essen. Aber keine Angst... Ich werde die italienische Pizza der amerikanischen IMMER vorziehen! :-D Sorry... Aber dafür gibt es andere Dinge, die die Amerikaner und Kanadier gut, bzw. vielleicht sogar besser können (zugegebenermaßen!) - Wenn ich da nur an den Salat im Gasthaus denke... Der allerbeste meines Lebens!

Gut... zurück zu White Rock... Dort verbrachten wir einen Abend und einen kompletten Tag, bevor es auch dort wieder "Abreise" hieß. An dem Abend habe ich einmal wieder sehr, sehr lange mit Erika geredet und es tat einfach unbeschreiblich gut, so ausgibig mit ihr zu reden... Es war wie das wiedertreffen einer sehr, sehr guten Freundin nach einer langen Zeit. Einerseits fühlte es sich an, als hätten wir uns schon ewig nicht mehr gesehen (was ja auch so war!) und andererseits hatte ich das Gefühl, es sei erst gestern gewesen, dass die Shufelts mich bei ihr abgeholt hatten. Unseren nächsten Tag in White Rock verbrachten Marcel, Otto (Erikas Sohn) und ich am Meer. Dort herrschte Ebbe, was mich zugegebenermaßen unbeschreiblich faszinierte und reizte! Mir denkt es nicht, dass ich einmal bei Ebbe im Meer gewesen bin. Als Kind war es einmal, dass meine Eltern und ich durchs Meer gewatet sind, aber das ist ewig her. Nun ja... Es war schön! Ich nutzte die Gelegenheit um ein wenig durchs Meer zu joggen! Es war fantastisch und es war sicher etwas, was nicht jeder macht :-D Jedenfalls habe ich keine Jogger gesehen :-D Einmal ist ein Schwarm von Enten ÜBER meinen Kopf geflogen. Ich hatte das Gefühl, dass sie ziemlich tief waren, sodass ich in lieber in die Knie gegangen bin. Noch am selben Nachmittag fuhren wir schließlich weiter nach Kelowna. In Kelowna war es mein Part, Marcel das zu zeigen, was mich besonders begeisterte und berührte und welche Orte in meinem Herzen einen festen Platz hatten. Wir bestiegen gemeinsam den Knox-Mountain, wo wir das Glück hatten, mehrere Hirsche und Rehe zu sehen und ihnen ganz nah zu sein. Wir fuhren gemeinsam nach Peachland um im Gasthaus zu essen und auch die "Nutfarm" mit den alten Nussbäumen und den schönen Stränden wollte ich ihm nicht vorenthalten. Es waren wunderschöne Tage in Kelowna und es war wirklich ungewöhnlich für mich, die ganzen Orte zu zweit wieder zu besuchen. Ich genoss es. Abends setzten wir uns öfters gemeinsam in den Park um einfach nur aufs Wasser zu schauen und unsere gemeinsame Zeit zu genießen und einmal um "Musik im Park" zu lauschen, was ein Festival ist, das über den ganzen Sommer immer an den Wochenenden stattfindet. Was ich in Kanada schön finde, ist, dass bei solchen öffentlichen Veranstaltungen, an denen Musik gespielt wird immer getanzt wird. Jung und alt, egal ob Kind oder ältere Ehepaare oder Teenager, junge Erwachsene... Alle teilen ihre Freude miteinander und bewegen sich zur Musik. Auch ich habe mir das angewöhnt zu tun. Dabei ist es völlig egal, WIE man tanzt... Hauptsache man ist dabei!

 

Von Kelowna reisten wir schließlich weiter nach Banff... Auf der Fahrt dort hin (bzw. noch bevor wir Kelowna richtig verlassen hatten), besuchten wir noch die Kangaroo-Farm. Jaaaa, ihr lest richtig! In Kelowna, bzw. einem Nachbarort, der zu Kelowna gehört findet man eine Farm, die Kangaroos züchtet. Schon während der Zeit die ich in Kelowna allein verbracht hatte, war es immer mein Wunsch gewesen, da einmal hinzugehen. Nun ja und mit Marcel gemeinsam erlebte ich es dann auch wirklich. Das war dann auch etwas Neues für mich in Kelowna. Es war eine Art Streichelzoo mit unterschiedlichen exotischen Tieren. Und die Hauptattraktion waren natürlich die Kangaroos. Es waren dort größere als auch kleinere zu finden und man hatte sogar die Möglichkeit, sich in einer Schlange anzustellen, um einmal eines der Babykangaroos auf dem Arm halten zu dürfen. Wir fanden beide, dass den armen Kangaroos mit den unzähligen Besuchern unbeschreiblich viel zugemutet wurde. Ändern konnten wir diese Tatsache leider nicht. Es war trotzdem wundervoll und etwas besonderes, Kangaroos zu sehen und zu streicheln.

 

 

Von Banff selbst sahen wir nicht viel. Wir kamen spät am Abend an und waren dann auch ziemlich hungrig. Nach dem Einchecken hatten wir uns direkt auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht und hatten dabei eine nun ja... seltsame aber auch lustige Erfahrung. Im Nachhinein kann ich eigentlich nur noch darüber lachen. Ich hatte in einem Prospekt, das verschiedene Restaurants vorstellte eines herausgesucht, das sich zunächst super anhörte! Es war im Grunde für jeden etwas dabei... Burger, Salat, Pizza, Pasta... Als wir dort ankamen meinten sie, es würde ca. eine Stunde Wartezeit sein für die Gerichte. Das nahmen wir nach mehrerem Überlegen in Kauf. Als wir uns dann setzen ließen (in Kanada WIRD man immer gesetzt. Das heißt, man wartet vorne an einem kleinen Tisch auf einen Platzzuweiser, der einem dann auch gleich die Speisekarte reicht) und Marcel schon eine Cola geordert und bekommen hatte, wurde uns mitgeteilt, dass es nicht möglich war, irgendetwas zu ordern, in dem Chicken vorhanden war und auch Burger und Wraps konnte man nicht bestellen. Da fast in jedem Gericht Chicken war, blieb nicht mehr viel übrig und Marcel fragte gerade heraus, was sie denn eigentlich überhaúpt da hatten :-D Er aß schließlich eine Pizza und ich bekam einen Salat mit Fisch statt Chicken. Das seltsame war, dass das Restaurant laaange nicht voll besetzt war, sie aber trotzdem meinten, die Wartezeit betrage mindestens eine Stunde. Die Gerichte kamen letztendlich um EINIGES früher... Wir vermuteten, dass sie mit dem Ankündigen der langen Wartezeit einfach die Leute "vertreiben" wollten. Ihre Vorräte waren so gut wie aufgebraucht. Das war das erste Restaurant, in dem ich je war, das die Leute NICHT in ihrem Restaurant haben wollte :-D Das ist sicher eines der Dinge, an die man sich später lachend erinnert, wenn man zurückdenkt. Solch ein Erlebnis hat schließlich nicht jedermann!

Am nächsten Morgen hatten wir schließlich bis 11 Uhr noch Zeit, Banff ein wenig zu erkunden und durch das Städtchen zu bummeln. Da Marcel schon einmal vor 2 Jahren dort gewesen war konnte er mir einen Park zeigen. Leider hatten wir ein bisschen weniger Glück mit dem Wetter als er damals. Ab und an tröpfelte es und es war leider ein bisschen frisch. Das war für mich ziemlich ungewöhnlich nach den vielen Wochen in der Hitze Kelownas! Was mich allerdings schon während der Fahrt nach Banff beeindruckt hat, ist, dass man DORT WIRKLICH das vorfindet, was man sich unter Kanada vorstellt: Klare Seen, viele Berge, weites Land, wenige Ortschaften... Es war komplett anders als Kelowna und ich hatte im Grunde schon geglaubt, es handle sich bei diesen Vorstellungen um Vorurteile! Aber NEIN!... Es gibt wirklich Teile Kanadas die so sind! (Aber natürlich nicht alles, so wie vllt. manches Vorstellungsbild wenn man an Kanada denkt...)

Um 11 Uhr reisten wir in Richtung Edmonton weiter, wo wir bei Günter und Gerda (Bekannte von Marcel) für mehrere Tage unterkommen konnten. Ich muss zugeben, dass wir schon sehr verwöhnt wurden! Mehrfach waren wir gemeinsam essen und auch bei dem Ehepaar zu Hause wurde immer aufgetischt was das Zeug hielt. Es war schön in so guter Gesellschaft so gut zu essen! Unseren ersten kompletten Tag in Edmonton verbrachten wir damit, ein wenig in der Stadt selbst herumzubummeln und auch durch das super gigantische River Valley zu schlendern. Es handelt sich dabei um einen riesigen Park, der sich Mitten in der Stadt befindet und die Stadt ein wenig in 2 Teile teilt. Es war wirklich beeindruckend zu sehen! Die Stadt selbst begeistert nicht nur mit der Architektur sondern auch die Atmosphäre dort ist sehr gut! Ich bin so unglaublich froh, dass wir in Edmonton nicht nur die Shopping-Mall gesehen haben (für die Edmonton bekannt ist, weil es sich dabei um die 2. größte der Welt handelt - lange Zeit war es die größte bis die Amerikaner das nicht mehr auf sich sitzen lassen wollten und eine größere bauten...) Die meisten Touristen, die in Edmonton einen Stop einlegen verbringen ihre Zeit in eben dieser riesigen Mall und reisen dann wieder ab. Es war für uns daher etwas ganz besonderes auch die Stadt zu sehen. Da es zufälligerweise ein Samstag war hatten wir sogar die Gelegenheit, dort auf den Markt zu gehen. Für mich ist es immer etwas sehr besonderes in Kanada auf die verschiedenen Märkte zu gehen, wo lokale Dinge verkauft werden. Ich muss immer wieder über die gigantisch riesigen Gemüse- und Obstsorten staunen. Dort gibt es Tomaten, die so groß sind wie Kinderköpfe! Aber natürlich werden auch verschiedene andere Dinge angeboten wie Schmuck. Im Grunde ist es auf allen Märkten ähnlich.  

Unseren zweiten Tag verbrachten wir schließlich in der großen Shopping-Mall, in der sich sogar ein Friezeitpark befindet. Es ist eine Mall in der man wirklich mit offenem Mund dastehen kann und einfach nur SCHAUEN! Es wird sooo viel geboten! In der Mall findet man zum Beispiel Achterbahnen, eine riesige Eisfläche, ein riesiges Schiff auf dem Kinder spielen können, ein riesiges Schwimmbad, verschiedene Freizeitpark-Gerätschaften... Aber auch zum Shoppen lässt es natürlich kaum Wünsche offen! Während wir dort waren fand eine Seelöwen-Show statt... Also ihr seht: Edmonton tut alles dafür, dass einem gewiss nicht langweilig wird! Gekauft haben wir allerdings nichts, wenn man von dem Mini-Muffin für 4 $ absieht, den Marcel sich gegönnt hat. Es ist nicht so, dass alle Preise total überzogen seien, aber dort befand sich eben dieser Muffin-Stand mit verschiedenen quitsch-bunten Muffins, an dem keine Preise ausgeschrieben waren. Marcel war von dem Mint-Chocolate-Muffin ganz angetan gewesen und hat (ohne nach dem Preis zu fragen) zugeschlagen. Als er dann jedoch hörte, was er dafür blechen musste, hatte er sich überlegt zu sagen, dass er lediglich EINEN Muffin und nicht den ganzen Stand kaufen wollte :-D Ein lustiges Erlebnis! Geschmeckt hat es ihm allerdings... Man gönnt sich ja sonst nichts. Als wir dann am Abend zum Haus des Ehepaares zurückkamen gab es suuuuperleckere Steaks mit verschiedenen Salaten und frischem, warmen Olivenbrot. Das war herrlich! Gerda konnte kaum glauben, dass wir nichts gekauft haben :-D Aber was das Kaufen angeht, so habe ich gründlich dazugelernt, zumal ich ja Probleme hatte, damals in Kelowna bei der Abreise alles in meinen Koffer zu packen. Das ist der Nachteil wenn man ZU LANGE an einem Platz bleibt und eigentlich flexibel sein muss/will. Ich hab mir seit dem vorgenommen, dass der "zweite Teil" meiner Reise ein wenig anders ablaufen wird. Ihr werdet schon sehen, was ich damit meine. Nachdem wir eine superschöne Zeit in Edmonton verbracht haben, hieß es auch bald schon wieder Kofferpacken und Abreisen.

Unsere Reise führte uns weiter nach Jasper, wo wir uns die Gletscher angesehen haben, was suuuper klasse war! Auf dem Weg dort hin hielten wir noch an verschiedenen Seen, die Marcel auch damals bei seinem Urlaub gesehen hatte. Natürlich wollte er sie mir nicht vorenthalten. Das was mich am meisten beeindruckt hat sind im Grunde die unglaublich klaren Seen! So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen! Es war herrlich! An dem Tag an dem wir uns die Gletscher angesehen haben, durte auch ein Wasserfall, der sich auf dem Weg dort hin befand nicht fehlen! Die Natur Kanadas ist schon unbeschreiblich beeindruckend! Gerda aus Edmonton hatte uns geraten schon auf der Fahrt von Edmonton nach Jasper die Augen nach Bären, Moose, Elchen, etc. offen zu halten. Wir hatten allerdings kein Glück... Leider. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Hoffnung auf diese Tierwelt jedoch noch nicht aufgegeben... Wir hatten schließlich noch die Reise nach Whistler vor uns, bei der uns Bären und Elche begegnen konnten. Lustig fand ich allerdings die Schilder, die darauf hinwiesen, dass in den nächsten 10 Km Elche die Straße kreuzen konnten. Nun ja... Aber wer sagt, dass diese sich genau in den 10 Km Umreis befinden und nicht, sagen wir mal in 11 oder 12 Km? Ein Elch interessiert ein derartiges Schild doch nciht, oder? :-D In und um Jasper selbst bleiben die Wünsche von Wanderfreunden kaum unerfüllt. Es gibt unbeschreiblich viele Trails unterschiedlichster Art. Das Städtchen selbst ist sehr schnuckelig, allerdings auch sehr auf Tourismus spezialisiert. Man findet dort unzählig viele Souvenir-Shops etc. Eigentlich kaum einen anderen Laden :-D An einem Abend hatten wir unbeschreibliches Glück mit unserem Abendessen. Marcel tendierte dazu, die örtliche Pizzaria auszuprobieren. Ich empfand das in Kanada immer als ein gewisses Risiko, wenn man das Restaurant nicht kennt und auch keine dementsprechende Empfehlung hat. Aber, wer nicht riskiert, der nicht gewinnt und es war einfach UNBESCHREIBLICH LECKER! Es war die beste Pizza, die ich je in Kanada gegessen hatte! Auch für ein italinisches Restaurant in Deutschland wäre es erste Sahne gewesen, und das will was heißen! Was lerne ich daraus?! Man sollte sich öfters auf das Bauchgefühl eines Mannes verlassen :-D Da wir in Jasper ein Hotel ohne Frühstück gebucht hatten und auch leider über keine Küche verfügten gingen wir an den zwei Morgenden dort auch außerhalb frühstücken. Für mich war es immer wieder etwas besonderes, in Kanada frühstücken zu gehen. Man kann super leckere Pancakes essen oder aber das Rührei ist auch immer wieder ganz gut. Für Kanadier ist es allerdings keine Seltenheit Würstchen, Kartoffelspalten, Spiegeleier und Speck zum Frühstück zu bestellen. Man findet das auf jeder Frühstückskarte wenn man auswärts frühstücken gehen will. Da das allerdings nicht so meins ist tendiere ich lieber zu Pancakes und Rührei :-D Für mich fiel die Abreise schwer, da wir zimmertechnisch "upgegrated" worden waren, da das komplette Hotel ausgebucht gewesen war und wir daher das Vergnügen hatten, in einer riesigen Suit zu übernachten :-D

 

Nach unsern zwei Tagen dort reisten wir weiter nach Whistler. In Whistler hatten wir geplant die Peak-to-Peak-Gondelfarhrt zu machen und ein wenig zu wandern. Bei dem Peak-to-Peak handelt es sich um eine Gondel, die zwei Berge miteinander verbindet. Schon als wir dort ankamen habe ich mich unbeschreiblich wohl gefühlt! Man fühlt sich so unter gleichgesinnten :-D Alle dort sind unglaublich sportbegeistert, willensstark, zielstrebig und wollen was erleben und was sehen! Vom Feeling her ist es ein bisschen wie in Oberstdorf. Vielleicht denke ich das auch einfach nur, weil das eben auch ein Ort ist, an dem man auf Sportbegeisterte trifft und Sommer wie Winter nicht zu kurz kommt was Aktivitäten anbelangt. Unser Zimmer war auch dort wirklich super klasse! Wir verfügten sogar über eine Küche, wo wir uns unser Frühstück selbst zubereiteten und auch abends gemeinsam kochen konnten. Es hatte irgendwie etwas heimeliges im Hotelzimmer selbst zu frühstücken :-)

Das Peak-to-Peak war wirklich etwas besonderes und auch die Trails die man dort laufen konnte, hatten nicht zu viel versprochen. Wir nahmen eine Gondel mit Glaßboden, auf die man allerdings länger warten musste, als auf die anderen, da diese natürlich seltener waren. Trotz dass ich mir den Glasboden ein bisschen anders vorgestellt hatte, hatte es sich zumindest gelohnt, auf eine solche Gondel zu warten! Es waren herrliche Ausblicke dabei und einfach ein tolles Erlebnis!  Leider war der Glasboden nicht über die ganze Fläche, aber das störte nicht weiter. Wir genossen es. Leider hatte ich die Temperatur, die es auf dem Berg haben würde ein bisschen falsch eingeschätzt, sodass ich unbedingt einen heißen Punsch brauchte, um mich aufzuwärmen. Allerdings war ich auch schon bei der Gondelfahrt auf den Berg hinauf überrascht gewesen, wie weit oben wir uns doch befanden :-D Nun ja... Es konnte vorkommen, dass man sich mal verschätzt... Ich war immerhin besser dran gewesen (mit langer Hose und Jacke) als viele andere, die sogar mit kurzer Hose und T-Shirt den Berg hochfuhren. Es gab sehr viele Fahrradfahrer und Downhiller dort. Es war wirklich beeindruckend zu sehen! Whistler selbst hat mich auch sehr beeindruckt, da es ein schnuckeliges Städtchen zum Schlendern ist. Aber auch dort ist einiges auf die Touris ausgelegt.

 

Nach unserem wundervollen Aufenthalt in Whistler ging es dann auch schon wieder zurück nach Vancouver, wo wir noch ein paar gemeinsame, abschließende Tage verbringen wollten. Die Fahrt von Whistler nach Vancouver dauerte nur 2 Stunden und war wirklich wundervoll. Neiiiin, nicht nur deshalb, weil sie uns wirklich nur zwei Stunden kostete (was wirklich angenehm war nach der vielen Fahrerei und dem immer langen Sitzen im Auto aufgrund den unbeschreiblich großen Distanzen in Kanada), sondern auch, weil diese Strecke wirklich „scenic“ ist! Man hat einen wirklich beeindruckenden Blick auf das Meer und fährt im Grunde die komplette Zeit am Ufer entlang. Bzw. die Straße befindet sich auf einer Anhöhe und es geht eine Felswand hinab zum Meer. Wenn ich sagen müsste, welche Fahrt mir am besten gefallen hat, dann ist es diese. Leider war das auch unsere letzte Fahrt mit unserem Auto. Anschließend mussten wir es in Vancouver in der Innenstadt ab-geben. Ich will nicht behaupten, dass ich es unbeschreiblich genossen habe, im Auto zu sitzen, da es manchmal wirklich lange Strecken waren, aber das Auto abzugeben hieß im Grunde, dass unsere gemeinsame Reise sich bald dem Ende zu neigte und ich von da an wieder auf mich allein gestellt war. Ich glaube, dass auch mein Freund Marcel nicht unbedingt „gut Freund“ mit dem Auto war, da es für Kanada einen WINZIGEN Tank hatte und eben nicht ganz so gut ausgestattet war, wie das heiß geliebte Auto zu Hause :-D Er war es eben gewohnt, mit Tempomat zu fahren, was unser Leihauto leider nicht besaß. Ich muss zugeben, dass es ab und an wirklich nützlich gewesen wäre… Aber was unseren kleinen Tank anging, so sorgte dies doch manchmal für Lacher, da die Tankstellen in Kanada sich wirklich unbeschreiblich weit auseinander befinden und dass man mit einem kleinen Tank wirklich Probleme bekommen kann. So kam es zum Beispiel vor, dass wir ein Schild gesehen hatten, dass die folgende Tankstelle die letzte sei für die nächsten 100 Km… Diese war allerdings geschlossen. Zum Glück hatten wir noch einen einigermaßen vollen Tank gehabt! Eine angenehme Sache war, dass das Tanken viel weniger kostete, als das, was wir in Deutschland gewohnt sind. Wir bezahlten immer ungefähr 40 $ - also passte in den Tank unseres Leihautos ungefähr so viel, wie damals in meinen Lupo. Ich glaube es war die Fahrt von Edmonton gewesen als wir wirklich um die 5 Mal am Tag tanken mussten! Nun ja, schließlich gaben wir das Leihauto ab und begaben uns in unser Hostel in Downtown Vancouver. Es war das selbe gewesen, wie das, in dem auch ich damals meine Anfangszeit in Vancouver verbracht hatte. Es war ein unbeschreiblich heimeliges Gefühl, wieder dort hin zurück zu kehren. Man kannte ja schon alles – alles war irgendwie gewohnt und zur Abwechslung mal keine Überraschung – was auch mal ganz gut tat! Das einzige, das ein bisschen angenehmer (aber zugegebenermaßen konfortabler) war, war die Tatsache, dass wir ein Doppelzimmer gebucht hatten, statt (wie ich damals) in einem „bedroom dorm“ (Gemeinschaftsschlafraum) zu schlafen.

Unsere nächsten paar Tage versprachen noch einmal richtig „busy“ zu sein. Wir wollten uns mit Ralph treffen, der in der Nähe von Vancouver, bzw. einem Vorort wohnt. Außerdem wollten wir uns noch mit weiteren Bekannten von Marcel treffen, die uns zu sich zum Essen einluden und ich wollte Marcel verschiedene Plätze in Vancouver zeigen, die mich besonders beeindruckten. Wir hatten einen wundervollen gemeinsamen Tag mit Ralph, der uns an verschiedene Orte führte, die die „normalen“ Touristen normalerweise nicht zu sehen bekommen. Wir wanderten einen wunderschönen Weg entlang, an dessen Ende sich ein „Lighthouse“ (Leuchtturm) befand und schauten uns verschiedene verträumte Örtchen an, die auch zu Vancouver gehörten. Es war herrlich zu sehen! Allerdings muss ich zugeben, dass es zum Teil trotzdem wirklich überlaufen war. Es mag aber daran gelegen haben, dass es sich zum einen um Einen Sonntag handelte, und zum Anderen wir das Glück hatten, wundervolles Wetter zu erwischen. Könnte es besser sein?! Ralph zeigte uns auch eine Hängebrücke – mir ist allerdings gerade der Name der Brücke entfallen. Nach unseren Wanderungen und Erkundungstouren meldete sich natürlich unser Magen zu Wort und wir beschlossen gemeinsam in einen Pub zu gehen um dort Burger zu essen. Es war eine riesige Portion gewesen! Rundum hatten wir 3 einen gelungenen Tag für den ich Ralph sehr dankbar bin! Ralph hatte sich immer so viel Mühe gegeben, mir und schließlich Marcel und mir so vieles verschiedenes zu zeigen! Das weiß ich sehr zu schätzen!

An einem anderen Abend waren wir, wie schon erwähnt, bei Bekannten eingeladen. Auch dies war ein gelungener und unterhaltsamer Abend! Gemeinsam hatten wir BBQ, was ja in Kanada unwahrscheinlich beliebt ist (aus gutem Grund!). Auch ich hab BBQ noch viel mehr zu schätzen gelernt – einfach deshalb, weil die Gastfamilie in der ich ja so lange war, in Kelowna, mich nie wirklich hat teilhaben lassen, wenn es bei ihnen BBQ gab. Wie gerne hätte ich zumindest EINMAL diesen Sommer mit meiner Familie daheim im Garten gesessen und herrliches Steak gegessen! Aber man kann nicht alles haben. Mit 100%iger Sicherheit bringe ich meinen Vater dazu für mich auch noch im Herbst ein herrliches Steak auf den Grill zu schmeißen (zumal er einen neuen Grill besitzt!)

Auch unsere Erkundungstouren in Vancouver, die Marcel und ich zu zweit unternahmen, waren relativ „busy“. So zeigte ich ihm zum Beispiel den Teil des Stanley Park, der mir im Frühjahr schon so gut gefallen hatte. Auch Chinatown ließen wir nicht aus. Wobei auch er zugeben musste, sich in dem Viertel nicht wirklich wohl zu fühlen. Aber gesehen haben musste man es! Es war schließlich ein komplett anderer Stadtteil – bzw. etwas was sich komplett von allem anderen unterschied. Was unsere Versorgung anging, so gönnten wir es uns nochmals bei unserem kanadischen „Lieblingsrestaurant“ „Earls“ zu essen. Bei dem „Earls“ handelt es sich um eine Art gehobeneres Franchise-Restaurant. Sprich, man findet es in mehreren Städten und wenn man mal absolut nicht weiß, welches Restaurant man wählen soll, da man doch den ein oder anderen „Reinfall“ erlebt, wenn man keine Empfehlungen hat (und selbst dann, da ja nicht jeder den selben Geschmack hat :-D), dann geht man einfach zum „Earls“, da man sich im Grunde darauf verlassen kann, dass die Qualität und vorallem auch das Ambiente stimmt. Es handelt sich bei diesem Restaurant um das, bei dem wir wirklich am häufigsten waren. Marcel hat (fast) immer seinen Bacon-Chedder-Burger gewählt (welcher eeeecht klasse schmeckt – das sage sogar ich, als Nicht-Burger-Fan!), während ich ein spezielles Nudelgericht oder Burger verspeist hatte. Von Zeit zu Zeit haben wir uns dann auch einen superleckeren Nachtisch gegönnt, den man in Deutschland so gar nicht findet. Er reichte von der Menge her gut für uns beide und war daher perfekt. In Kanada sind die Restaurants was das Teilen von Gerichten angeht viel aufgeschlossener als in Deutschland. Natürlich findet man auf den Speisekarten spezielle Gerichte, die sogar zum Teilen gedacht sind (!), sogenannte „sharing platters“, aber auch wenn man sonst das „normale“ Gericht, oder den Nachtisch teilen möchte, so hat man da absolut keine Probleme. Sie rechnen sogar oft damit! Nun ja unser heißgeliebter Nachtisch dort war der „chocolate toffee pudding“ (oder so ähnlich)… Es handelte sich dabei um eine Art Brownie, der mit einer Schokoladencreme gefüllt war. Dazu bekam man eine Kugel Vanille-Eis, das sich in einer karamelisierten Waffel befand. Der Brownie selbst war zur Hälfte eingebettet in eine Caramel-Creme und zur anderen Hälfte in einer Schokoladen-Creme. Es war einfach herrlich! Habe ich euch jetzt Lust auf eine süße Sünde gemacht? :-D Na ja, ich muss schon zugeben, dass es mit hundertprozentiger Sicherheit EINIGE Kalorien hatte! Aber es gibt Momente im Leben, da sollte man mal darauf nicht achten und einfach LEBEN! Und das taten wir! Wir genossen das kanadische Essen in vollen Zügen!

Nun ja und irgendwann war es dann soweit und Marcel und ich mussten Richtung Flughafen auf-brechen. Ich kann sicher für uns beide sprechen und sagen, dass wir beide fanden, dass die Zeit unseres Urlaubes viel zu schnell vergangen war! Ich konnte es kaum glauben, dass es wirklich 3 Wochen gewesen sein sollen… Der Abschied fiel uns beiden sehr schwer. Der einzige Trost in diesem Moment war für mich, dass ich ihn ja im Oktober wieder sehen würde, wenn ich schließlich für einen Monat „Urlaub daheim“ machen würde. Nichts deszutrotz erschien mir das in diesem Moment unglaublich fern. Ich reiste schließlich allein wieder ins Hostel in Downtown Vancouver zurück, wo ich noch eine weitere Nacht gebucht hatte. Am nächsten Morgen stand bei mir die zeit- und kraftauf-wendige Reise nach Victoria auf dem Plan.

Schon seit Monaten hatte ich mir in Victoria auf Vancouver Island eine Stelle organisiert zum „Wwoofen“. Für die, die es nicht wissen, was genau „Wwoofen“ bedeutet, folgt hier eine kurze Erläuterung: Man hat in Kanada, Australien, Neuseeland und noch ein paar weiteren Ländern, in denen man ein Auslandsjahr verbringen kann, die tolle Möglichkeit, sich über eine „Wwoofing-Organisation“ auf verschiedene Stellen zu bewerben, die zu 99,9% in der Natur ausgeübt werden. Bei diesen Jobs wird grundsätzlich kein Geld verdient, sondern für Kost und Logis gearbeitet – Sprich, man bekommt eine Unterkunft und Mahlzeiten zur Verfügung gestellt. Die Arbeitsdauer und –Art unterscheidet sich je nach Stelle. Ist man als „Wwoofer“ auf der speziellen Internetseite registriert, so kann man sich die passende Stelle heraussuchen und den Arbeitgeber kontaktieren. Je nach Region werden verschiedene aufgelistet. Wenn man Wwoofen möchte, oder eine Wwoofing-Stelle anbieten möchte, so muss man für sich ein Profil erstellen, sodass beide Parteien sich übereinander informieren können. Bei den „Wwoofing“-Arbeitgebern handelt es sich zumeist um Bauernhöfe oder ähnliches, die helfende Hände in der Natur brauchen.

Meine Stelle, die ich mir ergattert hatte, war allerdings ein wenig anders. Es handelte sich um eine Stelle in einem Hostel. Der Beschreibung des Jobs war zu entnehmen, dass sie tatkräftige Unterstützung in verschiedenen Bereichen im Hostel bräuchten und sich der Aufgabenbereich jr nach Kenntnisstand des Arbeiters unterscheiden würde. Natürlich konnte es auch einmal sein, dass man mal etwas putzen müsste, aber es würde sich je nach Saison und Belegung des Hostels der Aufgabenbereich ändern. Es könnte sogar sein, dass man in Sommermonaten als Touristenführer eingesetzt wurde. Das klang für mich zunächst alles ganz toll und ich hatte mich gefreut, die Stelle schließlich bekommen zu haben. Es handelte sich bei dem Hostel um das selbe, in dem auch Marcel und ich übernachtet hatten, als wir in Victoria gewesen waren. Da mir Victoria selbst ja UNBESCHREIBLICH gut gefallen hatte, war ich umso glücklicher gewesen, dort einen Job ergattert zu haben. Nun ja, das Ganze stellte sich als Reinfall heraus. Als ich dort ankam wurde mir mitgeteilt, dass sie das System ein wenig geändert hatten, und dass es sich nun nicht mehr wirklich um „Wwoofing“ handelte, da sie immer Probleme bekommen hatten mit der „Wwoofing-Organisation“, da es sich im Grunde nicht wirklich um eine „Tätigkeit in der Natur“ handelte. Verständlich. Nun hatte sich das Hostel gedacht, die Leute ab sofort richtig anzustellen. Sie hatten zugegeben, dass sie mich im Voraus eigentlich per E-Mail hätten informieren wollen, aber… Nun ja, in Kanada läuft so etwas eben ein bisschen anders als in „Good old Germany“. An für sich war ja nichts an dieser „Planänderung“ auszusetzen. Nun war es aber so, dass jeder „richtigen Lohn“ erhalten sollte, anstatt für Kost und Logis zu arbeiten. Das klingt auch ganz toll soweit. Der Haken war allerdings, dass dieser Lohn nicht einmal für das Nötigste reichen würde. Man konnte sich gerade so ernähren, wenn man selbst kochte (und akzeptieren wollte, dass man beispielsweise 5 Tage am Stück Reis essen würde) und auch kein guter Esser war. Was Freizeitaktivitäten angeht (die ja in Victoria breit gefächert waren: von Whalewatching, Stand-up-padeling, kayaking bis hin zu Museums- und Gärtenbesuchen war alles möglich) so konnte man sich diese schlicht und einfach mit diesem Mini-Lohn nicht leisten. Das war aber noch nicht alles. Ich begann schließlich zu arbeiten und musste enttäuscht feststellen, dass es sich nicht um die Tätigkeiten handelte, die ich mir unter der Stelle in dem Hostel vorgestellt hatte. Stattdessen war ich von Morgens bis Abends damit beschäftigt, Bäder zu schrubben und zu putzen. Ich hatte geglaubt, aufgrund meiner Sprachkenntnisse und meinen bisherigen Praktika-Erfahrungen in Deutschland evtl. sogar an der Rezeption eingesetzt zu werden. Dem war leider nicht so. Die Fähigkeiten, die man besaß, auf die laut der Beschreibung des Berufsbildes Rücksicht genommen werden sollten, interessierten niemanden. Nach zwei Arbeitstagen, die mich sehr frustriert hatten (muss ich ehrlich gestehen), beschloss ich schließlich, den Job hinzuschmeißen. Das darf man an der Stelle nicht falsch verstehen. Ich bin mir nicht zu schade, oder zu „fein“, soetwas zu arbeiten. Für mich war es lediglich deshalb, weil es mich auf Dauer wirklich unglücklich gemacht hätte, weil ich mir mein Kanada-Abenteuer anders vorgestellt hatte, als Bäder zu schrubben von Morgens bis Abends und weil ich mein Kanada-Aufenthalt so nicht in Erinnerung behalten wollte. Natürlich hatte ich bereits in der Zwischenzeit damit begonnen, mich um eine neue Stelle zu kümmern. Für mich stand fest, dass es schnell gehen musste und dass es sich, wenn irgendwie möglich, in der Nähe befinden sollte. Ich versuchte wieder, über die „Wwoofing“- Webseite mein Glück. Ich schrieb schließlich verschiedene Farmen an, die sich in und um Victoria befanden. Ich war schließlich froh, mehrere positive Antworten bekommen zu haben und schließlich sogar mit dem, der mein Favourit gewesen war, zu vereinbaren, dass ich dort zu arbeiten anfangen würde. Aufgrund eines verlängerten Wochenendes andem es schwierig war, eine gute Busverbindung zu bekommen, vereinbarten wir, dass ich erst in der nächsten Woche anreisen würde, wenn dieses spezielle Wochenende vorbei sei. Aufgrund dessen hatte ich noch Zeit, um Victoria ein bisschen zu genießen. Es war unbeschreiblich schön, nicht mehr im Hostel arbeiten zu müssen, sondern sich schöne Tage machen zu können! Allerdings übernachtete ich weiterhin mit einer ehemaligen Kollegin im Zimmer, die mich mit allen möglichen „Hostel-News“ auf dem Laufenden hielt, ob ich es wollte oder nicht :-D Interessanterweise erfuhr ich auf diese Weise, dass 3 weitere Leute den Job im Hostel geschmissen hatten. Es waren einfach keine guten Arbeitsbedingungen… Mit dem Wissen dieser Tatsache stieg meine Laune um so mehr. Meine freien Tage in Victoria verplante ich mir regelrecht mit Freizeitaktivitäten. Es war herrlich! An einem Morgen war ich frühstücken gewesen in dem benachbarten Restaurant, das sich „John’s Place“ nennt. Immer war ich daran vorbei gelaufen und habe die Gäste dort diese riesigen „Belgian Waffels“ essen sehen. Es war an der Zeit, sich auch einmal so etwas zu gönnen! Bevor ich mich dort zum frühstücken hinbegab interessierte mich die Herkunft dieser „Belgian Waffel“ jedoch genauer. Ob es die wirklich in Belgien gab?! Dank Wikipedia fand ich schließlich heraus, dass es sich bei der „Belgian Waffel“ um eine Waffel handelt, die dicker als gewöhnlich ist und lediglich in Nordamerika verspeist wird. In Belgien selbst wurde solch eine Waffel noch nie gesehen. Eine durchaus interessante Tatsache! Ich aß also wieder einmal typisch „kanadisch“. Die Waffel schmeckte herrlich! Vorallem nachdem man in Deutschland die letzte Waffel hatte! :-D Dazu hatte ich Rührei und Obst geordert. Also ein rundum gelungenes Frühstück!

Aber natürlich war ich nicht nur gut essen an meinen freien Tagen, sondern ich wollte auch etwas erleben! Aufgrund mehrfacher Empfehlungen besuchte ich schließlich die „Burchard Gardens“. Es wurde als „das Paradies für Blumenliebhaber“ beschrieben. Dort sollte man auf äußerst seltene Blumenarten stoßen… Ich bekenne mich an dieser Stelle als Blumenliebhaber :-D Mich zog es dort hin, wie ein Magnet. Und ich muss sagen: Es hat sich unbeschreiblich gelohnt! Die verschiedenen Gärten, die sich dort befanden, waren unbeschreiblich herrlich anzusehen! So etwas hatte ich nie zuvor gesehen! Von einem riesigen Garten, in dem sich die verschiedensten Blumen- und Pflanzenarten befanden, über den chinesischen Garten, den italienischen und mediteranen Garten bis hin zum wundervollen Rosengarten fand man alles. Ich habe Rosen in Farben gesehen, wie noch nie zuvor. Natürlich fand man dort auch einen unbeschreiblich großen Andenken-Laden, indem man von Postkarten, über Capis und T-Shirts bis hin zu Blumensamen alles Mögliche fand. Ich hatte einen wundervollen Tag und konnte mich im Grunde nicht sattsehen. In den Gärten, die mir besonders gut gefallen hatten, war ich sogar mehrfach gewesen. Gegen Abend hatte ich schließlich die Gelegenheit einer Band zu lauschen, die auf der Ganz-Jahres-Outdoor-Bühne performten. Solche Bühnen waren in Kanada keine Seltenheit. Ich nutzte wieder einmal die Gelegenheit zur Musik zu tanzen. Es war einfach herrlich mit Leuten der unterschiedlichsten Kulturen und des unterschiedlichsten Alters zur Musik zu tanzen! Jeder Tanzte so, wie es ihm gefiel. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Ich muss zugeben, eine ganze Weile lang den Leuten zugeguckt zu haben, wie sie getanzt hatten, bis ich mich schließlich selbst nicht mehr auf dem Stuhl halten konnte! Wie gesagt… in Kanada ist das einfach ein wenig anders, wie in Deutschland…

Schließlich ereignete sich etwas, für das allein es sich schon lohnte, dort gewesen zu sein! Es war ein Feuerwerk für den Abend angekündigt worden. Ich hatte mir ein einfaches Feuerwerk darunter vor-gestellt und mir nichts weiter dabei gedacht. Ich hatte mich schließlich zu den vielen anderen Besuchern auf die Wiese gesellt und sehnsüchtig auf das Feuerwerk gewartet. Als es schließlich begann konnte ich meinen Augen nicht glauben! Eine solche Feuerwerks-Show hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen und auch nicht erwartet, als ich mir die Eintrittskarte gekauft hatte! Das Feuerwerk wurde über einem kleinen See zelebriert, sodass sich alles im Wasser wiederspiegelte. Es wurde Musik dazugespielt, die genau auf das Feuerwerk abgestimmt war. Alles musste auf die Sekunde genau geplant und organisiert gewesen sein. Es wurden gigantische Figuren gezeigt und alles passte unbeschreiblich gut zu der Musik. Immer dann, wenn ein neues Musikstück begann, begann auch eine neue „Szene“ was das Feuerwerk betraf. Es war wirklich unbeschreiblich beeindruckend! Nach dem Feuerwerk fuhr ich schließlich mit dem Bus wieder zurück nach Victoria Downtown und lief zurück ins Hostel.

 

An meinen verbleibenden Tagen wollte ich auch noch einmal all die Orte aufsuchen, an denen ich mit Marcel gewesen war. So begab ich mich in die verschiedenen Parks und an die Strände und ich be-gann es zu genießen. Wie schön Victoria doch war! Es war ein Blumenmeer! Ein Ort zum Wohlfühlen! Ich hätte es sicher schon vorher genießen können, wenn mich der Job dort nicht so enttäuscht hätte. Eine unbeschreiblich wichtige Sache, die ich jedoch bei dieser Erfahrung gelernt hatte, war im Grunde, die Arbeit wirklich schätzen zu lernen, die von Putzfrauen verrichtet wurde. Ich muss sagen: Hut ab vor den Leuten, die das Tag täglich machen! Es ist kein schöner Job, aber ein Job, der eben auch getan werden musste. Ich selbst habe am eigenen Leib erfahren müssen, wie man von den Besuchern im Hostel schließlich behandelt wird. Manchmal hatte man eine gute Unterhaltung gehabt, bis es schließlich zu dem Punkt kam, an dem man gefragt wurde, was man denn in Victoria mache und schließlich offenbaren musste, dass man im Hostel arbeite und leider größtenteils als Putzkraft arbeiten musste. Dann wurde man plötzlich blöd von der Seite angeschaut. Also: Hut ab vor denen, die das wirklich Tagtäglich erleben und mitmachen! Ich war lediglich aufgrund eines Missverständnisses an diesen Job geraten. Meine freien Tage in Victoria hatte ich mir jedenfalls schön gemacht. Schließlich kam der Tag der Abreise. Ein sogenannter „Commuter“-Bus sollte mich nach Duncan, die Stadt der Totem-Pfähle bringen.

Freitag, 25.07.2014

trail- & tour-fever, Canada day, deep love 4 Seattle &&&

Hallo liebe Leser,

ich entschuldige mich am Besten erst gar nicht für meinen späten Blog... Es hat sich uuuunbeschreiblich viel ereignet, und ich weiß im Grunde eigentlich nur deshalb, wo ich anfangen soll, weil ich mir Notizen mache, wenn sich etwas ereignet hat. Da sich aber im Grunde jeden Tag etwas ereignet, das besonders ist, und über das ich einen kompletten Roman schreiben könnte (Achtung: Übertreibung - aber nur gaaanz minimal), ist meine sogenannte "Ereignis-Liste" nun unbeschreiblich lange! :-o Es gibt sooo viel zu erzählen!!!

Am Besten ich fang mal an... Nun ja, meine Lieblingsbeschäftigung an freien Tagen ist das Wandern geworden. Ich verschone mich wirklich kein bisschen. Und immer dann, wenn ich dann wieder "Sophia-days" habe, macht sich das auch bemerkbar :-D Aber es tut unglaublich gut, sich zu bewegen und aktiv zu sein!!! Das habe ich erst neulich gemerkt, als ich gezwungenermaßen das Gegenteil tun musste, aber dazu später ;-) Durch das Wandern und herumtouren sehe und erlebe ich unbeschreiblich viel und die Anzahl der Bilder auf meinem Handy wächst und wächst!!! Ich werde mir schwertun, speziell Bilder für euch jetzt rauszupicken, da es 1. wie gesagt sehr viele sind, und 2. unter den vielen Bildern eigentlich keines wirklich dabei ist, das es sich nicht zum teilen lohnt!!! Kelowna ist wirklich schön und unbeschreiblich!!! Der Knox-Mountain ist mittlerweile zum "Place to be" für mich geworden. Ich bin im Knox-Mountain-Park (so heißt es, weil es mehrere Trails dort gibt) so oft es nur geht. Meistens laufe ich den selben Trail, weil er einfach unbeschreiblich gut tut und ein gutes Workout ist mit seinen Steigungen und Herausforderungen. Für euch mag es sich langweilig anhören, immer wieder das selbe zu laufen, doch ich kann nur sagen: Es ist jedes Mal komplett anders, jedes Mal ereignen sich Dinge, die für immer in meinen Erinnerungen und in meinem Herzen bleiben werden und jeder Ausflug dort hin bereichert mich ungemein! Ich habe schon unbeschreiblich viele Leute dort kennen gelernt, viele verschiedene Tiere gesehen und entdeckt und wunderschöne Momente und Ausblicke gehabt. Bei dem einen "Date with a deer" ist es nicht geblieben. Ich habe mittlerweile unbeschreiblich viele Bilder und auch Videos von den "deers" auf meinem Handy. Oft war ich ihnen so nahe, dass ich sie fast streicheln konnte!!! Es ist einfach der Wahnsinn!!! Manchesmal habe ich ganze Familien an mir vorbeirennen sehen - manche von ihnen hüpfen ganz lustig :-) -

Einmal habe ich einen älteren Mann angetroffen, der Beeren von einem Busch gegessen hat, die ich nicht kannte. Er erklärte mir, dass es Saskatoon-Berries seien und dass er schon als Kind immer aufs Feld geschickt worden sei um sie zu pflücken. Bei den Saskatoon-Berries handelt es sich um spezielle Beeren, die man nur in Canada findet. Speziell in Saskatchewan. Ich hatte zu einem späteren Zeitpunkt, als ich auf einem Farmers-Market in Peachland war (Fahrradausflug mal zur Abwechslung ;-) ) die Gelegenheit eine Saskatoon-Berry-Marmelade zu probieren. Nun ja, der Geschmack war jetzt nicht ganz so meins (vieeel zu süß!) Aber ich weiß auch nicht, wie viel Zucker der gute, ältere Mann, der sie verkaufen wollte, in seine Marmelade gemischt hatte ;-)

Als ich in Peachland mit dem Fahrrad unterwegs war, hatte ich leider weniger Glück. Ich LIEBE Peachland. Es handelt sich dabei um ein kleines Örtchen am See gelegen, (das leider nur durch den Highway zu erreichen ist), als kleiner Nachbarort von Kelowna. Es bietet mehrere Strände, kleine Eisdielen- und Hotdog-Buden, kleine Lädchen und auch das "Gasthaus", wo ich mit meinen Freunden im Juni war, als sie mich besucht haben ;-) Allein deshalb liebe ich diesen Ort. Ich freue mich schon darauf, wenn ich dort den Sonnenuntergang genießen kann und die Sterne sehen. Das kann ich jetzt nämlich leider nie. Bei mir ist es leider immer so, dass ich immer frühzeitig und wenn es noch Tag ist, zum Haus der Gastfamilie aufbrechen muss um den Berg auf dem sie wohnen noch bei Tag zu "bezwingen". Ich bin ca. eine 3/4 Stunde damit beschäftigt zu dem Haus der Gastfamilie zu laufen. Der Weg dorthin ist an einer Straße entlang. Ich würde mich nicht so ganz wohl fühlen, dort bei Nacht allein hochzulaufen. Daher hatte ich im Grunde nie die Gelegenheit, abends groß weg zu sein. Am meisten freue ich mich also auf die Sonnenuntergänge und Sternehimmel, die ich dann mit meinem Marcel im August bestaunen kann!!! Und lange ist das ja nicht mehr hin!!! Ich freu mich schon unbeschreiblich auf meinen Marcel und unsere gemeinsame Zeit hier in Canada! Zurück zu Peachland... Ich war also mit dem Fahrrad dort und wollte auf den Farmers-Market, der dort jeden Sonntag stattfindet und auch die umliegenden Parks dort erkundigen. Der Farmers-Market war ähnlich wie der Töpfermarkt bei uns und hat mich total fasziniert. Es gab wirklich schöne Sachen dort, aber natürlich gab es auch "Farmer", die ihre Ware angeboten haben. Na ja, es handelte sich dabei aber eigentlich eher um "Kirsch-Farmer". Ein Mann mit Turban, der mir unbedingt seine Kirschen andrehen wollte. Kurz vor Ende des Marktes hätte ich sie zum halben Preis bekommen. Aber er wollte einfach nicht verstehen, dass ich mit dem Fahrrad dort war und sie ohnehin nicht transportieren könnte. Es gab unzählig viele Stände, an denen man etwas probieren konnte (wobei ich in Canada sowieso die Erfahrung gemacht habe, dass Verkäufer einen viel probieren lassen - anders wie in Deutschland, wo man höchstens als Kind ein Stück Wurst beim Metzger bekommt ;-) Das ist eines der vielen Vorteile, wenn man in Canada einkaufen geht ;-)) ... so gab es zum Beispiel einen Wurststand, mehrere mit verschiedenen Dips und Aufstrichen, wo dann immer ein Brot dazu gereicht wurde oder Takkos... Dann konnte man verschiedene Säfte probieren, von Früchten, die natürlich in Kelowna angebaut wurden, Marmeladen, Popcorn... Ich aß, nachdem ich mich ausgiebig auf dem Markt umgesehen hatte mein mitgebrachtes "Lunchpaket" im danebengelegenen Park mit wunderschönem Seeblick natürlich. Für meine Lunchs, die ich unterwegs einnehme warte ich immer solange, bis ich einen Platz gefunden habe, der mir super gut gefällt und an dem man eine schöne Aussicht hat ;-) Man hat schließlich nicht immer die Gelegenheit an einem See zu essen ;-) Zu meinem Plan mit den Parks war es an diesem Tag nicht mehr gekommen - leider. Nach meinem Lunch musste ich leider feststellen, dass das geliehene Fahrrad, das ich dabei hatte, einen platten Reifen hat. Nun ja, irgendwie musste ich ja wieder "heim" kommen... An diesem Nachmittag wäre ich unbeschreiblich froh darüber gewesen, ich hätte von meinem Vater gelernt, wie man in solch einer Situation am Besten handelt, bzw. wie man eben einen Reifen flickt. Nach mehreren Gesprächen mit hilfsbereiten Leuten stellte sich jedoch heraus, dass der Schlauch höchstwahrscheinlich gewechselt werden musste. Ich konnte also im Endeffekt nur noch auf einen Bus warten (geschlagene 2 Stunden Wartezeit! Mit Regen versteht sich), der mich zum Fuße des Berges bringen sollte, auf dem die Gastfamilie wohnt. Im großen und Ganzen kann ich heute nur noch über diese Situation lächeln. Ich hab das Beste daraus gemacht und es war auch eine Art Lernprozess für mich, denn leider bin ich nicht nur hilfsbereiten Menschen begegnet, auf der Suche, nach einer Lösung. Natürlich wäre ICH hilfsbereit gewesen, wenn jemand Hilfe braucht, aber oft sind wir doch viel zu hektisch und in unseren Alltag und unsere Termine verstrickt, dass wir vielleicht oft gar nicht bemerken, wenn jemand Hilfe benötigt. In Canada habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, dafür die Augen offen zu haben und, selbst dann wenn man nicht vom Fach ist, in dem Hilfe benötigt wird, doch das Beste zu geben um einem Menschen zu helfen. In Canada steht beispielsweiße immer sofort jemand neben dir, wenn du eine Straßenkarte aufschlägst... Dabei gings mir oft einfach nur so, dass ich eben den Straßenname der nächsten Straße wissen wollte oder irgendeine Nichtigkeit... Aber im Grunde ist es so, dass Kanadier einfach hilfsbereiter sind. Wahrscheinlich, weil sie einfach einen gelasseneren Lebensstil haben und sich Zeit lassen, während die Deutschen vom einem Termin zum nächsten hetzen und dabei die Menschen mit Straßenkarten in den Händen gar nicht bemerken :-D

Bei meinen Ausflügen an den freien Tagen kam es nun schon des öfteren vor, dass ich gewarnt wurde, vorsichtig zu sein. Beidesmal wurde ich gefragt, ob ich denn wirklich allein unterwegs sei und dass das im Grunde vieeeel zu gefährlich sei. Wenn ich fragte, weshalb, so wurde daraufhin nur gelacht. Eine Frau meinte, dass es Bären in der Gegend gäbe - nun ja,... ich weiß ja, dass es Bären in Canada gibt, aber wenn ich deshalb nicht mehr vor die Tür gehe vor Angst, dann SEHE ich auch nichts und erlebe nichts und... nein, das lass ich mir bestimmt nicht nehmen :-D Auf dem Knox-Mountain befinden sich mehrere Schilder, dass man in Acht sein soll vor den Bären und dass man eine "bell" (Glocke) mit sich führen soll... Bisher bin ich (leider) noch keinem solchen Exemplar begegnet. Aber ich hoffe natürlich spätestens nächsten Monat, wenn ich mit Marcel unterwegs bin, welche zu sichten ;-) Man hat schließlich nicht immer die Gelegenheit Bären zu sehen. In Deutschland nur auf dem Fasching (verkleidete, versteht sich) oder im Zoo.

Am 01. Juli war der Canada-day, an dem überall große Feste stattgefunden haben, aber auch vorher und danach wird gefeiert. Es schien, als sei das ganze Land in rot-weiß getunkt. Überall hingen (und hängen auch heute noch) Flaggen mit dem roten Ahornblatt und wo man nur hinschaute sah man stolze Kanadier mit Kanada-Flaggen-T-Shirts, Hosen, Cappies, Kanada-Klappstühlen und allem möglichen, das man eben bedrucken kann ;-) Es war wieder einmal schön und auch lustig mit anzusehen, wie stolz die Kanadier doch sind. Im City-Park in Kelowna hat am Canada-day selbst ein großes Feuerwerk stattgefunden und es war das ganze Wochenende vorher dort Programm bis... ich glaube es war ein Dienstag... schließlich der Canada-Day war. Wir waren lediglich auf einer Parade gewesen, die das Wochenende vorher stattgefunden hatte. Das Feuerwerk konnte ich leider nicht bestaunen, da Devin und Leshia arbeiten mussten und ich dann natürlich auch ;-) Aber halb so schlimm... Ich habe ja einiges von dem Rummel um den Canada-Day mitbekommen und am Freitag zuvor gute Schnäppchen in der Mall erzielen können, aufgrund des besonderen Tages. Es ist immer ganz lustig, dass immer, wenn ein besonderer Tag ansteht die Kanadier dies zum Anlass nehmen, um besondere Schnäppchen anzubieten. Das war dann in dem Fall das "Canada-Day-Special" :-D Kann man sowas bei uns auch einführen?!

Wollt ihr wissen, was ich sonst noch so erlebt und gesehen habe? Nun ja, ich war zum Beispiel auf der "Nut-Farm", die in West-Kelowna in einem Park gelegen ist. Außerdem war ich auf einer der vielen Cherry-Farms, die es in Kelowna gibt. Man kann dort, wenn man einen bestimmten Betrag bezahlt, selbst Cherries pflücken, oder eben welche, die schon gepflückt sind, kaufen. Das selbe gilt natürlich bei der Nut-Farm, nur dass es im Grunde im Moment keine Erntezeit für Nüsse ist, sondern erst im Herbst. Die Nut-Farm war aber dennoch interessanter, da man dort die verschiedenen Bäume bestaunen kann, die alle beschriftet sind und man hat die Gelegenheit, wenn man durch den Park läuft, die Geschichte zu verfolgen, die auf kleinen Tafeln dort festgehalten ist. Ein Baum, der sich in dem Park befindet ist unbeschreiblich alt. Die Rinde des Baumes ist wirklich etwas ganz besonderes.

An dem Tag, an dem ich dort in der Gelatli-Nut-Farm war, fand dort eine Hochzeit unter den Bäumen statt und ich konnte es mir einfach nicht nehmen lassen, hinter einen der Bäume zu stehen, die ein bisschen weiter entfernt sind, und den Gottesdienst im Freien mitzuverfolgen. Wann hat man denn schon mal die Gelegenheit, einer kanadischen Hochzeit zu lauschen?! Und dann noch dazu einer, die in einem Park stattfindet?

Es hat mich in letzter Zeit noch öfter in die Gegend der Nut-Farm verschlagen, da dort ein wunderschöner Strand angrenzt, andem KEINE Straße hinten vorbeiführt, sondern einfach nur Stille herrscht. Lediglich die anderen Strandbesucher kann man natürlich hören. Aber es ist ein Strand, der an den Park angrenzt von mehreren Seiten und daher besonders schön ist. Von der Parade vor dem Canada-Day hatte ich 3 Gutscheine für Frei-Kaffee beim McDonalds bekommen. Es kam dann schon des öfteren vor, dass ich meinen Frei-Kaffee abgeholt hatte und hinuntergelaufen bin zum Strand und dort den Nachmittag genossen habe. Auf Kaffee möchte ich mittlerweile nicht mehr verzichten :-D Es wurde zur Angewohnheit, fast immer, wenn ich zum Knox-Mountain laufe einen Stop beim Knox-Mountain-Shop zu machen und mir einen wunderbaren, heißen Kaffee mit Vanille-Haselnuss-Flavour rauszulassen. Dort kann ich selbst bestimmen, wie mein Kaffee schmecken soll. Es ist der Allerbeste, den ich bisher hatte. Oh, ich werde es vermissen :-D Aber es gibt vieles, das ich an und in Kelowna vermissen werde. Es ist mir schon sehr ans Herz gewachsen.

Es hat sich mir auch ein Wunsch erfüllt in der Zwischenzeit. Ich hatte nämlich die Gelegenheit, in die USA zu gehen für einen Tag. Genauer gesagt nach Seattle. Es war eine unbeschreiblich spannende Geschichte für mich! Wir verbrachten das Wochenende bei den Großeltern von Sophia in Chiliwack (wo wir mit sehhhhhr gutem Essen verwöhnt wurden!!!), von wo aus es ein "Katzensprung" über die Grenze in die USA ist. Schon des öfteren habe ich gehört, dass die Leute, die an der Grenze wohnen sehr gerne in die USA fahren, um dort einzukaufen, da es eben viel günstiger ist. Aber bei uns ist es ja mit der Schweiz und Österreich auch nichts anderes ;-) Wir haben also bei den Großeltern übernachtet und sind eines Morgens um 6 Uhr gestartet um nach Seatlle zu fahren. Die kleine Sophia hatte an diesem einen Tag das Vergnügen, bei ihren Großeltern zu bleiben, die sie mit "French Fries" beim örtlichen Flughafen verwöhnt haben. Sie haben sie damit beschäftigt, die Flugzeuge zu beobachten, die dort starten und landen. Für die kleine Sophia ist das natürlich etwas ganz besonderes. Und sie liebt ihre "French Fries" :-D Also für alle ein gelungener Tag. Aber besonders für mich. Ich war unbeschreiblich aufgeregt, über die Grenze zu fahren, da ich wusste, dass ich ein Formular ausfüllen musste, meine "Fingerprints" abgeben und ein Bild hinterlassen soll. Natürlich habe ich nichts zu verbergen, aber es machte mich dennoch nervös und ich hoffte einfach, dass alles gut gehen würde. Ich hab das Formular sogar in Deutsch bekommen. Es war also mehr als einfach, die Grenze zu überqueren und ich war so unbeschreiblich erleichtert. Nun habe ich 90 Tage lang die Erlaubnis, die Grenze zu überqueren mit dem Schrieb, das sie in meinen Reisepass getackert haben. Und ich habe bereits beschlossen, das auf jeden Fall auszunutzen! :-) Aber dazu später... Nachdem wir die Grenze überquert hatten, hatte Devin, der Gastvater einen Spaß gemacht, den ich bestimmt in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen werde, einfach deshalb, weil ich den ganzen Tag nie vergessen werde... Er meinte, dass wir weniger Zeit gebraucht hätten, über die Grenze zu kommen, als beim Tim Hortens (eine Kaffee-Kette, die hier in Canada sehr bekannt ist) unser Frühstück zu holen. Da wir ja schon um 6 Uhr morgens gestartet waren haben wir unser Frühstück unterwegs eingenommen. Ich habe mich mit einem Vanille-Kaffee und einem scharfen Käse-Bagel verwöhnen lassen, den natürlich meine Gastfamilie bezahlt hat ;-) Nachdem wir die Grenze überquert hatten dauerte es eine gaaaanze Weile, bis wir schließlich in Seatlle ankamen. Wir fuhren im Endeffekt nicht wirklich durch viel bewohntes Gebiet. Sondern Seatlle schien wirklich die erste größere Stadt zu sein. Einer der Mitfahrer, der irgendwie mit Devin verwandt sein musste, erzählte eine lustige Geschichte während der Fahrt, als er mal gerade NICHT schlief :-D Ich möchte auch euch die Geschichte nicht vorenthalten. Er erzählte, dass er einmal auf einer Party gewesen sei, bei der ihn ein Typ fragte, ob er Fan der Vancouver  Canucks sei (das ist die Eishocky-Mannschaft, die in ganz Canada bekannt und beliebt ist) -na ja, er DACHTE zumindest, das gefragt worden zu sein. Aber er hat eben akustisch das Falsche verstanden. Der Typ hatte ihn EIGENTLICH gefragt, ob er der von den Vancouver Cannucks sei. Und er antwortete mit "Ja natürlich ist er das". Der Typ hatte ihn also für einen Spieler der Vancouver Cannucks gehalten. Er musste ihm also irgendwie ähnlich sehen :-D Der Typ, der ihn das gefragt hatte war daraufhin natürlich total aus dem Häuschen. Anscheinend war er irgendwie für das Catering der Party verantwortlich und lud ihn daraufhin ein, soviel kostenlos zu essen und zu trinken, wie er nur wollte. Unser Mitfahrer erzählte aber auch, das nicht genutzt zu haben. Er sei nur froh gewesen, kein Autogramm abgeben zu müssen, denn er hätte nicht gewusst, mit was er unterschreiben soll, da er bis heute nicht wusste, mit wem er verwechselt worden war. Er hatte zu diesem Zeitpunkt nur beschlossen, den Typen in dem Glauben zu lassen, er sei ein Spieler der Vancouver Canucks :-D Es war im Endeffekt so, als würde man mit einem Spieler vom VFB Stuttgart verwechselt werden... Die Vancouver Canucks sind schließlich im ganzen Land bekannt :-D Nun ja, es war eine lustige Fahrt gewesen. Hin- sowie auch Rückzus. Endlich dort angekommen, hatte ich schon das Gefühl, in einem Moment nicht genug zu sehen, nicht genug in mich aufzu"saugen". Es gab so uuuunbeschreiblich viel zu sehen!!! Eigentlich wollten wir am Morgen in die Mall fahren, um dort ein wenig zu shoppen. Allerdings hatte sich herausgestellt, dass die Mall Sonntags erst um 11 Uhr öffnete und wir dafür eben viel zu früh dran waren. Zu meinem Glück!!! Denn so hatte ich die Gelegenheit, das WUNDERSCHÖNE Seatlle in sofort in mein Herz zu schließen!!! Es hat mich uuuunbeschreiblich fasziniert! Die ganze Atmosphäre dort! Wir waren auf einem Markt, der dort stattfindet. Wahrscheinlich ist er Sonntags noch viel gr´ößer als an Wochentagen, aber Devin meinte, er würde auch an Wochentagen stattfinden. Wir hetzten eigentlich mehr durch den Markt, als dass wir schlenderten. Leider. Ich hätte sooo gerne noch viel mehr gesehen und mir viel mehr Zeit gelassen. Aber natürlich hatten alle, die dabei waren ihren Fokus auf das Baseball-Spiel gelegt, das wir an diesem Nachmittag anschauen wollten und weshalb wir uns EIGENTLICH  in Seatlle aufhielten. Ich hatte jedoch gemerkt, dass mich die Stadt im Grunde viel mehr interessierte und dass es UNBESCHREIBLICH viel zu entdecken und zu sehen gab!!! Man wollte eigentlich gar nicht blinhzeln, weil man das Gefühl hatte, sonst etwas zu verpassen. So aufgeregt war ich. :-D Es gab eben auch unbeschreiblich viel zu sehen! Devin hatte uns eine Gasse gezeigt, in der überall Kaugummi an den Wänden klebte. Es war aber nicht ekelig, wie man es sich vielleicht jetzt vorstellen würde, wenn man es liest oder hört, sondern es wurde dort irgendwie zur Attraktion. Von allen Seiten kamen Leute in die Straße um Bilder davon zu machen. Die Wände waren ganz bunt und überall konnte man kleine Kaugummi-Figuren, -Herzchen etc. etc. bestaunen. Es wurde zu einer Sehenswürdigkeit der Stadt. Eine andere Sehenswürdigkeit ist der alte Starbucks, der sich in der Stadt befindet. Zuerst hatte ich mich noch gewundert, dass sich davor eine RIESIGE Schlange von Leuten gebildet hatte... Aber klar, auch das ist eine Sehenswürdigkeit. (Ich bemerke gerade dass ich Seattle immer falsch geschrieben habe... Ich änders jetzt nicht mehr ab. Sonst bin ich ja den ganzen Abend nur damit beschäftigt... Ihr wisst ja, was gemeint ist ;-) Es ist aber auch eine blöde Schreibweise!!! Wir nehmens jetzt einfach mal mit Humor und ich steh zu meinem Schreibfehler, okay?! :-D Ein Mensch darf Fehler machen - auch Schreibfehler und ich bin mir sicher, der Ein oder Andere Schreibfehler außer Seattle hat sich noch so in meinen Texten eingeschlichen...)

Zurück zum Starbucks. Folgendes kann ich im Internet darüber finden:

"

1st Avenue/Pike Street

102 Pike St, Seattle, Washington 98101, USA.
LEED® Gold-Zertifizierung.

Dieser Eckladen in Seattle befindet sich direkt am Eingang zum historischen Pike Place Market – einem Ort voller Geschichte und großer Bedeutung für Starbucks und für Seattle. Schließlich öffnete hier 1971 der allererste Starbucks seine Pforten.

Die warme Einrichtung unseres 1st Avenue/Pike Street Coffee House mit seinen Hölzern, seinem Mobiliar und seiner Beleuchtung steht ganz in der Tradition dieses allerersten Starbucks. Das Coffee House ist LEED® Gold-zertifiziert. Bei den Bauarbeiten haben wir dafür gesorgt, dass ein möglichst großer Anteil des Bauschutts recycelt wird.

Besonders bemerkenswerte Einrichtungselemente

  • Die Außenseiten der Theke bestehen aus Lederabfällen aus Schuh- und Automobilfabriken.
  • Das Walnussholz, das bei den Tischen, Türen und der Theke zum Einsatz kam, stammt von einer nahegelegenen Farm.
  • Die Schiefertafel auf der Theke stammt ursprünglich aus einer nahegelegenen Schule.
  • Der Gemeinschaftstisch wird bereits zum zweiten Mal wiederverwendet. Zuvor stand er bereits in einem Privathaushalt und in einem Seattler Restaurant.
  • Die Toilettenabtrennungen bestehen aus recycelten Waschmittelflaschen.
  • Die Wandbespannung wurde aus alten Kaffeesäcken aus unserer örtlichen Rösterei gefertigt."

Ich selbst war allerdings nicht drin. -Leider. Dafür sind wir viel zu schnell durch die Stadt durchgehetzt. Ich werde das nachholen. Mit Sicherheit! Nachdem wir durch den Markt gelaufen waren und vorne am Wasser waren um die Schiffe zu bestaunen haben wir uns ein Lunch geholt in einer Mall, die sich unterirdisch irgendwie befand... Nun ja, die Atmosphäre dort fand ich jetzt nicht so spannend und ich hätte mich lieber irgendwo hingesetzt, von wo aus man Seeblick hätte. Nun ja... Geschmäcker sind verschieden und im Grunde fand ich alles spannend, was sich so in der Stadt ereignete. Wir hatten Sandwiches. Mein Sandwich war mit Schinken, Käse, Salatblättern und einem Erdbeer-Dressing belegt. Das besondere daran war, dass es sich um ofenfrisches Brot handelte. Allerdings war es nicht sonderlich sättigend. Die Anderen hatten ihre Sandwiches mit Meat-Loaf (Hamburger-Fleisch), was sie natürlich viel mehr "stopfte", als mich mein Schinken. Aber es war auch mal wieder schön, Schinken zu essen, nachdem ich seit Vancouver-Zeiten keinen Schinken mehr in meinen Magen bekommen hatte... Ach wie sehr ich das deutsche, gute alte Vesper doch vermisse... Eine Käseplatte wär auch mal nicht schlecht. Hier aber schlichtweg unbezahlbar... Aber so lernt man Dinge, die für andere ganz normal sind viel mehr schätzen. Ich sag nur "Brot", aber das hab ich ja schon erklärt ;-)

Nachdem wir unser Lunch eingenommen hatten gings dann auch schon ins Stadion. Es war schon spannend, die Atmosphäre dort mitzubekommen und der Ausblick war einfach nur GIGANTISCH!!! In keinem deutschen Stadion hat man einen Ausblick wie diesen! Von unserem Platz aus konnte man das Spielfeld ganz gut erblicken, aber nicht nur das... Man sah die Skyscraper von Seattle. Wenn das mal nicht beeindruckend war!!! In Seattle befinden sich 3 Stadien direkt aneinander, wenn ich das richtig gesehen und verstanden habe. Was ich auch festgestellt habe, ist, dass die Trikots und Fan-Artikel, die es von den Mannschaften so gibt vieeeel preiswerter sind, als Fanartikel bei uns in Deutschland! Es war aber nicht speziell nur von den Mannschaften, die an dem Tag spielten Trikots zu erwerben, sondern auch von Mannschaften, die im Grunde überall bekannt waren. Aber nein... Man bezahlte wirklich nicht viel. So kostete eine Capi zum Beispiel nur um die 10 Dollar, wärend man bei uns ja schon mal mehr als 50 Euro hinlegen kann, oder?! Und dann gabs Trikots für 20 Dollar... Wenn ich da an mein Football-Trikot von den Unicorns denke, von dem ich stolzer Besitzer bin... Das hat schon allein 70 Euro gekostet und ist KEINE nationale Mannschaft. Aber die Mannschaft in meinem Herzen ;-) Das Spiel selbst, das wir an diesem Nachmittag angeschaut haben, fand ich nicht sonderlich spannend. Es ist einfach nicht meine Sportrichtung und ich kenne die Regeln heute noch nicht. Es befinet sich aber für meinen Geschmack auch vieeeel zu wenig Action im Spiel. Im Grunde hätte ich viel lieber ein Football-Spiel gesehen... Sorry für meine Ehrlichkeit. Aber Geschmäcker sind einfach verschieden. Es war dafür spannend, die Atmosphäre mitzuerleben und es war ein spannender Stadion-Besuch. Nicht jeder kann sagen, dass er in einem Stadion in Seattle in den USA war ;-) Und ich bin der Gastfamilie UNBESCHREIBLICH dankbar, dass ich das erleben durfte. Ich bin unbeschreiblich dankbar, dass sie es mir ermöglicht haben, nach Seattle zu fahren und zu sehen, was für eine wunderschöne Stadt es doch ist! Während des Spiels, das wir uns anschauten lief auch das Endspiel der Fußball-WM. Das deutsche Finale. Auf der großen Tafel, die sich am Stadion-Ende befand konnte man Spielstände anderer Sportereignisse sehen, die in diesem Moment liefen. Ich ertappte mich dabei, wie ich auf den Spielstand starrte und hoffte, Deutschland möge doch ein Tor schießen. Was dann letztendlich ja auch geschah und ich war glücklich und ja... auch stolz Deutsche zu sein. In Kanada darf man stolz sein ;-) 

Nachdem wir uns schließlich das Spiel angesehen hatten ging es dann noch in die Mall um ein wenig zu shoppen. Wir waren allerdings in einer Mall, die ähnlich war, wie die in Kelowna mit den selben Läden und alles und auch vom Preis her ziemlich ähnlich. Von dem her nicht wirklich etwas "besonderes" für mich. Ich hatte allerdings schon in Kelowna eine Tasse im Visir gehabt, bei der ich gesehen hatte auf dem Preis-Ettikett, dass sie in den USA günstiger ist. Als ich sie dann dort schließlich wieder gesehen hatte, wollte ich sie mir dort kaufen. Die Verkäuferin machte mich jedoch auf eine Alternative aufmerksam, die dann nur 10$ gekostet hat, anstatt 16$. In Canada hätte ich 20$ bezahlt. Ich hatte also lediglich einen kleinen Einkauf getätigt in den USA... Aber immerhin ein Erinnerungsstück. Und es war ein herrlicher Tag gewesen. An der Stadt selbst hat mich so unbeschreiblich fasziniert, dass sie so LEBENDIG ist. Die Leute tanzen, singen, musizieren, sind fröhlich und zufrieden. Es herrscht einfach eine unbeschreibliche Stimmung dort. Ich kann es nicht in Worte fassen. Die Stadt zieht mich in ihren Bann. Ich MUSS da wieder hin. Ich will mir einfach alles genauer ansehen und alles mehr miterleben. Ich will mir das ein oder andere dort ansehen und es einfach genießen. Es ist so warm und herzlich dort. Und als ich von dem Plan erfahren hatte, nach Seattle zu fahren, da hatte ich mich schon gefreut, aber ich hätte nie und nimmer erwartet, dass solch eine tolle Stadt auf mich wartet!!! Seattle hat mich bald wieder.

Schließlich hat sich dann noch etwas schlimmes ereignet. In Kelowna stiegen die Temperaturen immer und immer mehr, bis das Fass schließlich zum Überlaufen kam. An dem besagten Morgen hatte ich von einem Brand in Penticton gehört nachdem ich einen seltsamen Geruch in der Luft wahrgenommen hatte und den Nachbar gefragt habe. Mittlerweile weiß ich, dass Penticton ca. eine Stunde von Kelowna entfernt ist und es ist ERSTAUNLICH dass selbst wir in Kelowna einen extremen Rauchgeruch in der Luft wahrnehmen konnten! Nun ja... bei dem Brand in Penticton blieb es leider nicht. Kurze Zeit später begann es ganz in der Nähe des Wohngebietes der Gastfamilie zu brennen und da es sehr windig war an diesem Tag (und an den darauffolgenden Tagen), kam das Feuer immer näher, was schließlich dazu führte, dass wir evakuiert wurden. Ich hatte am Nachmittag, während die Kleine schlief einen Anruf von Devin, dem Hostvater erhalten, dass ich meine Tasche für 2-3 Tage packen soll. Während des Anrufes war ich erstaunlich gelassen geblieben. Ich hatte durchdacht meine Tasche in Windeseile gepackt, so wie Devin es mir geraten hatte. Schließlich kam Devin um selbst Dinge zu packen und Sophia und mich zum Haus des Großvaters zu bringen. Er brachte seine Kollegin mit, die ihm beim Packen helfen wollte. Als sie fragte, ob sie auch "wedding photos" packen soll bekam ich es mit der Angst zu tun. Es bestand also wirklich die Chance, dass alles niederbrennt. Ich meine... KLAR, das besteht bei einem Feuer IMMER, aber wenn es schon so akkut war, dass man Wedding photos einpackt, die im Grunde bei einem Brand nichtig sind... dann MUSSTE ich einfach mein komplettes Gepäck mitnehmen! Ich rannte in "mein" Zimmer, schleuderte alle Klamotten in den Koffer, leerte alle Schränke und packte schließlich fast alles ein. Wir fuhren zu dem Haus des Urgroßvaters, der zwar auch in Kelowna wohnt, allerdings in einer Gegend, die nicht gefährdet war. Den Abend verbrachte ich im Grunde damit ans Ende der Straße zu laufen und das Feuer, das man von da aus sehr gut sehen konnte, zu beobachten. Es leuchtete und schimmerte in grellen Farben. Noch nie in meinem ganzen Leben hatte ich so etwas gesehen!!! Ein leuchtendes rot und grelles orange. Gleichzeitig beschlich mich ein großes Gefühl der Angst und es lief mir wirklich eiskalt den Rücken hinunter. Es war ein Gänsehautmoment! Ich bekam es mit der Angst zu tun, dass dort wirklich alles niederbrennt. Es sah so aus, als wäre es in vollem Gange. Da die Häuser im Grunde alle aus Holz gebaut sind, war ich der vollen Überzeugung, dass sie brennen würden wie Zunder. Am späten Abend fuhren Leshia und Devin den Berg hinauf um zu sehen, wie weit das Feuer gekommen war. Sie blieben sehr, sehr lange weg, was mein Gefühl nicht unbedingt besser werden lies. Ich meine, KLAR, ich hatte im Grunde fast alles, das mir gehört sicher im Truck der Family verstaut, aber natürlich wollte ich nicht, dass die Menschen alle ihr Dach über dem Kopf verlieren! Ich hatte so etwas noch nie erlebt und wusste nicht, in wiefern das zu befürchten war. Die Familie selbst machte "jokes" darüber, was mich sehr verwunderte. Einerseits finde ich es bewundernswert, wenn man die Fähigkeit hat, sein Herz nicht so sehr an Besitztümer zu hängen... Andererseits war es doch deren ZU HAUSE, ihr Dach über dem Kopf und ein Ort, an dem viele Erinnerungen hängen, sich so viel ereignet hat, was man tief in seinem Herzen gespeichert hat... Oder etwa nicht?! "Once it burns down, we'd have at least the chance to go shopping again and buy new stuff" (Wenn alles niederbrennt, haben wir wenigstens einen Grund/die Gelegenheit alles neu einzukaufen), meinte Leshia, die Gastmutter.

Wir blieben mehrere Tage bei dem Urgroßvater im Hause. Ich schlief auf einer Matraze im Wohnzimmer. Es war in Ordnung. Das viel, viel schlimmere Übel für mich war, dass ich im Haus des Großvaters irgendwie gefangen war. Wir bewegten uns keinen Zentimeter, aßen Burger, sahen den ganzen Tag TV und WARTETEN... Ich fühlte mich so schlecht dabei. Wo waren die sonst so aktiven, gesundheitsbewussten Gasteltern geblieben?! Die, die jede Woche 4-5 Mal ins Fitnessstudio rennen... Ich hätte das nie gedacht. Als ich fragte, was sie gedenken zu tun, erntete ich einen bösen Blick und die Antwort war "wait." Aber es würde doch im Endeffekt keinen Unterschied machen, seinen Tag mit sinnvollen Aktivitäten zu füllen (vielleicht eine Wanderung oder ein Ausflug in den Park oder in die Mall...) um sich ABZULENKEN, einen freien Kopf zu bekommen, anstatt zu Hause zu sitzen und zu WARTEN... Noch während der Evakuierungszeit kam es schließlich zu meinen freien Tagen und ich konnte es kauuuum erwarten, eeendlich wieder raus zu kommen. Ich weiß noch, dass ich gleich den ersten Tag voooll ausgenutzt hatte für eine lange Wanderung und endlich wieder Bewegung. Ich fühlte mich wie ein Fisch der nach Luft schnappte. Ich war von morgens um 7 bis abends um 9 unterwegs gewesen. Hatte den Tag mit Wandern und sitzen am Strand und im Park verbracht und habe es einfach genossen, nicht "eingesperrt" zu sein. Ich konnte das Feuer und die Evakuierung für ein paar Stunden hinter mir lassen. Schließlich war es irgendwann soweit und wir durften ins Haus zurück. Es war eine Erlösung gewesen. Endlich war die seltsame Situation vorrüber. Endlich musste man nicht eine 3/4 Stunde lang (!!!!) die Pfanne auskratzen, nachdem man Rührei gemacht hatte, das im Endeffekt in 5 Minuten gegessen war. Endlich musste man nicht mehr alles 4 Mal wiederholen (der Urgroßvater hört unbeschreiblich schlecht...) Aber klar... ich war auch froh, dass wir so glimpflich davon gekommen waren und die Situation wärend der Evakuierung hätte viel schlimmer sein können. Das weiß ich schon. Ein wenig Sorge hatte mir allerdings bereitet, dass nach unserer Rückkehr das Feuer noch lange nicht vorüber war. Es hatte immer noch gebrannt, aber eben auf der anderen Seite des Berges. Es herrschte immer noch Alarmbereitschaft und es konnte im Endeffekt jeden Moment so weit sein, dass wir wieder das Haus verlassen mussten. Ist so etwas nicht beunruhigend? Zum Glück kam es nicht soweit. Letztendlich war es zum Glück so, dass kein Haus gebrannt hat in der Gegend, in der die Gastfamilie wohnt, dass es kein Leben gekostet hat und dass alles glimpflich ausging. Das macht mich sehr froh. Anscheinend soll das Feuer sehr nah zu einem Haus gekommen sein, was sie dann allerdings sehr gut unter Kontrolle hatten. Für die kleine Sophia war es natürlich unbegreiflich gewesen, was vor sich ging. Sie freute sich über die unzählig vielen Helikopter, die während der Evakuierung und auch noch viele Tage danach über den Himmel flogen. "Copter" nannte sie sie. Cleveres kleines Mädel. Viele Tage nach dem Feuer hatte ich gehört, dass insgesamt in British Columbia eine Fläche die 4 Mal so groß ist wie Vancouver niedergebrannt haben soll, wenn man alles zusammenzählt, wo es brennt. Viele Bewohner Kelownas meinten, Kelowna sei jedes Mal betroffen. Es ist aber auch erschreckend überall die Schilder zu sehen, dass man extrem vorsichtig sein soll, nicht rauchen und dass zum Teil keine Fahrzeuge fahren dürfen, wenn man z. B. zu einem Wanderweg geht. So viel zum Feuer.

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Ich habe an mehreren Tagen an diesem Blogeintrag geschrieben. Es konnte sich leider nicht vermeiden lassen. Deshalb sind manche Zeitangaben etwas falsch. Mittlerweile haben wir ja schon August und... ja was soll ich sagen?! Morgen ist es soweit und ich starte mein großes Abenteuer in Richtung Vancouver, da mein Freund mich besuchen kommt! Ich kann es kaum erwarten! Was sich mittlerweile ereignet hat, hätte ich im Grunde nie zu träumen gewagt. Momentaufnahme: Ich sitze im Moment in einem Hostel in Kelowna, nachdem ich schon 2 Näche in einem anderen Hostel verbracht habe und heute morgen umziehen musste, da ich leider in dem anderen Hostel keine 3 Nächte buchen konnte. Die Atmosphäre dort war einfach genial. Allerdings... Nun ja, EIGENTLICH wäre ich ja noch bei der Familie. Aber... Ich mag ganz ehrlich zu euch sein. Sie haben gemeint, es sei das Beste ich würde frühzeitig das Haus verlassen. Es hat mich schockiert und auch sehr verwundert. Ich weiß, dass wir im Grunde die ganze Zeit nicht wirklich miteinander warm geworden waren. Ich hatte es einfach im Laufe der Zeit als "Lernaufgabe" gesehen. Dass gerade solche Menschen einen formen. Ich habe sehr viel darüber gelernt, wie ich selbst andere Menschen behandeln möchte und wie nicht. Ich habe auch erfahren müssen, dass es wirklich Menschen auf dieser Welt zu geben scheint, mit denen man sich eben nicht auf der selben Wellenlänge befindet. Aber ich habe gleichzeitig gelernt, wie man damit umgeht. Ich meine, man muss in allem versuchen das Positive zu sehen und es gab ganz zu Anfang Momente in denen ich ehrlich gesagt kurz davor war, die Familie zu verlassen. Aber zum einen bin ich eine Person, die es nicht ertragen würde zu scheitern oder aufzugeben, aber mal abgesehen davon... Ich habe an einem bestimmten Punkt begonnen, es als Lernprozess anzusehen und ich bin froh, dass ich geblieben bin, dass ich es durchgezogen habe. Es hat mir so unbeschreiblich viel gebracht und ich habe unbeschreiblich viel dabei gelernt. Es ist mir so unbeschreiblich wichtig geworden, darauf zu achten, dass man Menschen so behandelt, wie man selbst behandelt werden möchte. Trotz dem "Rauswurf" habe ich der Familie, bzw. Sophia ein Abschiedsgeschenk gegeben. Zumindest Sophia war mir in der Zeit sehr ans Herz gewachsen. Sie ist eine süße, kleine Lady und unbeschreiblich clever. Vielleicht sehe ich sie eines Tages wieder. Es würde mich sehr interessieren, was aus ihr geworden ist. Ich weiß, dass ich 4 Monate, die entscheidend sind in ihrer Erziehung mitwirken durfte. Ich habe auch in Sachen Erziehung und dem Umgang mit Kindern unbeschreiblich viel gelernt und bin im Endeffekt sehr, sehr dankbar dafür. Ich muss sagen, dass ich trotz dessen, dass die Beziehung zu den Gasteltern hätte wärmer sein können, die Zeit dort sehr genossen habe und mich sehr gut eingelebt habe. Es hat mir sehr gut gefallen und es war schön Erfahrungen in einem komplett anderen Bereich zu sammeln! Jede Zeit wieder! Nun warten neue Abenteuer! In diesem Sinne... Bis bald meine Lieben!

Wanderschuhe an, Backpack auf und loooooooos geht's!

PS: Ich kanns kauuuum erwarten wieder von dem Geräusch der Seemöven geweckt zu werden!!! Vancouver + Vancouver Island... Ich kommeeee!!!!

Und... ach ja, mittlerweile durfte ich den Sternehimmel in Kelowna genießen, dem Hostel sei Dank! Es war wirklich schön!

 Mittlerweile war ich auch in Penticton und Osoyos gewesen für 2 Tage! Sehr, sehr schön! Ich hatte das Glück bei einer Frau übernachten zu können, die ich kennen gelernt hatte, als ich Bekannte von meinem Freund in Kelowna getroffen hatte. Mit ihr und ihrer Schwester durfte ich 2 wunderschöne Tage verbringen. Wir sind viel gefahren, haben suuuuper leckere Sachen gegessen (meine erste Pizza seit White Rock-Zeiten... also seit März... Himmel, habe ich das vermisst!!! Schwer für eine Lady, die aus einem Haus mit Pizzaofen kommt!) und haben die Zeit in ihrem wunderschönen Haus und Garten verbracht. Es ist ein herrlicher Garten mit vielen Blumen an einem Bach gelegen. Einmal haben wir Stühle geschnappt und uns in den Bach gesetzt. Herrlich entspannend! Besonders bei 40° ;-) Ich bin Linda ÚNBESCHREIBLICH dankbar für alles! Allein schon für den Ausflug nach Osoyos, das nur 5 Minuten von der Grenze in die USA entfernt liegt! Wenn ich an Osoyos denke, ist das erste das mir einfällt, dass überall unzählig viele Obststände und sogenannte Orchards sind. Es war wirklich schön! Nettes, kleines Städtchen! :-)

Bilder von alldem muss ich leider nachreichen. Aber sie werden kommen, ganz sicher! ;-)

Donnerstag, 12.06.2014

Date with a deer

Hallöle,

es tut mir ja schon fast ein bisschen leid, dass ich mich erst jetzt melde. Ich bin gestern ja fast aus den Latschen gekippt, als ich gesehen habe, wie lange mein letzter Blogeintrag schon wieder her ist! Unfassbar! Dabei kommt es mir vor wie gestern, als ich ihn fertiggestellt hatte und vollkommen zufrieden mein Laptop zugeklappt habe... Aber nun ja... Ich gebe ja zu, es ist einiges passiert in der Zwischenzeit und meine Liste, bei der ich mir notiert habe, über was ich alles schreiben will wurde auch immer länger :-D Aber, wie gesagt, dass es schon soooo lange her ist, war mehr ehrlich gesagt wirklich nicht bewusst. Aber vielleicht ist das auch ein Indiz dafür, dass die Zeit doch schneller vorübergeht, als ich denke. Ich hoffe, der ein oder andere schaut trotzdem noch in meinen Blog. Ich verspreche euch heute wirklich nicht zu wenig, wenn ich sage: Ich habe eine suuuuper Überraschung für euch!

Zuallererst möchte ich aber von voooorne anfangen. Und "vorne" bedeutetet, dass ich erst einmal von Ereignissen erzähle, die schon ein bisschen weiter zurück liegen, die ich aber trotzallem nicht auslassen möchte. Ich beginne mit einem ziemlich lustigen Ereignis. Einmal war ich in der Mall, als etwas seltsames vor sich ging, beziehungsweise etwas, das mir zeigte, dass ich mich wirklich beginne zu verändern. Auf einem Wickeltisch war ein Elefant abgedruckt. Und mein erster Gedanke war: "Oh look at! An elephant!" Der ein oder andere runzelt jetzt vielleicht die Stirn. Nun ja, was ich aber damit meinte war, dass es im Grunde das gewesen wäre, was ich zu der kleinen Sophia gesagt hätte in diesem Moment. Man versucht ja dann doch immer alles zu beschreiben, zu erklären und zu benennen, dass die Kleine so viel wie möglich lernt in ihrem alltäglichen Leben. Und das war bei mir mittlerweile eben schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich, selbst wenn sich die Kleine mal nicht bei mir befand, schon so dachte. Was ich aber auch merkte war, dass ich Kinder ganz anders betrachte, seit ich im "child care" tätig bin. Mich interessieren sie viel mehr als vorher. So komme ich zum Beispiel mit jungen Müttern ins Gespräch, weil mich interessiert, wie alt ihr kleiner Sprössling ist, oder wie er heißt. Ich betrachte Kinder irgendwie aus einem anderen Standpunkt :-)

Etwas anderes, was ich ganz lustig fand, was ich erlebt habe, hätte mir im Grunde überall auf der Welt passieren können :-) Ihr wisst ja, dass ich deutsches Radio höre und das auch sehr genieße. Während meiner workouts darf das nicht fehlen! Das ist mittlerweile fester Bestandteil geworden! So bekomme ich auch immer mit, was auf der Welt oder speziell in Deutschland so passiert und vor sich geht. Na ja, auf jeden Fall bekomme ich es auch manchmal sehhhr detailreich mit, was genau in meinem kleinen Heimatörtchen passiert :-D So kam es zum Beispiel schon vor, dass ich hören durfte, dass Rinder im Neuwirtshaus oder Pferde in Stock-Bubenorbis unterwegs waren. Das war wirklich ein seltsames und belustigendes Gefühl! Man ist in Kanada und hört etwas, das sich wirklich ganz nah bei der Heimat befindet! :-D

Seit dem letzten Bericht, den ich für euch geschrieben habe, war ich nun wirklich schon einige Male in der Mall gewesen und auch Downtown. Ich habe mich mittlerweile an das (nervige) Busfahren gewöhnt und habe es auch mehr oder weniger rausgefunden, wie man den komplizierten Busfahrplan lesen muss :-D Es ist komplett anders als in Vancouver! Aber Vancouver ist eben auch eine Großstadt... Einmal war ich in der Mall gewesen, um meinen 2. kanadischen Haarschnitt vornehmen zu lassen. Ich wollte mal was komplett neues probieren und hatte mir im Voraus schon Bilder vom Internet auf mein Handy heruntergeladen, um denen zeigen zu können, was ich mir so vorstelle. Das Ergebnis war ganz passabel und konnte sich sehen lassen. Ich habe um einiges mehr Stufen bekommen und es ist/war schon kürzer als vorher ;-) Aber, die Sache, die ich mir im Nachhinein überlegt hatte, war im Grunde die: Eigentlich hätte nicht ICH die bezahlen müssen, sondern die mich - für den ausführlichen Reisebericht, den ich ihr geliefert habe :-D Im Grunde war es ein gutes Gespräch gewesen, bei der ich ihr einiges erzählt habe von meinen Plänen und von dem, was ich schon so alles erlebt habe. Aber auch die Friseusin hat mir einige Tipps gegeben, was man unbedingt gesehen haben muss.

Was sich als nächstes ereignet hatte, was unbedingt kalendarisch festgehalten werden muss ist folgendes: Am 20. Mai hatte die verfrorene Carina das erste Mal eine kurze Hose in Kanada an!!! Unfassbar! Ja aber mittlerweile hatten wir wirklich schon ein paar richtig schön warme Episoden drin :-) Devin der Hostvater meinte kürzlich zu mir, dass Juni im Grunde nur die "Aufwärmphase" sei. Die richtig schön warmen Monate seien Juli, August und der September. Ich habe ja das Glück sowohl Juli als auch zeitweise im August in Kelowna zu sein. Ich werde das warme Wetter Kelownas definitiv genießen! In vollen Zügen!

Ein anderes schönes Ereignis war, dass ich einen Kolibri von ganz, ganz nah sehen durfte. Devin hatte ein Futtertrog aufgehängt an der Terasse. Nun kommen ab und an Kolibris vorbeigezwitschert, die sich da etwas davon stibizen. Besonders für die kleine Sophia ist das natürlich ein Highlight! Aber auch für mich war es das, denn ich hatte nie zuvor einen gesehen! Und eines Nachmittags stand ich gerade genau vor dem Futtertrog und so konnte ich dem kleinen, zwitschernden Federball ganz nah sein! Er ist uuuunbeschreiblich süß, aber er war genauso schnell wieder weg, wie er da gewesen war!

Einmal, als beide Gasteltern zusammen ihre freien Tage hatten, habe ich beschlossen, Spätzle von Grund auf selbst zu machen. Ich hatte mir eine gute Stunde Zeit dafür genommen, die ich auch voll ausgeschöpft habe. Ich habe ja eine Art Spätzle-Löffel dabei, der Löcher hat und mit dem man sogenannte "Knöpfle" zaubern kann. Das letzte Mal als ich für die Familie Spätzle gemacht habe, waren es ja Fertigspätzle gewesen. Allerdings von einer guten Marke - von dem her waren auch diese gut gewesen :-) Und nach soooo langer Zeit ohne Spätzle isst eine Schwäbin auch gerne mal Spätzle aus der Packung :-D Na ja, jedenfalls gab's dieses Mal dann "richtige" Spätzle. Ich habe sie mit dem "Brotbackmehl" gemacht, das sich einfach dadurch unterscheidet, dass gaaaanz feine Körner drin sind. Und nachdem die Pancakes mit dem Mehl so besonders geworden waren, hatte ich einfach kurzerhand beschlossen, auch die Spätzle mit diesem Mehl zu probieren. Und es war ein voller Erfolg! Wir haben sie sehhhr genossen. Allerdings habe ich auch was die dunkle Soße betrifft, dieses Mal ein bisschen experimentiert. Und zwar habe ich kanadische "crawy" genommen. Das ist bei denen das dunkle Soßenpulver. (Leshia hatte sich ja bei dem deutschen von Knorr, das mir meine Eltern im Päckchen gesendet haben, so gewundert, dass dunkle Soße so gut schmecken kann, selbst wenn man KEIN Fleisch macht) Ich habe dabei dann feststellen müssen, dass (eeeentschuldigung Kanadier) man dieses Soßenpulver geschmacklich vergessen kann :-D Ich habe schließlich noch einige Löffel deutsches Soßenpulver dazugemixt. Dann war das Ergebnis auch akzeptabel. Was mir allerdings hier immer fehlt ist der Kochwein. Die Familie hat so etwas nicht. Sie kennen es einfach nicht, mit Wein zu kochen, was ich von zu Hause her aber sehhhr liebe :-D Eine richtig gute dunkle Soße braucht einfach einen Schuss Rotwein. Das IST einfach so! Im Anschluss haben wir unsere Spätzle mit Soße genossen bei gemütlichem Beisammensein und Plaudern.

Was ich euch allerdings auch nicht vorenthalten möchte ist folgendes Geheimrezept, das ich ein paar Tage später ausprobiert habe: Folgendes hat sich ereignet: Ich wusste, dass ich die nächsten Tage viel unterwegs sein würde, da sich laaaang ersehnter Besuch aus Deutschland angekündigt hatte, aber ich hatte noch ein paar kostbare Reste Spätzle im Kühlschrank. Also habe ich einfach eines Morgens die Spätzle genommen, in die Pfanne gehauen und Apfelscheiben und halbierte Trauben dazugemixt und in der Pfanne miteinander verrührt. Okaaay man muss die Früchte vorher reintun, sonst werden die Apfelscheiben auch nicht rechtzeitig weich... Bei mir war es so, dass durch das, dass ich ja das andere Mehl verwendet hatte, waren die Spätzle ja ein bisschen anders. Bei dem Mehl hatte ich schon die Erfahrung gemacht, dass es einfach nicht so richtig Gewürze aufnimmt. Das heißt, dass man noch so viel Salz oder Zucker hinzufügen kann: Das Endprodukt ist einfach nicht so salzig/zuckrig, wie es bei dem anderen Mehl wäre. Von dem her konnte ich sehhhhr gut die Spätzle kurzerhand in ein süßes Gericht umwandeln. Man schmeckte überhaupt nicht, dass ich in den Teig Salz integriert hatte. Und wisst ihr was?! Meine süße Spätzle-Pfanne war der Knaller! Ich habe es sehhhr genossen, Spätzle mal anders zu essen! Besonders die Trauben haben das Gericht zu etwas sehr besonderem gemacht, durch das, dass sie teilweise ihren Saft absorbiert haben. Natürlich hätte man es noch beliebig erweitern können mit Erdbeeren oder Banane oder, oder, oder... Aber eines steht fest: Ich werde definitiv weiterexperimentieren! Ein echter Geheimtipp und nur weiter zu empfehlen! Ich hätte schon viel früher darauf kommen können! Aber manchmal passiert so etwas eben "aus der Not heraus", weil man als Schwäbin ja nicht will, dass die guten Spätzle schlecht werden!

Was sich kalendarisch als nächstes ereignet hatte war, dass die Großeltern für ein verlängertes Wochenende bei uns waren. Es kam für mich sehr überraschend, da ich es durch eine schnelle SMS am Nachmittag erfahren hatte und am Abend standen sie plötzlich vor der Tür. Aber ich hatte mich sehr, sehr gefreut, da ich sie WIRKLICH sehr gern habe! :-) Es ist immer etwas sehr besonderes, wenn sie sich ankündigen. Sie wohnen weiters weg, weshalb sie dann auch immer gleich mindestens ein Wochenende bleiben. In der Zeit herrscht dann immer kompletter Ausnahmezustand :-) Es fängt schon bei dem Essen an und hört bei den Aktivitäten auf. Wenn die Großeltern da sind, dann kümmert sich hauptsächlich die Oma um die Kleine, weil sie sie ja sonst schon so selten sieht. Und auch im Kreise der Familie wird viel, viel mehr unternommen, was ich dann auch sehr, sehr gerne alles mitmache. Wir haben der Kleinen einen Sandkasten besorgt, in dem sie von da an fast jeden Tag (solange es das Wetter erlaubt) spielt. Und sie LIEBT es! Außerdem waren wir bei einem Baseball Game, bei dem Devin sogar mitgespielt hat. Es war mein erstes Baseball Game, das ich mir "angeschaut" habe. Da es typisch kanadisch ist, konnte ich es anfangs kaum erwarten, endlich das Spiel zu sehen. Was ich dabei allerdings nicht berücksichtigt hatte, war, dass ich im Grunde die Regeln nicht kannte. So war es dann im Endeffekt für mich eher langweilig - Sorry! Schön fand ich aber, dass die Mannschaft im Grunde bunt gemischt war: Von Mädel und Junge, und von ca. 17 bis 38 Jahre war alles dabei. Ich fand es schön zu sehen, wie sie gemeinsam Spaß haben konnten und gemeinsam nach einem Ziel strebten.

Leider mussten die Oma und der Opa auch bald wieder abreisen und der Alltag kehrte wieder ein. Beide waren sie übrigens braun gebrannt gewesen, da sie gerade erst aus einem Urlaub in Mexiko zurück gekommen waren. Ich hatte das Vergnügen gehabt, wunderschöne Urlaubsbilder mir anschauen zu dürfen, die mir der Großvater bestimmt 1 Stunde lang erklärt hat. Aber ich fand es auch sehr schön! Vorallem die Bilder fand ich der Wahnsinn! Er hat mir im Grunde echt Lust darauf gemacht, dort hin zu gehen! :-D Ich hätte ihn fragen sollen, ob sein Reisebüro ihm eine Provision versprochen hat ;-) Ich hatte aber gar nicht gewusst, dass Mexiko so eine unterschiedliche und unbeschreiblich interessante Kultur nochmal hat. Wirklich sehenswert! - Eines Tages.

Jaaa, ich hatte es ja schon angekündigt: Besuch aus Deutschland war da! Lange hatte ich darauf hingefiebert und nun war es endlich soweit! Nicole, die ich vom Französisch-Unterricht kannte, eine Freundin von ihr und ihr Bruder kamen mich in Kelowna für 3 Tage besuchen (was wir so nach einigem drehen und wenden, aufgrund meines komplizierten Arbeitsplanes Gott sei Dank hinbekommen hatten). Wir hatten 3 uuuuunbeschreiblich wundervolle gemeinsame Tage, die wir auch wirklich VOLL ausgenutzt hatten. Kaum zu glauben, wie schnell es trotzdem herumgegangen ist! Aber so ist es eben immer, wenn etwas schön ist... Ich kam im Grunde nie vor 22 Uhr nach Hause und hatte wirklich viel weniger Schlaf wie sonst, was mir aber im Grunde in den Tagen überhaupt nichts ausgemacht hatte! Ich war soooo aufgeregt, allein deshalb, weil sie da waren! Den Bruder und die Freundin hatte ich vorher ja noch nicht gekannt... Ich erzähl am Besten mal ganz von vorne. Sie stiegen also aus dem Auto, das sie geliehen hatten aus und begrüßten mich. Und es war so, dass ich, obwohl ich 2 von ihnen ja gar nicht kannte, sie einfach alle in den Arm genommen hatte. Es war soooo schön, einfach jemanden in die Arme zu schließen!!! Und mal ganz ehrlich: Sie hatten sich alle mindestens so eine Begrüßung doch verdient, wenn sie so viele Kilometer reisten, von daheim um mich zu sehen und natürlich, um Kanada zu erleben! Es war jedenfalls eine sehr herzliche Begrüßung. Ich hatte sie auch alle gleich wissen lassen, dass sie mich gerne immer wieder drücken dürfen, weil die Umarmung eines Freundes in Kanada wirklich rar ist. Und, es war ein sehr seltsames Gefühl, da es bei mir eigentlich immer ein bissschen dauert, bis ich zu einer fremden Person Vertrauen und alles aufgebaut habe, aber bei den beiden, die ich ja noch nicht kannte, war es KOMPLETT anders! Ich hatte sie von der ersten Minute an ins Herz geschlossen und ihnen vollstens vertraut! Es war, als treffe man alte Freunde, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte. Wir haben uns alle auf Anhieb gut verstanden. Vom ersten Tag war nur der Abend übrig, da sie den Rest des Tages gebraucht hatten, um anzureisen. Ich hatte insgeheim schon Pläne gemacht, wo ich die 3 zum Essen hinlotsen wollte und hoffte, sie wären damit einverstanden. Wie sich herausstellte waren sie das und ließen mir den Vortritt. Ich navigierte sie also in das deutsche Restaurant in Peachland, das nur ca. 15 Km von dem Stadtteil entfernt liegt, in dem die Gastfamilie von mir wohnt. Peachland ist wunderschön am Wasser gelegen und dort befindet sich auch eine kleine Strandpromenade, wo man an lauen Sommerabenden wunderschön entlangflanieren kann und einfach Zeit verbringen. Wir hatten an unserem ersten Abend leider weniger Glück was das Wetter anbelangt. "Ausgerechnet wenn sie anreisen muss sich Kelowna so zeigen, was normalerweise gar nicht die Art von dem heißen, schwülen Kelowna ist", dachte ich mir, aber die drei nahmen es gelassen. Sie waren sehr, sehr aufgeschlossen, was das Restaurant und die Umgebung anbelangt und sie waren trotz der Regentropfen, die vom Himmel fielen sichtlich positiv überrascht. Ich eröffnete ihnen erst als wir schon da waren, dass es sich um ein deutsches Restaurant handelte, in dem ich ja schon mit Ralph + Familie einmal gewesen war, was ich ja damals so unbeschreiblich genossen habe. Ich habe die Atmosphäre da einfach geliebt. Und genau das wollte ich den dreien eben auch zeigen. Mit Erfolg. Der Funke sprang über :-) Das viele Holz und das Urige, das das Gebäude ausmachte, begeisterrte sie. Und das Essen war wieder einmal genial. Ich hatte mich dieses Mal für einen kanadischen Salat entschieden. Er wurde "Der Gasthaus-Salat" genannt. Es befanden sich Spargel, Brokkoli, grüner Salat und viele andere Köstlichkeiten auf dem Teller, garniert mit Nüssen, getrockneten Cranberries und ich muss sagen: ES IST DER BESTE SALAT DEN ICH JE GEGESSEN HABE!!! Und: Garantiert nicht das letzte Mal! Es wurden natürlich wieder die herrlichen Laugenweckle dazu serviert, die ich ja auch so mag :-) Die anderen drei haben sich doch tatsächlich, entgegen meiner Erwartungen alle deutsch ernährt. 2 Mal fiel die Wahl auf ein Schnitzel, was ja sehr rar zu finden ist in Kanada und einmal auf Rouladen mit Knödel. Ich hatte den Vorteil, die Spätzle einmal probieren zu dürfen und muss gestehen, dass auch diese sich wirklich sehen lassen können. Ich muss allerdings dazu sagen, dass die Eigentüner des Restaurants Österreicher oder Schweizer sind, weshalb es da warscheinlich auch wirklich deutsche Gerichte mit hervorragender Qualität gibt. Wir haben jedenfalls hervorragend gegessen! :-) Anschließend durfte natürlich der Nachtisch nicht fehlen. Ich hatte das Glück von zwei unterschiedlichen Kuchen probieren zu dürfen, welche beide natürlich hervorragend schmeckten! :-) Ich bin ein Fan von dem NY cheesecake geworden :-D Wir haben den Abend mit einem Glas Cidre ausklingen lassen, was ich zuvor nie probiert hatte, was aber wirklich gut schmeckt! Die zwei Mädels hatten jeweils einen Cidre mit Grapefruit-Geschmack und noch etwas anderes und ich mit saurem Apfel. Allerdings hatte mir im Nachhinein der Cidre mit Grapefruit viel besser geschmeckt, als ich diesen zuerst probiert hatte. Es war ein wunderschöner erster Abend gewesen! Wir hatten sogar das Glück, Sterne zu sehen an diesem Abend. Es war die erste Nacht, in der ich in Kelowna unterwegs war, war mir plötzlich bewusst geworden. Und ich genoss es in vollen Zügen! Vorallem den Blick über die Stadt mit den vielen kleinen Lichtern! Einfach nur herrlich! Aber so etwas hat mich sowieso schon immer begeistert und fasziniert :-) Was ich allerdings feststellen musste war, dass die Zeit mit den dreien wirklich im Flug verging! Wieder bei der Hostfamilie angekommen merkte ich, wie ich doch voller Vorfreude war, auf die zwei weiteren Tage, die mich erwarteten!

Noch am ersten gemeinsamen Abend hatten wir Pläne geschmiedet, was wir alles so unternehmen wollten. Ich hatte bereits angekündigt, dass ich gerne mit ihnen den Knox-Mountain erklimmen wollte, bei dem ich ja bereits mit Devin gewesen war. Von dort oben hatte man ja eine super Aussicht gehabt, die ich ihnen nicht vorenthalten wollte. Zudem hatte ich vorgeschlagen, dass wir zu einem Buffet-Restaurant gehen, das sich ganz in der Nähe der Mall befindet, das ich eines Tages, als ich bei der Mall war entdeckt hatte. Ich war einfach neugierig gewesen und hatte einmal reingeschaut, was es da für eine Auswahl gab, Und in der Tat: Sie war rieeeesig! Von Reis über gebratene Nudeln, (sogar Kartoffelbrei), über alle möglichen Arten von Fleisch, Fisch, Sushi, Gemüse, Salat, Suppen... gab es dort wirklich EINIGES. Sogar Chicken Wings und Pommes fand man dort. Und auch die "Nachtisch-Zeile" konnte sich sehen lassen! Über verschiedene Früchte bis hin zu Kuchen, Törtchen, Eis... gab es alles. Es handelte sich um ein asiatisch-kanadisches Buffet. Als ich ihnen das vorschlug und den Preis des Mittagstisches für 13$/Person nannte, waren sofort alle dabei. Das musste einfach mal ausprobiert werden! Und so stand der Plan für den ersten Tag auch schon fest: Zuerst eine ausgiebige Wanderung auf dem Knox-Mountain. Den Apex-Trail bis auf die Spitze hoch... (Man musste sich das Mittagessen ja verdienen!) Und dann es sich riiiichtig gut gehen lassen bei dem Buffet-Restaurant. Da ich wusste, dass ich richtig viel essen wollte, hatte ich an dem Morgen bevor meine 3 Freunde kamen sogar noch ein Workout im Fitnessraum der Gastfamilie gemacht. Wir wanderten dann bis ca. 3 Uhr am Nachmittag und anschließend gings ins Restaurant. Es war wirklich ein Tag, der mir sehr lange in Erinnerung bleiben wird. Ich meine, wir hatten uns schon richtig ausgepowert auf dem Berg und das bestmögliche für den Tag rausgeholt, aber ich glaube ich habe noch nie so viel gegessen, wie an diesem Tag :-D Es war zum einen sooooo gut! ...Und zum anderen wollte man eben alles mögliche probieren! Man war einfach neugierig! Und ich bin ja auch sehr aufgeschlossen, was probieren angeht, seit ich in Kanada bin :-) Über Hühnchen in Honigsauce (was sehhhhr lecker war!), Reis, gebratene Nudeln, Sushi, Ofenschlupfer, Früchtetiramisu und verschiedene Törtchen und Früchte wurde also alles probiert. Ich glaube dass man selten ein Buffet mit solch einer RIESIGEN Auswahl und doch soooo guter Qualität findet. Nach dem Essen waren wir wirklich platt und beschlossen, uns einen Platz am Strand zu suchen, um einfach ein bisschen zu relaxen. Ein bisschen durch die angrenzende Stadt schlendern war schließlich auch noch drin. Aber im Grunde waren wir alle ziemlich platt vom Essen. Am Abend fuhren wir nochmal nach Peachland in das deutsche Restaurant, um uns noch ein Drink zu gönnen und die Seele baumeln zu lassen. Wir genossen erneut die Atmosphäre bei angenehmen Gesprächen und wir hatten dieses Mal sogar das Glück, Peachland in warmem Sonnenlicht mit leichter Abenddämmerung zu sehen. Herrlich! Und es fühlte sich auch gleich nochmal ganz anders an, als am Tag zuvor. Aber es hatte beides etwas. Meine Freunde liebten Peachland. So wie ich auch. Und ich genoss das zu sehen. Dieses Mal hatte ich den Grapefruit-Cidre :-D

Für den nächsten und letzten Tag mit den Dreien war eine Wanderung etwas weiters weg geplant. Dieses Mal ging die Planung nicht von mir aus, sondern von Marco, dem dieser Berg empfohlen worden war. Im Nachhinein hatte ich von Devin, meinem Hostvater erfahren, dass das ganze erst neu ausgebaut worden war mit den ganzen Brücken und dem allen. Wir fuhren mit dem Leihauto ein ganzes Stück weg von Kelowna-Zentrum. Was mich anfangs irritierte war, dass wir mit dem Auto bereits ganz nach oben fuhren. Dort auf dem Hochplateau konnte man dann praktisch wandern oder sich mit dem Fahrrad austoben. An diesem Tag war es so, dass wir uns aufteilten. Nicole und ihr Bruder wollten lieber Fahrräder ausleihen, während Melanie und ich lieber wandern wollten. Es lag nicht am GELD, weshalb ich lieber wandern wollte, aber es lag einfach an meiner Stimmung, dass ich mich so aufs wandern eingeschossen hatte UND daran, dass ich einfach nicht glaubte, dass mich das Fahrrad fahren dort so sehr reizen würde. Zum einen waren es bloß um die 20 Km zum fahren und zum anderen glaubte ich einfach nicht, dass es dort so viele Trails etc. gab, dass es mich als Mountain-Bike Fahrerin reizen würde, das ganze per Bike zu erkunden. Und wie sich herausstellte, lag ich goldrichtig! Ich genoss es UNBESCHREIBLICH sehr, zu wandern! Es war einfach herrlich! Es war auf dem Berg sogar richtig angenehm von den Temperaturen, sogar leicht frisch, weil er doch relativ hoch war. Es war wirklich eine komplett andere Wanderung, als die am Tag zuvor. Am Tag zuvor waren wir im Grunde zu 80% entweder den Berg hoch, oder den Berg runter gelaufen und bei der zweiten Wanderung lief man praktisch auf der Hochebene. Dort befanden sich viele hölzerne Brücken und viele Hölen. Es handelte sich laut Beschreibung glaube ich um eine alte Bahnlinie.

Ich genoss es jedenfalls richtig, dort zu laufen und so auch die Natur viel intensiver und genauer wahrzunehmen. Für mich hat Fahrrad fahren etwas mit Leistungserzielung zu tun. Ich bin kein Sonntags-Fahrradfahrer. Und wenn ich Fahrrad fahre, dann nehme ich im Grunde fast nichts von dem wahr, was um mich herum passiert. Ich bin eher darauf fixiert, was mein Körper tut. Ich teile meine Kräfte ein, ich achte darauf, möglichst effizient zu fahren... Und ich wäre absolut nicht auf meine Kosten gekommen UND ich hätte die Natur "verpasst" und " an mir vorbeiziehen lassen", wenn ich die Variante "Bike" gewählt hätte. Ich war so also ganz froh! Und ich hatte ein sehr schönes Gespräch mit Melanie :-) Ich habe sogar ein paar Steine als Andenken gesammelt. Ob ich aber wirklich ALLE mit nach Deutschland nehmen werde ist fraglich :-D Da es doch ganz schön viele sind ;-) Alle aber auf ihre Art und Weise besonders.

Klar, dadurch dass wir wanderten und die anderen Fahrrad fuhren konnten Melanie und ich nicht die GANZE Strecke sehen. Wir hatten allerdings eine Uhrzeit ausgemacht, bei der wir wieder beim Auto zurück sein wollten und sollten es alle ungefähr abschätzen. Bei Kilometer 5 stellten wir fest, dass im Grunde die nächsten paar Kilometer die Landschaft sich nicht sonderlich veränden würde. (Man hatte einen Einblick darauf, weil man sehen konnte, wo der Pfad am Berg entlang führte) und so beschlossen wir bei Kilometer 5 umzudrehen. So liefen wir an diesem Tag um die 10 Kilometer Strecke. Kräftemäßig hatte ich am Ende der Wanderung zwar das Gefühl, noch lange nicht ausgepowert zu sein, und ruhig noch ein paar Kilometer hinhängen zu können oder noch 4 zu joggen :-D ... aber mit der Zeit hat es SUPER hingehauen, da Nicole und Marco uns genau an der Abschrankung wo die Strecke beginnt, begegnet sind. Also SUPER Timing! Nachdem wir ein kleines Päuschen eingelegt hatten und Nicole und Marco ihre Bikes an der Ausleihstelle zurückgegeben hatten, hatten wir einstimmig beschlossen, nocheinmal zu dem Buffet-Restaurant zu gehen, da wir bei diesem bereits wussten, wo es sich befand, und jeder im Grunde an diesem Tag dann etwas anderes essen konnte, wie am Tag zuvor (aufgrund der großen Auswahl) und jeder seine Portion selbst bestimmen konnte, je nach Hungergefühl. Und dieses Mal nahmen wir uns alle vor, NORMAL zu essen. Was dann auch super geklappt hat :-) Ich hatte mich an diesem Tag aufs Sushi konzentriert. Sushi, Reis, ein paar Nudeln und einen guten Nachtisch mit ein paar verschiedenen Sachen auf dem Teller. Dieses Mal wussten wir ja alle schon, was uns besonders geschmeckt hatte. Gut war die Wahl da nochmals hinzugehen auch deshalb, weil wir bereits schon wieder die humane Mittagszeit überschritten hatten ;-) Es war wieder ca. 3 Uhr am Nachmittag. Das Buffet-Restaurant hatte im Grunde durchgehend geöffnet, nur dass ab 3 Uhr ca das Abendbuffet anfängt, das dann auch mehr kostet. Das mit dem "3 Uhr" nahmen sie aber nicht so genau, weshalb wir dann immer noch den Mittagstisch-Preis auskosten konnten. Gut für uns! :-) Wir ließen es uns also gut gehen und anschließend wollten wir noch ein bisschen in die Mall gehen. An dem Morgen diesen besagten Tages hatte ich übrigens eine Entdeckung gemacht, die mein komplettes kanadisches Dasein verändern sollte. Ich hatte BROT gefunden!!! Richtiges, wunderbar knuspriges, herrliches, super, super tolles BROT!!! Soooo wie es sein muss, und nicht lätischig, dätschig, wie alle anderen kanadischen Brote und Brötchen und überhaupt. Wir waren durch Zufall darüber gestolpert, da Marco, Nicole und Melanie nichts gefrühstückt hatten und wir dadurch dann an einem mehr oder weniger biologisch angehauchten Laden gehalten hatten, der WUNDERVOLLE Sachen hat! Im Grunde war alles relativ teuer, außer das Brot :-D Das Brot kostete um die 5-6 $! Das war noch human, wie ich fand. Es gab verschiedene Sorten (die ich uuuunbedingt probieren möchte, solange ich noch in Kelowna bin - zumindest die, die mich ansprechen und mein Magen zum knurren bringen :-D) Es gab zum Beispiel eines mit Olivenöl und Rosmarin (mein Favourit), dann gab es eines mit Walnuss, eines mit ganz vielen Körnern, ich glaube eines mit Käse... Und sonst bin ich mir nicht mehr sicher... Als wir jedoch am Morgen dort waren, hatte ich beschlossen gehabt, am Nachmittag nochmals kurz vorbei zu schauen und das Brot dann mitzunehmen, da ich es möglichst frisch haben wollte (vielleicht wurde am Nachmittag ja nochmal frisches vorbeigebracht) und die Hitze vom Kofferraum dem Brot bestimmt nicht allzu gut tat. Fest stand aber, dass ich uuunbedingt eines davon gleich haben wollte!!! Es war wie ein Stück zu Hause! Und es war etwas, was ich in Kanada wirklich vermisst hatte: richtig schön knuspriges Brot! Klar, an diesem Tag wollte/konnte ich es nicht mehr essen (ich war ja mehr als satt und wir waren ja auch den ganzen Tag unterwegs), aber am nächsten Tag würde es sicher auch suuuoer schmecken und ich hatte bereits beschlossen, einen großen Teil davon einzugefrieren, sodass ich länger etwas davon haben konnte :-) Als ich dann allerdings am Nachmittag nochmals vorbeischaute gab es nur noch eine ganz geringe Auswahl von dem Brot. Ich schwankte dann zwischen dem Brot mit den schwarzen Oliven (die ich seit Kanada auch mag - was mag ich eigentlich nicht?!), dem Walnussbrot und dem mit den Körnern. Ich habe schließlich das mit den Körnern genommen, da es im Grunde zu allem passte und das das war, das noch am knusprigsten war. Ich war so unbeschreiblich glücklich über meinen Fund, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Für mich hat Brot nochmal eine ganz andere Bedeutung bekommen, seit ich in Kanada bin. Wenn ich heute in "Bakeries" schaue, finde ich das im Grunde immer lächerlich. Die Auswahl und die Qualität der Ware ist einfach lächerlich. Es tut mir leid. Vielleicht ist der deutsche Backwarenladen einfach wirklich etwas, das weltweit einfach eines von dem besten ist. Ich lerne es jedenfalls nochmals ganz anders schätzen und ich bin einfach auch froh, dass ich diesen Laden gefunden habe, der sogar, wie ich durch die Bäckertüte herausgefunden habe, Filalen in Vancouver und Toronto unter anderem hat :-) Vielleicht lässt sich ja dann auch dort herrliches, knuspriges Brot finden.

Wir verbrachten unseren Nachmittag in der Mall, die ja unbeschreiblich riesig ist und einiges zu bieten hat. Wir schlenderten durch den ein oder anderen Laden und natürlich blieb unsere Shopping-Lust nicht aus. Ich habe mir ein T-Shirt als Andenken an die wunderschöne Zeit mit meinen 3 Freunden gekauft und ich bin mir sicher, dass es mich, solange ich es habe, immer daran erinnern wird :-) Wir ließen den Nachmittag/Abend schließlich mit einem Kaffee bei Starbucks in der Mall ausklingen und beschlossen, anschließend noch gemütlich im Hostel, wo die drei untergebracht waren einfach auszuruhen. So hatte ich auch mal die Gelegenheit, ein Hostel in Kelowna von innen zu sehen :-) Und ich muss sagen, es hat mir sehr gefallen! Es ist eine schöne, kumpelhafte, relaxte Atmosphäre dort und nicht ganz so überfüllt und riesig wie in Vancouver. Wobei ich die Hostel-Zeit in Vancouver NUR positiv in Erinnerung habe! Ich fand es einfach schön, so viele Leute kennen zu lernen. Das Hostel der drei erinnerte mich sehr an ein Hippi-Haus, was ich aber besonders schön fand. Es passt irgendwie nach Kanada und nach Kelowna.

Wir quatschten bis 21:30 Uhr und dann hieß es für mich langsam, dass ich mich auf den Rückweg machen musste. Nicole und Marco wollten mich großzügigerweise zum Haus der Familie fahren. Melanie war zu müde und für uns beide hieß es dann leider schon Abschied nehmen. Es fiel mir sehr schwer, Abschied zu nehmen. Besonders dann, als ich mich endgültig von Nicole und Marco verabschieden musste am Haus der Gastfamilie. Es waren für mich 3 wunderschöne und unvergessliche Tage gewesen und sicher Momente, die ich ganz besonders in Erinnerung an meine Kanada-Zeit haben werde. Ich schätze es auch unbeschreiblich sehr, dass mich Nicole und die anderen zwei hier in Kanada besucht haben und rechne es ihnen hoch an. Es ist wirklich ein starkes Stück! Und es beweist wahre Freundschaft. Ich bin jedenfalls froh, dass die drei ihre Zeit in Kanada genossen haben. Sie sind dann noch weitergereist nach Whistler für einen Tag und einen Tag in Vancouver zur Überbrückung, so dass sie keine Eile haben würden mit dem Flug. Mittlerweile befinden sie sich also wieder in "Good old Germany". Liebe Grüße aus Kelowna an der Stelle!

Nachdem die Drei dann abgereist waren hieß es für mich erst einmal wieder "Sophia-time", was ich dann auch sehr genossen habe, da es auch schon eine Weile her war, dass ich wirklich viel Zeit mit ihr alleine verbracht hatte. Bevor meine Freunde da waren, waren ja die Großeltern da gewesen. Ja und nach vier Tagen hatte ich dann schon wieder frei :-D So vergeht die Zeit natürlich auch wie im Flug. Meinen ersten freien Tag habe ich relaxed, da nicht sonderlich schönes Wetter war. Und den zweiten Tag, also gestern, habe ich dazu genutzt, mit dem Bus schnell in die Mall zu fahren und ein paar "Runners" (Turnschuhe) für draußen zu kaufen, um richtig loslegen zu können, mit joggen, wandern und freizeitlichen Aktivitäten. Es juckte mich soooo sehr danach in den Beinen :-D Ich hatte auch uuuunbeschreiblich viel Glück, da gerade an diesem Tag irgendwie eine besondere Aktion war und ich letztendlich SUPER Schuhe einer SUPERGUTEN Marke für 59$ anstatt für 120$ bekommen habe. Es war auch geplant gewesen, nachdem ich dann die Schuhe gekauft hatte, gleich nach Knox-Mountain zu fahren, um die Schuhe gleich in vollen Einsatz zu bringen. Ich wollte unbedingt den Berg erklimmen. Und das habe ich dann auch gemacht. Ich hatte genug Proviant für den ganzen Tag dabei und es konnte also praktisch nichts mehr schief gehen!

Hier ein paar Schnappschüsse:

Als ich dann schon fast die Spitze erglommen hatte, hatte ich eine Begegnung einer besonderen Art. Was auch die Überraschung darstellt, die ich euch ganz zu Beginn dieses Blogeintrages angekündigt habe und ich hoffe, ich habe nicht zu viel versprochen. Aber vielleicht hat sich der ein oder andere ja schon so etwas gedacht, als er die Überschrift gelesen hat ;-)

Hier sind nur ein paar der vielen Bilder, die ich geschossen habe; aber natürlich habe ich die Besten für euch herausgepickt ;-)

Noch nie war ich einem wilden Tier sooo nah gewesen. Man sieht ja schon auf dem Bild, dass es sehr nah ist, aber selbst da kommt es nicht so richtig raus, WIE NAH es wirklich war! Es war der Wahnsinn! Und... ich hätte es sicher nicht entdeckt, wenn ich nicht im Grunde "drübergestolpert" wäre. Es war nämlich genau in "meinem Weg". Es ist einfach unglaublich, wie zutraulich das Tier doch ist und wie nah es Menschen an sich heranlässt. Es war einfach ein unbeschreibliches Erlebnis!

Nun ja, irgendwann nach zig Schnappschüssen habe ich meine Wanderung dann fortgesetzt :-D Schließlich beschloss ich, nach der Wanderung noch kurz nach Downtown zu gehen, das ungefähr 3 Kilometer Fußmarsch entfernt liegt (mit dem Auto, als ich mit meinen Freunden da entlang fuhr kam mir das vieeeel kürzer vor :-D) um mir einen Snack zu kaufen und mich an den Strand zu setzen und den Abend zu genießen und schön ausklingen zu lassen. Ich entschied mich schließlich für eine Buttermilch und setzte mich in die Sonne. Es war einfach ein herrlicher Tag gewesen! Es tat so richtig gut, einfach nur zu wandern! Und ich war so unbeschreiblich froh darüber, endlich auch die richtigen Schuhe dafür zu haben! Ich hatte keine von Deutschland mitgenommen, da ich einfach am Gepäck hinten und vorne hatte sparen müssen. Und da ahnte ich ja noch nicht, dass ich hier in Kanada so sportbegeistert werden würde. Aber jaaaa, ich habe mich schon sehr verändert, seit ich hier bin. Ich glaube, dass viele meiner Veränderungen ich nicht mal selbst wahrnehme, sondern dann andere an mir :-D

Im Hinterkopf hatte ich natürlich, dass noch ein Fußmarsch von ca. 5-6 Kilometern vor mir lag von der Bushaltestelle zum Haus der Familie, da ich eigentlich nur zu faul war, auf den Anschlussbus zu warten. Aber das praktizierte ich eigentlich schon von Anfang an so :-D War ja auch gut für mich ;-) Und so summierte sich mein Fußmarsch an diesem Tag wirklich :-D Aber es hat unbeschreiblich viel Spaß gemacht und ich habe auch viele Leute unterwegs kennen gelernt. Es war ein rundum gelungener freier Tag und ich hatte auch noch super Wetter! Was will man mehr?! Ganz sicher ist auf jeden Fall, dass Knox Mountain mich sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen hat! Und es gibt soooo unbeschreiblich vieles noch dort zu erkunden - denn es gibt dort ja nicht nur diesen einen Trail ;-) Es ist ein riesiger Park mit gaaaanz vielen verschiedenen Trails. Und es ist nicht der einzige Berg hier in Kelowna! Es gibt sooo viel zu entdecken! :-) Ich freu mich drauf!

Heute habe ich dann eine Biketour unternommen. Zuerst musste ich ein paar Dinge erledigen und hatte verschiedene Anlaufstellen und anschließend war eine Tour zu einem Park geplant. Diese Tour beschehrte mir wunderschöne Ausblicke! :-) Auch das war herrlich! Allerdings war es uuuunbeschreiblich heiß für eine Radtour und ich hatte ein bisschen wenig Proviant dabei um die Radtour richtig auszudehnen. Aber ich habe auf jeden Fall beschlossen, bald wieder dort hin zurück zu kehren und die Gegend dort noch weiter zu erkundigen! :-) Ich möchte euch die Bilder allerdings nicht vorenthalten! :-)

Da ich im jetzt und hier angelangt bin, und GLAUBE ICH alles erzählt habe, was mir auf der Seele brennt, komme ich nun zum Ende meines längst überfälligen Berichts. Ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel, dass ich schon soooo lange nicht mehr geschrieben habe und ich hoffe, dass sich noch ein paar finden werden, die trotzdem noch in meinen Blog regelmäßig geschaut haben und nun über meinen Blogeintrag stolpern. Ihr wurdet ja jetzt belohnt mit gaaanz vielen Neuigkeiten! Ja, aber es lag echt daran, dass ich im Grunde gar nicht gemerkt habe, dass schon wieder so viel Zeit vergangen ist, seit dem letzten Eintrag! Echt unglaublich!

Was ich allerdings noch loswerden muss ist folgendes: Ich habe das Brot, das ich gekauft hatte in vollen Zügen genossen und freue mich, wenn ich wieder ein Stück davon auftaue. Ich spare es mir ganz gut auf, denn es ist etwas wirklich BESONDERS LECKERES! :-)

Ganz liebe, sonnig warme Grüße aus Kelowna nach Hause!

Eure Carina

Dienstag, 13.05.2014

Turn your face to the sun and the shadows will fall behind you

Lieber Leser meines heutigen, bestimmt ellenlang werdenden Blog-Eintrages,

zuallererst möchte ich euch den Namen des Berges verraten, von dem ich im letzten Blogeintrag geschrieben habe, der mir aber nicht mehr eingefallen ist. Es handelt sich um den Knox-Mountain, der sich direkt neben Downtown Kelowna befindet und von dem man eine sagenhafte Aussicht über die Stadt hat! :-) Es gibt zwar eine Internetseite des Berges, aber auf der stehen nicht wirklich viele Informationen. Wer trotzdem mal reinschauen mag: www.knoxmountainpark.com :-)

Seit dem letzten Blogeintrag hat sich so uuuunbeschreiblich viel ereignet. Ich habe zum Beispiel einen Trip zur Mall der Stadt unternommen, wo ich wieder einmal riesige Beweisstücke dafür gefunden habe, wie unterschiedlich doch kanadische Lebensmittel von den Deutschen sind und da hab ich mir gedacht, dass ich euch das einfach mal durch 2 Bilder beweisen möchte :-)

  Hierbei handelt es sich um M&M's mit Brezel-Geschmack-Füllung. Die Kanadier lieben die Mischung aus süßem und salzigem. Aber, ich muss schon sagen: M&M-Liebhaber kommen in Kanada definitiv nicht zu kurz: Es gibt sie noch in vieeeel mehr Geschmacksrichtungen wie bei uns. Die Auswahl ist sagenhaft. Was die Kombination aus süßem und salzigem angeht, so findet man zum Beispiel auch viele dunkle Schokoladentafeln mit Seesalz-Stückchen-Füllung ;-)

Bereit für Bild Numero 2?

Hierbei handelt es sich um eine Schokoladentafel die mit Bacon und Ahornsirup gefüllt ist ;-)

Ich hatte im großen und ganzen einen super Tag in der Mall, in der es unglaublich viel zu entdecken und zu sehen gibt. Es gibt jede erdenkliche Art von Laden. Mein persönlicher Favourit ist ein Buchladen, in dem es wirklich ausgefallene Sachen zu kaufen gibt (unter anderem habe ich da die Schokolade gefunden ;-), also es gibt da nicht nur Bücher :-D) Aber im Grunde bedeutet ein Tag in der Mall für mich immer, dass man sehr viel Laufen muss :-D Denn die Mall ist nicht unbedingt klein und es kann schon mal vorkommen, dass man sich da "verläuft", bzw. eine halbe Stunde einen bestimmten Laden sucht. Eine Art Karte wäre da schon nicht schlecht :-D

An einem anderen freien Tag habe ich einen Ausflug in die Stadt unternommen. Es war ein herrlich warmer Tag gewesen, den ich zum großen Teil im Park verbringen wollte, der an die Stadt angrenzt und wunderschön am Wasser liegt. Ich habe eine Weile einfach nur in der Sonne gesessen und den Tag genossen. Während ich da so saß kam ich mit ein paar Afrikanerinnen ins Gespräch, die mich ein bisschen über mein Auslandsjahr ausfragten :-) Sie selbst wohnen schon eine sehr lange Zeit in Kanada. Es ist definitiv immer wieder interessant, wen es alles in das Land des Ahornblattes zieht! So viele Nationen kommen hier zusammen! :-)

Anschließend habe ich noch einen kleinen Stadtbummel unternommen. Es war das erste Mal, dass ich einen Ausflug mit dem städtischen Bus unternommen habe. Da die Familie, wo ich lebe in West Kelowna ansässig ist, ist es nicht unbedingt so einfach, hier mobil zu sein. Wenn ich in die Stadt möchte, die im Grunde nicht soooo weit entfernt liegt, muss ich sogar einmal umsteigen. Der Anschlussbus zurück zu der Wohngegend fährt ziemlich unregelmäßig. Ein Ausflug muss also gut geplant sein.

Bei diesem Bild handelt es sich um das "Wassermonster" von dem ich bereits berichtet hab, von dem die Kanadier glauben, dass es in dem See lebt :-) Es steht als Statue in dem Park und ist ein beliebtes "Ausflugsziel".

 

Aber in West Kelowna zu wohnen hat auch seine Vorteile! Es ist wunderschön hier in der Gegend und sehr, sehr ruhig. Die Familie lebt in einem Haus, das in der Nähe des Shannon Lake gelegen ist. Um das Haus herum befinden sich einige Trails und schöne Aussichtspunkte und nicht weit entfernt befindet sich ein größerer Golfplatz, der direkt an den Shannon Lake grenzt. Bei meinem gestrigen Spaziergang habe ich all das erkundet. Bei dem Shannon Lake handelt es sich um einen wunderschönen, kleineren See, ruhig eingebettet zwischen inzwischen grünen Wiesen und Wäldern. Sehhhr schön! Am gestrigen Tag, an dem es überraschend warm und wunderschön sonnig war, haben sich dort viele Familien zusammen gefunden, um kleine mitgebrachte Snacks zu vespern, zu angeln und Spaß zu haben. Es war der Muttertag :-) Auf der Internetseite des Shannon Lake steht, dass es dort Enten gibt (wer hätte das gedacht?! :-D) und Schildkröten. Von Devin, dem Hostvater habe ich erfahren, dass dort spezielle Angelwettbewerbe stattfinden und dass es sich bei den Fischen um Forellen handelt, die allerdings mit einem großen Truck + Anhänger in den See gebracht werden. Im Winter findet dort Eisfischen statt und es wird Hockey auf dem See gespielt. Ich persönlich habe den Geruch und die Atmosphäre dort sehr genossen. Es lag ein Geruch von Frühling und überraschenderweise von Salz (?!) in der Luft. Überall konnte man wunderschöne, grüne Baume, Wiesen und wunderschöne Blüten entdecken. Das war soooo wundervoll nach all der frischeren Zeit am Anfang des Jahres. Es scheint endlich der Frühling und Sommer kommen zu wollen! Ich kann es kaum erwarten! Auch hiervon habe ich natürlich nicht genug Bilder schießen können. Ein kleines bisschen möchte ich auch euch daran teilhaben lassen!

Der See ist wunderschön blau. Was auf den Bildern so leider gar nicht zur Geltung kommt! Ich denke, man muss es einfach mit eigenen Augen gesehen haben um zu wissen, was ich meine.

Aber nicht nur das hat sich ereignet an diesem Wochenende, sondern es gab noch etwas weiteres, das mich UNBESCHREIBLICH gefreut hat und was sich spontan ereignet hat: Ralph, der Verwandte von Michaela und Armin Gutzy, den ich bereits in Vancouver getroffen habe hat einen kurzfristigen Besuch in Kelowna angekündigt, da seine Eltern, die hier ein Ferienhaus haben einen Kurzurlaub hier geplant hatten. Ralph hat daher kurzerhand beschlossen ein Wochenende hier zu verbringen und auch mich zu treffen! Was für eine super Überraschung! Es bot mir auch einmal wieder ein bisschen Abwechslung :-) Wir trafen uns also am Samstag. Er hat mir großzügigerweise angeboten, mich mit seinem Truck abzuholen. Ich hatte mich absolut überraschen lassen, was wir unternehmen und so fand ich es eine super Idee gemeinsam zu einer Winery zu fahren. Kelowna ist aufgrund des sehr milden Klimas bekannt für seine Winzereien und für seinen Weinanbau. Es eignet sich auch besonders dafür aufgrund seiner hügeligen Landschaft. Wir fuhren zu der wahrscheinlich bekanntesten Winzerei hier in der Gegend. Für mich war es besonders aufregend, da das auch ein Ausflugsziel war, das ich mir auf jeden Fall auf die Top-10-Liste gesetzt habe: Eine typisch kanadische Winzerei in Kelowna anschauen. Eben auch deshalb, weil es sehr bekannt ist, hier für die Gegend und weil es ein Stück Kultur ist. Bei der Winzerei handelt es sich um das sogenannte "Mission Hill" (wen es interessiert, der darf dazu gerne die Internetseite besuchen: http://www.missionhillwinery.com/) Die Gegend um Mission Hill herum ist wunderschön. Es liegt auf einer Anhöhe, von wo aus man einen wunderschönen Seeblick hat. In dieser Gegend stehen sehr viele Villen und wunderschöne Anwesen. Es ist zudem eine wunderschön grüne Gegend. Vielleicht ist mir das auch besonders aufgefallen, da ich jetzt alles so extrem wahrnehme, was nach Frühling aussieht. Ich genieße es so unbeschreiblich sehr, all das Grüne zu sehen! Mission Hill selbst hat mich SEHR überrascht! Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben eine solche Winzerei gesehen! Die Winzerei hatte eine Art Parkanlage mit vielen wunderschönen Skulpturen und schönen Gärten rundherum. Die Skulpturen waren, so denke ich, das Symbol der Winzerei. Die Winzerei hat sogar einen eigenen Klockenturm. Die Atmosphäre dort ist atemberaubend. Es herrscht eine beruhigende, entspannte Atmoshäre, in der man sich sofort wohlfühlt. Mission Hill selbst ist wie eine Art Museum, in der man Führungen bekommen kann. Wir haben an einer Führung teilgenommen und ich muss sagen: Es hat sich unbeschreiblich gelohnt! Es war super interessant, was wir alles erfahren und gesehen haben. Nachdem wir den Preis für die Führung bezahlt hatten, haben wir forweg ein kleines "Probiererle" erhalten. Es war ein Weißwein, der für einen Weißwein relativ trocken schmeckte. Wir hatten noch ein bisschen Zeit bevor die Führung begann, die wir dazu nutzten, uns in dem "Shop" umzusehen, der sich in dem Gebäude befindet. Es ist ein wunderschöner Shop mit vielen verschiedenen, wirklich interessanten Gegenständen. Aber natürlich verkaufen sie dort auch ihren Wein. Allein die Flaschenettiketten haben ein wunderschönes Design. Ich war überrascht, dass doch einiges in dem Laden französisch angehaucht ist. So kann man dort zum Beispiel ein Vesperbrett finden, mit der franzöischen Landkarte, in die verschiedene franzöische Weine geschrieben stehen. Während der Führung haben wir dann erfahren, dass die Winzerei einen europäischen Ursprung hat. Was auch erklärt, dass viele Weine mir doch sehr bekannt vorkommende Namen tragen. So fand ich zum Beispiel einen Cabernet Sauvignon. Ralph erklärte mir, dass warscheinlich so gut wie jede Winzerei einen europäischen Ursprung hat, oder zumindest von den Europäern "abkupfern", wie man Wein herstellt. Das fand ich sehr amüsant :-D

Die Führung selbst fand ich unbeschreiblich interessant. Wir begannen zuerst draußen bei den Weinreben. Die Dame erklärte uns die Hintergründe über Mission Hill, über die Weinherstellung, über die Trauben und die verschiedenen Anbauflächen und deren Vorteile. Anschließend kamen wir in den Genuss eine kleine Video-Frequenz über Mission Hill zu sehen, die wirklich UNBESCHREIBLICH toll gemacht worden war! Ein super Film! Nach dem Film ging es in den Weinkeller, wo uns die Frau etwas über die Fässer und die Lagerung erklärte und daraufhin wurden wir zum Weinproberaum geführt, wo wir vier verschiedene Weine probieren durften. Es waren zwei weiße und zwei rote darunter. Die roten waren auf einen leeren Magen schon sehr heftig. Zumal sie auch sagte, man sollte sie eiiiigentlich mit einem Steak oder so essen. Und für mich als ab-und-zu-mal-ein-Schlückchen-Weintrinker war es ein bisschen zu viel des Guten. Den Käse, die Schokolade und die Kracker, die dazu gereicht wurden, habe ich uuunbedingt gebraucht und im Anschluss habe ich schnell ein paar Nüsse hinterhergeschoben um es ein bisschen abzumildern :-D Im Shop habe ich letztendlich dann noch ein Käsemesser als Andenken gekauft, das mir so gut gefallen hat. Ich als Schwäbin musste doch den 5$-Gutschein ausnutzen, den man bekommen hat, da man einer Führung beigewohnt hat :-D Für alle, die es dann noch brennend interessiert, wie der Wein war... ;-) Ich bin zwar kein großer Weintrinker, wie ich schon sagte. Aber für das was ich weiß meine ich herausschmecken zu können, dass europäische Weine mehr Klasse und ein intensiveres Aroma haben. Alles in allem hat sich aber auf jeeeeden Fall gelohnt und ich finde es war unbeschreiblich klasse sich Mission Hill anzuschauen! Ich würde es jeder Zeit wieder machen!

Im Anschluss daran sind Ralph und ich nach Peachland gefahren, das ein Teil von Kelowna ist, der wunderschön am Wasser liegt. Ich war dort bereits zweimal mit der Familie Shufelt zum Spazieren gewesen. Es hat mir damals schon auf Anhieb gefallen. Ralph hatte bereits angekündigt, dass wir zu einem frühen Dinner dort mit seiner Familie verabredet waren und zwar in einem DEUTSCHEN Restaurant! Ich konnte es kaum erwarten mal wieder deutsch zu essen und natürlich zu testen, ob es wirklich auch deutsch schmeckt :-D Trotzallem wusste ich, dass ich die Erwartungen nicht allzu hoch stecken durfte. Ich wollte schließlich nicht enttäuscht werden ;-) Ich hatte bereits im Voraus schon viel über das Restaurant gehört. Es sei DER Treffpunkt dort. Besonders im Sommer wäre es sehr überlaufen. Ich hatte es schon öfter von aussen gesehen. Es sah fantastisch aus! Richtig schön urig, alles aus Holz mit einer großen Terasse zum See hin. Das muss HERRLICH sein im Sommer!

Wir hatten noch ein wenig Zeit bevor die Familie kam und so schlenderten wir am Wasser entlang und redeten über meine Pläne, die ich bereits für dieses Jahr geschmiedet hatte. Aber diese werde ich euch schön vorenthalten, denn es soll ja spannend bleiben ;-) Ich hab allerdings schon EINIGES für dieses Jahr jetzt schon geplant und abgesichert. Es gibt mir eine Art Sicherheit und etwas, worauf ich mich freuen kann, etwas, worauf ich hinarbeiten kann. Es war sehr schön, am Samstag an der Promenade zu laufen. Ab und an hatten wir sogar die Gelegenheit uns die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen, die sich an diesem Tag leider nur selten zeigte.

Wir gingen schließlich als es begann zu tröpfeln in das Restaurant und setzten uns schon einmal an den Tisch. Dort hatten wir Gelegenheit, uns schon einmal die Speisekarte anzuschauen, was für mich besonders interessant war. Die Speisekarte war zweigeteilt. Zum einen boten sie eine Art Vesperkarte/Biergarten-Karte, auf der man zum Beispiel Sauerkraut und Bratwurst oder Gulaschsuppe fand. Zum anderen gab es eine gehobenere Karte, auf der es verschiedene Arten von Schnitzel zu finden gab und zum Beispiel auch Spätzle mit Gulasch und Gemüse. Eben größere Gerichte. Da ich erst Spätzle für die Familie zubereitet hatte (die übrigens begeistert war :-) ) gelüstete es mich eher nach der Vesperkarte. Aber im Grunde vermisste ich einfach JEDES Gericht auf der Karte! Mit Ausnahme von Sauerkraut, da ich das ja nicht mag :-D Letztendlich habe ich dann im Endeffekt am längsten gebraucht um mir ein Gericht auszusuchen. Es war so schwierig, sich auf eines festzulegen :-D Schlussendlich wurde es dann die Gulasch-Suppe mit Laugenbrötchen, nachdem ich lange mit der Brezel mit Käse geliebäugelt hatte. Ich weiß, dass das für euch alles so einfach und "stinknormal" klingt, aber ihr könnt euch gar nicht vorstellen, WIE SEHR man eine Brezel vermissen kann! :-D Die deutsche Bäckerware ist einfach einzigartig!

In der Zwischenzeit kam dann auch die Familie von Ralph an, bzw. seine Eltern mit einer Freundin im Schlepptau. Es stellte sich heraus, dass sie alle ihr deutsch nicht vergessen hatten und sogar (wer hätte das gedacht?!) SCHWÄBISCH beherrschten, als seien sie erst gestern im "Schwabenländle" gewesen :-D Es handelt sich bei den Eltern von Ralph um Auswanderer, die allerdings schon vor einer sehhhr langen Zeit nach Kanada ausgewandert sind. Ich erklärte ihnen, ich käme aus "der Nähe von Schwäbisch Hall", also einem kleineren Dorf. Daraufhin wollten sie wissen, woher denn genau, was mich sehhhhr verwunderte :-D Zu dem Zeitpunkt ahnte ich ja nicht, dass sie ursprünglich aus Gaildorf kamen :-D Sie kannten also meinen Wohnort nur zu gut :-D Es tat so unbeschreiblich gut, die deutsche/schwäbische Sprache einmal wieder so ausführlich zu verwenden und zu hören! Und alle waren so uuuunbeschreiblich lieb!

Schließlich wurde dann unser Essen aufgetischt. Ich war ja soooowas von gespannt! Zuallererst kamen ein paar Weckchen als kleiner Snack vorweg. In Kanada ist es scheins normal, dass immer Weckle oder Brot und Wasser um sonst gereicht wird, was ich als einen großen Vorteil empfinde :-) Sollten sie in Deutschland auch einführen! Na ja, jedenfalls stellte sich heraus, dass es die Laugenweckle sein sollen, was für mich sehr lustig war, denn ich hätte sie niemals als Laugenweckle identifiziert, wenn es mir niemand gesagt hätte :-D Nun ja... Lauge war auf den Weckle definitiv nicht viel drauf. Sie waren um einiges heller. Aber geschmeckt haben sie sehr gut! :-)

Schließlich kam meine Suppe und die Gerichte der Anderen. Ich muss schon sagen, dass alles ein wirklicher Hingucker war! :-) Alles war wunderschön angerichtet. Ralph hatte das Gulasch mit Spätzle und Gemüse bestellt, Gerda (seine Mutter) ein Lachs mit Salat (wooow!) und Günter (Ralphs Vater) ein Schnitzel mit einer Beilage an die ich mich nicht mehr erinnern kann... Die Freundin hatte auch ein Schnitzel bestellt. Nach dem Essen war ich uuuunbeschreiblich satt! Und es hat wirklich hervorragend geschmeckt! Es ist wirklich ein Restaurant in das ich gehen kann, wenn ich Heimweh oder Lust auf deutsches Essen bekomme! :-D Auch, wenn die Laugenweckle nicht wirklich solche sind, wie wir sie kennen und die Brezel vielleicht nicht so knusprig sein wird! Es ist definitiv ein Ort, an den es mich öfter verschlagen wird! :-) Die Spätzle von Ralph sahen auch wirklich gut aus. Es handelte sich um Knöpfle-Spätzle und er meinte, sie seien sehr lecker. Allerdings werde ich selbst dort keine Spätzle essen, da ich ja meinen eigenen Spätzles-Schaber dabei habe ;-) Sowas muss schließlich ins Gepäck einer Schwäbin! :-) Ohne geht eben nicht!

Im Anschluss kam die Kellnerin mit einer Dessert-Platte. Auf der Platte befanden sich verschiedene deutsche Kuchen, von der Schwarzwälder Kirschtorte bis hin zum Apfelstrudel. Sie erklärte uns, um was es sich bei den verschiedenen Kuchen handelt und fragte, ob jemand schließlich ein Dessert wollte. Für mich selbst bestellte ich keines, wobei ich zugeben muss, dass es schon eine Augenweide war!!! Unbeschreiblich! Ralph und Günter bestellten zusammen jedoch den Apfelstrudel (das wäre auch meine Wahl gewesen :-D) und bestanden darauf, dass ich zumindest probieren sollte. Leute, ihr könnt euch nicht VORSTELLEN, was das für ein Gefühl war!!! Ich fühlte mich, als befände ich mich für einen kurzen Augenblick wieder mit meiner Familie in der Skihütte auf dem Berg in Südtirol! Es war ein Apfelstrudel, wie wir ihn da immer gegessen hatten! Das klitzegleiche Rezept, auch mit den Nüssen drin und den warmen Äpfeln... Ich erinnerte mich witzigerweiße in diesem Moment als ich mir eine Gabel davon in den Mund schob an die Filmfrequenz in dem Film Ratatouille (den ich vor kurzem mit der kleinen Sophia angeschaut hatte), in dem ein Restauranttester eben das selbe Gefühl hatte wie ich in diesem Moment. In der besagten Filmfrequenz nahm der Restauranttester einen Bissen von dem Gericht Ratarouille und fühlte sich für einen Moment in seine Kindheit zurückversetzt. Jetzt konnte ich wirklich am eigenen Leib spühren, was die Figur im Film gespührt hat :-D Schon jetzt stand für mich fest, dass ich im Sommer den ein oder anderen Ausflug zu dem Restaurant unternehmen werde, mich auf die Terasse setzen und einen Apfelstrudel essen werde. Was für ein herrlicher Gedanke!

Wir hatten einen wunderschönen gemeinsamen Abend, sehr viele interessante Gespräche und verstanden uns wirklich super! :-) Es gab nur einen Nachteil: Der Abend verging vieeeeel zu schnell! Aber so ist das nun mal, wenn etwas schön ist :-) Ralph fuhr mich im Anschluss wieder zu meiner Gastfamilie und dann war der Tag auch schon zu Ende. Devin und Leshia fragten mich noch ein bisschen über den Tag aus, während sie sich auf einen typisch kanadischen Abend vorbereiteten. Bei ihnen gabs seine selbstgemachte, gegrillte Wurst, dazu Pommes, ein Bier und Hockey.

Am Muttertag selbst hatten wir alle ein wundervolles, kanadisches Frühstück zusammen :-) Es war wirklich herrlich, mal zusammen zu frühstücken und es war ein überraschender Gedanke für mich, dass es wirklich mein erstes, typisch kanadisches Frühstück hier ist, obwohl ich doch schon gut 2 Monate in diesem Land hier verweile :-D Na ja, ich hab auch erst während des zubereitens erfahren, dass es ein kanadisches Frühstück werden sollte :-D Ich hatte nämlich angeboten, Pancakes zu machen. Und zwar RICHTIGE Pancakes, nicht die faule-Kanadier-Variante. SORRY Canadians!!! Ich finds echt lustig, dass hier kaum ein Kanadier seine Pancakes wirklich "from scratch" herstellt, also seinen eigenen Teig macht etc. etc. Sondern Kanadier haben halt eben ihre Fertigbackmischungen. So blamiert sich wenigstens kein Kanadier, dass er keine Pancakes machen kann :-D Nun ja, ich hab also meinen Teig wirklich selbst gemacht und das hat die Shufelts sehr beeindruckt :-) Was mich wiederum sehr gefreut hat! :-) Richtig gute Pancakes zu machen war nämlich etwas, das ich mir in Deutschland vorgenommen hatte, das ich in Kanada lernen will und dann komm ich hier an und sehe die ganzen Fertigbackmischungen und die erstaunten Gesichter der Kanadier, die fragen: "Wieee du machst den Teig selbst, haha?!" :-D Ich habe trotzalledem gewagt, einen Versuch zu starten. Ich habe Brotback-Mehl verwendet. Also Mehl, in dem sich Körner befinden. Während der Herstellung hab ich gedacht: Oh Mannomann, das geht jetzt deshalb in die Hose", weil der Teig dadurch überhaupt nicht mehr süß schmeckte, sondern einen herberen Geschmack bekam, aber NEIN, es war soooo HERRLICH!!! Sie waren RICHTIG gut und Carina's neue Spezialrezept war geboren! :-) Die Shufelts meinten das auch, dass es besonders gut schmeckte durch das andere Mehl, das ich verwendet hatte! :-) Es war wirklich mal etwas anderes! :-) Außerdem konnte man ja süße "Toppings", wie Schlagsahne und Erdbeere oder Ahornsirup drauftun :-)

Während ich die Pancakes zubereitete war Devin damit beschäftigt, Rührei und Speck zu machen. Letztendlich wurde es also ein typisch kanadisches Frühstück und ich muss sagen: Es kann sich sehen lassen! :-) Und geschmeckt hats auch! Ich find klasse, dass es kein Spiegelei ist :-D Das hätte ich nämlich nicht gemocht :-P

 

Nun möcht ich euch noch ein bisschen was über meinen Alltag schreiben. Was euch ja sicher auch ganz brennend interessiert :-) Mittlerweile habe ich echt Spaß und Freude an meinem "Job" gefunden, der inzwischen mehr ein Hobby geworden ist. Ich muss zugeben, dass es ein bisschen gedauert hat, da es etwas ABSOLUT KOMPLETT anderes ist, wie das, was ich bisher eben beruflich gemacht habe. Aber auch deshalb bin ich hier. Um etwas neues, komplett anderes zu machen, um neue Erfahrungen zu sammeln, neue Entdeckungen zu machen... Auf ein Kind aufzupassen, ein Kind zu unterhalten den ganzen Tag, die Windeln zu wechseln, Mahlzeiten zuzubereiten, das Kind zu baden und mit dem Kind "Quatsch zu machen", ist eben nun mal etwas komplett anderes, als im Büro zu sitzen und Angebote zu erstellen :-D Ich muss allerdings sagen, dass beides seine Vorzüge hat :-) Ich musste mittlerweile meine Gewohnheitren ein bisschen umstellen. Ich trinke inzwischen Kaffee und Schwarztee (was ich niemals in meinem ganzen Leben geglaubt hätte, dass ich jemals KAFFEE anrühre :-D), aber ich brauche etwas, das mich fit sein lässt wie ein aufgedrehter Socken, dass ich von morgens um 7 bis abends um 6 oder 7 rumrennen kann und mir immer wieder neue Dinge einfallen lassen kann, die kleine Sophia zu beschäftigen und auf Trab zu halten. Ich stehe also mittlerweile um ca. halb 7 auf, mache mir mein Frühstück und um 7 oder manchmal auch ein bisschen nach 7 ist die Kleine dann auch schon wach und erwartet ihr Frühstück, das aus einer Banane mit Joghurt besteht. Vorher wird natürlich ihre Windel gewechselt und sie bekommt ihr Dress für den Tag. Ich liebe ihre kleinen Schuhe von Toms :-) Das ist eine sehr bekannte Marke hier. Aber ich liebe ja Kinderschuhe allgemein! :-) Es macht mir so viel Freude, ihr jeden Tag ein Dress auszusuchen! :-) Die Kleine ist zwar erst 18 Monate alt, aber sie kann schon selbst ihr Frühstück aus ihrer Schüssel löffeln. Nach dem Frühstück wird dann immer ein klein wenig gespielt, bis ich dann merke, dass sie "ready for a nap" ist (bereit zum Nickerchen). Während des Nickerchens habe ich Zeit für mich. Allerdings unterscheiden die sich immer sehr, was die Uhrzeit betrifft. Oft nutze ich die Chance um zu skypen, die Küche aufzuräumen oder ein kurzes Workout zu machen. Manchmal sitze ich auch einfach auf der Terasse und genieße die Sonne. Heute schreibe ich Blog :-D Wenn die kleine Prinzessin dann wieder aus ihrem mehr oder weniger tiefen Schlaf erwacht bekommt sie meist sofort ihr Mittagessen und anschließend wird wieder gespielt, bis sie ihren Mittagsschlaf bekommt. Während ihrer Nickerchen ist es für mich wichtig, immer den Monitor bei mir zu haben, auf dem ich sehen kann, ob sie schläft, wie sie schläft und ich kann hören, ob sie Geräusche macht. Je nach dem weiß ich, ob es bald Zeit ist, sie aus ihrem Zimmer zu holen :-) Abends bade ich die Kleine dann und dann geht's ab ins Bettchen. An manchen Tagen (abhängig vom Wetter) mache ich mit der Kleinen einen kleinen Ausflug nach draußen. In der Nähe des Hauses befindet sich ein Spielplatz. Sie ist ganz begeistert von der Schaukel oder einfach davon, andere Kinder zu beobachten :-) Für ihre 18 Monate ist die Kleine unbeschreiblich clever. Sie redet schon sehr viel, kennt viele Worte und rennt hin-und her als gäbs ein Morgen mehr :-) Ich habe sie bereits schon jetzt sehr in mein Herz geschlossen :-)

Nun komme ich einmal wieder zum Ende meines Blogeintrags. Einen lieben Gruß nach Deutschland! Denkt bitte an mich, wenn ihr das nächste Mal Brezeln oder Laugenweckle esst :-P

Eure Carina, die mittlerweile nur noch englisch denkt und träumt ;-)

(oft fallen mir deutsche Worte nicht mehr ein :-D Aber ich höre weiterhin fleißig deutsches Radio!)

 

Freitag, 25.04.2014

proud Canadians

Ein nettes "Hallöle" an alle, die zu Hause schon sehnsüchtig auf den nächsten Blogeintrag von mir warten & auch an die jenigen, die zufällig über meinen Blog stolpern :-)

Sicher interessiert es euch, wie ich mein Ostern herumgebracht habe, nachdem ich schon angekündigt habe, was alles auf dem Plan steht. Nun ja, das was ich bereits erwähnt habe war auch wirklich ALLES was auf dem Plan stand. Wir hatten ein/zwei größere Essen im Kreise der großen Familie. Verwandte meiner Gastfamilie sind von überall her angereist. Größtenteils sogar von weiters weg. Allerdings konnte ich keine Dialektunterschiede ausmachen :-D Bei uns würde man das ja sofort hören! Selbst wenn jemand nur 10 Kilometer weiter weg lebt, hört man ja schon einen Unterschied. Aber vielleicht nehme auch ich die Unterschiede einfach (noch) nicht so wahr :-D Das kann natürlich auch sein. Ich hatte mich ja soooo sehr darauf gefreut, neue Leute kennen zu lernen, mit anderen Menschen wieder in Kontakt zu kommen... Überraschenderweise war niemand in meinem Alter dabei. Es waren viele junge Familien mit kleinen Kindern, ein paar Leute in den 40ern und viele in den 50ern, 60ern und älter. Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich und wie gleich manche waren. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sich mir jemand zweimal vorstellt aber gleichzeitig habe ich dann registriert, dass es eben die Schwester oder der Bruder waren. Es waren schon einige Leute und ich hatte an dem einen Abend, an dem ich dabei war, nicht die Gelegenheit mit ALLEN zu sprechen. Im Grunde waren alle ganz nett und freundlich und interessierten sich sehr für die Unterschiede zwischen Deutschland und Kanada (wobei alle sicher der Überzeugung waren/sind, Kanada ist das Land Nummer 1 - mehr dazu später), für meine Familie und meinen Freund. Es gab selbst beim Salat vieles, bei dem ich sagen musste, dass ich das so nicht kannte, was ich die natürlich wissen ließ und sie fragten mich "What are you guys eating in Germany?!" und so ging das im Grunde den ganzen Abend. Sicher interessiert euch brennend, was es zum Essen gab. Nun ja... An dem Abend, an dem ich dort war gab es viele verschiedene Salate und Weckle um sich Sandwiches selbst zu belegen. Anschließend gab es verschiedene kanadische, unwarscheinlich süße, gebackene Köstlichkeiten. Dazu zählte unter anderem ein Cream-Pie (eine Art Blechkuchen, worauf alle Kanadier UNBESCHREIBLICH stolz sind), Muffins, Schneckennudeln mit Zuckerglasur, gefüllt mit einer Nusscreme, Fudge und verschiedene Erdnussbutter-Backwaren. Kein Mensch konnte und wollte glauben, ich hätte noch nie einen "Pie" gegessen, also den Blechkuchen, den es in allen möglichen Variationen gibt: mit Blueberries, Apfel, Birne verschiedenen süßen Crems... Als ich das sagte, meinte ich im Grunde nicht unbedingt den Blechkuchen, wie ich ihn kenne von zu Hause, sondern eben den typisch kanadischen Pie mit ihrem Spezialrezept, denn er sieht doch ein wenig anders aus als unserer. Im Grunde ist er auch rund, was unsere Blechkuchen ja nicht sind, aber er ist so flach wie ein Blechkuchen... Jedenfalls sind ihnen fast die "Glotzbebbel" (wie der Schwabe sagt) rausgefallen als ich das sagte. Ich fand es lustig und im Grunde auch schön mit anzusehen, wie stolz sie waren/sind auf ihre Rezepte, wobei ich ehrlich gestehen muss, dass mir die deutschen Backwaren um einiges besser schmecken :-D Aber Deutschland ist auch ein Land, das dafür bekannt ist und dann darf das auch so sein. Ich vermisse die gute, wunderbar knusprige, deutsche BREZEL!

Vielleicht denkt der ein oder andere, dass das was ich so beschrieben habe nicht unbedingt nach Festmahl klingt... Nun ja, das war es im Grunde auch nicht. Das "Festmahl" habe ich verpasst. Es hätte "Ham" gegeben (ein großes Stück Schinken, das in den Ofen geschoben worden war, Truthahn und andere Dinge, die ich nicht kenne und an dessen Namen ich mich im Moment nicht mehr erinnere. Es klang alles nach einer Menge Kalorien :-D Meine Hostfamilie Shufelt hat ein paar Reste des "Ham"s mit nach Hause gebracht und sie essen heute noch daran...

Ich möchte an der Stelle einen kurzen Exkurs machen und euch von der kanadischen Essenskultur erzählen, für all die jenigen, die es noch nicht wissen. Zumindest möchte ich auf einen Unterschied hinweisen, der sich vom "typisch deutschen" unterscheidet. Der ein oder andere mag es auch in Deutschland so praktizieren, wie die Kanadier aus eben dem selben Grund wie die Kanadier, aber das ist für mich dann eben nicht mehr "typisch deutsch" :-D Ich denke in Deutschland ist es bekannt, dass sehr viele ein "Abendbrot" essen, also ein gutes Schwarzbrot, Brötchen oder eine herrliche Brezel mit "toppings", würde man hier sagen... sprich: mit Wurst, Käse, Butter und dazu vielleicht einen Salat, saure Gurken, was auch immer. Ein typisches Vesper eben. Bei den Kanadiern ist es so, dass die meisten tagsüber nur Snacks und kleinere Mahlzeiten essen und abends dann die Hauptmahlzeit eingenommen wird, mit Fleisch und Kohlenhydraten, Salat...

Zurück zum Osterfest... Vielleicht fragt sich der ein oder andere, warum ich mir das "Festessen" entgehen lassen hab und dass es dafür einen triftigen Grund geben muss, da es sicher wenige gäbe, Fdie zu einem kanadischen "Festmahl" mit solchen Leckereien "nein" sagen würden. Ich möchte euch nicht verschweigen, dass Ostern nicht ganz einfach für mich war. Es war zum einen überwältigend, zu sehen wie die Familie zusammen feiert und zum anderen machte es die Sache nicht unbedingt einfacher, dass alle ständig nach meiner Familie gefragt haben. Nur zu gerne hätte ich Ostern mit meiner Familie und meinem Freund verbracht. Ich hatte im Grunde vorher nicht darüber nachgedacht, dass Ostern ein Anlass sein könnte, um Heimweh zu bekommen, aber wenn ich so zurückdenke ist es nur logisch, dass es hat so kommen müssen. Nun ja... Ich bin jetzt froh, dass Ostern geschafft ist und freue mich auf das NÄCHSTE Ostern, das ich GANZ SICHER mit MEINER supertollen Familie und meinem wundervollen Freund verbringen werde!  Für mich ist mein Heimweh, das ich über Ostern verstärkt wahrgenommen hatte aber etwas ganz natürliches und normales, da ich ein Familienmensch bin. Ich weiß, dass mich das Heimweh wahrscheinlich mehrmals in diesem Jahr ergreifen wird, aber ich weiß genauso gut, dass ich ein Mensch bin, der seine Ziele erreichen will und ich werde mein Jahr durchziehen. Es erwartet mich soooo unbeschreiblich viel aufregendes und spannendes zu dem ich nicht "nein" sagen will!

Ostern wurde hier auch ein wenig anders zelebriert, als ich mir Ostern vorstelle. Für mich gehört es dazu in die Kirche zu gehen und eben auch SCHOKOLADE zu essen :-D Aber nein, von Schokolade war keine Spur. Nur die kleine Sophia hat ein paar Leckereien bekommen, die sie vorher in aufgeregter Stimmung gesucht hatte. Ich hab für jeden. von meiner Gastfamilie deutsche Schokolade-Hasen gekauft von "Kinder-Schokolade", weil ich wusste, dass sie Kinder-Schokolade mögen :-) (Sie wussten vorher allerdings nicht, dass "Kinder" "children" bedeutet - tja, sie lernen eben auch was von mir :-D)

Anstatt Ostern gemeinsam draußen an der Natur zu verbringen und das Grüne zu genießen, das sich so langsam aber sicher bemerkbar macht, hat jeder eigentlich im inneren des Hauses vor sich hingekrustelt und Ostern nicht wirklich als einen Festtag wargenommen, was ich sehr schade fand. Leshia (Die Gastmutter) hatte arbeiten müssen und war daher nicht zu Hause. Dafür waren aber die Großeltern da, mit denen ich mich ganz gut verstehe. Sie wohnten über das ganze Osterwochenende bei der Familie, da auch sie von weit her anreisen mussten. Trotzalledem besuchen sie die Shufelts regelmäßig, was ich im Grunde auch sehr wichtig finde. Das letzte Mal als sie da waren, war ich ja gerade erst angereist bei der Gastfamilie. Da hatten Leshia und Devin mich wissen lassen, dass wenn die Großeltern da seien, einiges anders laufen würde, wie gewohnt, und nun hab ich auch gesehen, was sie damit gemeint hatten. Sie gaben Sophia um einiges mehr zu essen, als eigentlich vorgeschrieben :-D Kanadische Großeltern unterscheiden sich also zumindest in der Sache nicht großartig von den deutschen :-D

Ein letzter Schlusssatz noch zu Ostern, bevor ich zu den anderen Themen komme: "Andere Länder - andere Sitten"

Es war im großen und ganzen interessant zu sehen, wie Ostern in einem anderen Land zelebriert wird und es auch mal in einer anderen Familie zu verbringen. Bei manchem, wo mir etwas fehlt im Gegensatz zu dem, was ich kenne, denke ich mir dann immer auch, dass ich so das, was ich kenne dadurch dann noch viel mehr schätzen lerne als ohnehin schon. Es hat von dem her auch eine sehr positive Seite.

Es erwartete mich auch etwas, auf das ich mich riesig freute. Meine Familie und mein Freund hatten von zu Hause ein Päckchen für mich losgeschickt mit verschiedenen deutschen Dingen, auf die ich in Kanada weiterhin nicht verzichten wollte (wenn man auch leider keine Brezeln schicken kann :-D) Eigentlich hätte mich das Päckchen kurz vor Ostern erreichen müssen, aber von Leshia, der Gastmutter erfuhr ich, dass die kanadische Post sich sehr gerne immer etwas länger Zeit ließ. Die kanadische Arbeitsweise ist im Grunde auch ein wenig anders als die deutsche :-D

Hier wieder ein kleiner Exkurs: Von meinem Freund Marcel hatte ich den suuuper tollen Tipp bekommen, dass ich doch deutsches Radio hören könnte, wo ich selbst ehrlich gesagt nicht drauf gekommen bin. Aber es war eine klasse Idee! Ich bemerkte auch, dass deutsches Radio viel amüsanter und witzreicher gestaltet ist, als die kanadischen Radiosender, die ich bisher kannte. So habe ich nun abends immer ein bisschen was zum lachen während meiner täglichen Workouts :-Worauf ich hinauswill ist, dass sie lustigerweise im Radio brachten, dass eine Frau aus Kanada nach 45 Jahren einen Brief bekommen hat. Der Brief war also 45 Jahre lang unterwegs gewesen, bzw. zwischenzeitlich war er verschollen gewesen, ist dann wieder aufgetaucht und schließlich hat sie ihn nach 45 Jahren dann erhalten (Kaum auszudenken, wenn es ein Liebesbrief gewesen war Ohhhohhh). Sofort musste ich natürlich an mein Päckchen denken, auf das ich wartete und das bereits auch schon Verspätung hatte. Ich wüsste nicht, was die Shufelts in 45 Jahren mit einem inzwischen veralteten, deutschen Knorr-Soßenpulver und einem Spätzles-Seier anfangen sollten :-D

Gestern jedoch haben sich alle "Ängste", das Paket könnte mich nicht erreichen, in Luft aufgelöst. Gestern hielt ich es eeendlich in den Händen! :-) Klar, es klingt für euch vielleicht nichts besonderes, wenn ich euch sage, ich habe mir eine Tube meiner Spezial-Zahnpasta, deutsches Soßenpulver, einen Spätzles-Seier und deutsche Süßigkeiten, die es hier nicht gibt zusenden lassen... Aber für mich ist und bleibt es etwas unbeschreiblich besonderes! Es ist ein Stück Heimat! :-)

Es hat sich bereits auch etwas anderes ereignet, auf das ich mich unbeschreiblich freue und das ich kaum erwarten kann :-) Mein Freund Marcel hat seine Reise gebucht und wir haben unsere Reiseroute gemeinsam ausgearbeitet. Nun ist alles ganz fest geplant und nicht mehr veränderbar, denn selbst Hotels/Hostels und Mietwagen sind gebucht :-) Er kommt Anfang August und landet in Vancouver. Ich habe auch mein Busticket von Kelowna nach Vancouver schon gekauft, da ich ihn natürlich gerne am Flughafen abholen möchte! :-) Von dort aus beginnt dann unsere Reise. Wie unsere Reiseroute aussieht, möchte ich euch an der Stelle noch vorenthalten, denn es soll ja auch weiterhin für euch spannend bleiben! ;-) Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, dass er kommt!

Bis August bleibe ich also auf jeden Fall noch bei der Familie und genieße auch den Anfang des Sommers dann hier in Kelowna. Kelowna ist dafür bekannt, dass es hier sehr warm wird im Sommer. Also genau das Richtige für mich! Ich kann es kaum erwarten! In Kelowna wird sogenanntes "nursery" betrieben, was so viel heißt, wie Baumschule. Hier gibt es Plätze, wo man Pflanzen findet, soweit das Auge reicht, die hier sind, um zu wachsen, eben aufgrund der hohen Temperaturen. Es sind uuuunbeschreiblich viele Pflanzen/Bäume! Diese werden dann im ganzen Umkreis, sogar bis Vancouver verkauft.

Nicole, eine Freundin aus dem Französisch-Kurs an dem ich zu Hause in Deutschland jahrelang teilgenommen habe wird mich im Juni hier in Kelowna besuchen :-) Auch sie hat bereits ihre Reise schon gebucht, was mich auch sehr freut. Es wird sicher super, bekannte Gesichter zu sehen und sich nach einer so langen Zeit dann auszutauschen! Was ich lustig finde ist, dass sie mir dann Tipps geben kann, was man an dem ein oder anderen Ort gesehen haben muss, da sie, wenn sie in Kelowna ankommt schon Orte auf ihrer Reiseroute abgehakt hat, die ich mit Marcel dann im August besichtigen werde :-) Sicher wird es auch eine spannende Zeit, wenn Nicole mich besuchen kommt!

Nun möchte ich euch ein bisschen etwas über die Kanadier erzählen. Ich habe es ja vorhin schon angedeutet. Ich finde es zum einen wirklich schön mit anzusehen und zum anderen auch etwas lustig. Das erste Mal, als es mir aufgefallen ist, war, als ich das Nummernschild der Autos genauer betrachtet habe. Es sieht schon ein wenig anders aus, als die Nummernschilder die es bei uns so gibt, aber darauf will ich nicht hinaus. Das was ich sagen will ist, dass anstatt "BC" oder "British Columbia" eben "BEAUTIFUL British Columbia" draufsteht. Mit meinen Eltern habe ich schon gescherzt und gesagt, dass ich zu Hause dann einen Aufkleber auf mein Auto mache, auf dem steht "Beautiful/wunderschönes Baden-Württemberg" oder "Beautiful/wunderschönes Schwäbisch Hall". Worauf ich hinauswill ist, dass Kanadier uuuuunbeschreiblich stolz sind und sehr Heimatverbunden! Wo man auch hinschaut: Überall findet man die kanadische Flagge oder das "Maple Leave" (Ahornblatt), das für Kanada steht. Selbst auf dem McDonalds-M, das auf dem Gebäude des McDonalds angebracht ist, findet man das Ahornblatt! Aber auch auf fast jedem Produkt, das man im Laden kaufen kann, sieht man ein Ahornblatt. Die Kanadier selbst nehmen das gar nicht mehr so wahr, wie ich bisher erfahren habe. Ich habe Leshia, die Gastmutter darauf angesprochen und sie meinte, dass ich schon Recht habe und hat gelacht, aber sie meinte, ihr sei das gar nicht bewusst gewesen, dass auf dem McDonalds-M ein Maple Leave sei :-D Was hier auch sehr beliebt ist, sind die Kekse in Maple-Leave-Form, die die Kanadier zum Teil im Unverstand essen. Es sind Kekse mit einem leichten Vanille-Geschmack, die mit Ahorn-Sirup gefüllt sind. Ich dachte am Anfang, dass diese Kekse sicher nur Touris essen, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Vielleicht erinnert ihr euch an den Mann, mit dem ich an der Kasse vom "London Drug"-Store gesprochen habe... Der etwas dickliche Mann, der meinte, er könne auf die Kekse nicht verzichten. Es sind genau diese. Als ich dann bei der Familie Shufelt schon ein paar Tage war, hatte ich selbst die Gelegenheit, diese Kekse zu probieren. Die Kanadier sind unbeschreiblich stolze Menschen :-)

Nun vielleicht noch kurz was zu der aktuellen Wetterlage hier in Kelowna. Im Moment regnet es des öfteren, was Kelowna aber auch dringend braucht! Vieles sieht so trocken und noch winterlich aus. Allerdings kommen von vielen Bäumen bereits die Knospen und zum Teil auch Blüten zum Vorschein, was sehr schön ist, mit anzusehen. Das Gras selbst finde ich noch unbeschreiblich fade und braun. Ich habe allerdings keine Ahnung, wie GRÜN es hier tatsächlich wird. Man hat mich nämlich wissen lassen, dass ein paar Abschnitte Kelownas bedingt durch Waldbrände in den vergangenen Jahren ausgedrocknet sind. Ich habe auch schon viele "Schotterberge" gesehen, auf denen kein Gras wächst. Ich lass es einfach mal auf mich zukommen...

Vor kurzem haben Devin, Sophia, der Hund Sedi und ich einen Ausflug auf einen Berg gemacht, von dem aus wir eine suuuuperschöne Aussicht hatten, die man leider auf Fotos so nicht festhalten kann. Leider habe ich den Namen des Berges vergessen, aber ich werde ihn euch noch nachreichen. Der Berg ist gar nicht so weit von Downtown Kelowna entfernt, was mich sehr erstaunt hat!

 

Nun komme ich mal wieder zum Schluss meines Blogeintrags für heute. Ich hoffe, euch hat das Lesen Spaß gemacht und dass euch die Bilder gefallen! :-)

Bis zum nächsten Blogeintrag! Liebe Grüße in die Heimat!

Kleiner Nachtrag: Ich weiß jetzt, warum ich das erste Sushi nicht sonderlich genießen konnte :-D Ich habe hier in der Familie zum ersten Mal bewusst Avocado probiert und herausgefunden, dass es nicht so ganz meine Geschmacksnerfen beflügelt. Sprich: Ich mag es überhaupt nicht. Nachdem ich dann die Bilder des ersten Sushis nochmals angeschaut habe, habe ich bemerkt, dass dort bereits Avocado enthalten war. Die mit Fisch hatte ich ja gemocht ;-) 

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